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Kultur Herr Lohmann, warum brauchen Sie so viele Sänger?
Nachrichten Kultur Herr Lohmann, warum brauchen Sie so viele Sänger?
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00:18 27.05.2018
„Dass sich die Akteure, die in einer Stadt aktiv sind, in solcher Weise zusammentun, ist alles andere als selbstverständlich“: Florian Lohmann. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Am Sonntag erreichen die Kunstfestspiele Herrenhausen mit der Aufführung des Requiems von Hector Berlioz im Kuppelsaal ihren Höhepunkt. Beteiligt sind zwei Orchester und neun hannoversche Chöre. Chorleiter Florian Lohmann ist auch dabei.

Herr Lohmann, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg beim Deutschen Chorwettbewerb in Freiburg in der vergangenen Woche. Sie haben mit gleich zwei Chören, dem Collegium Vocale Hannover und der Capella St. Crucis, jeweils Preise gewonnen. Haben Sie sich dabei eigentlich selbst Konkurrenz gemacht?

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Vielen Dank! Nein, die Chöre sind ja in zwei verschiedenen Kategorien – Kammerchöre und Große Chöre – angetreten. Wir haben mit dem hervorragenden Erfolg auch nicht unbedingt gerechnet. Das Teilnehmerfeld war sehr stark.

Jetzt haben Sie wieder mit vielen guten Chören zu tun - bei der Aufführung des Berlioz-Requiems am Sonntag im Kuppelsaal singen ihre beiden Ensembles mit sieben weiteren hannoverschen Chören zusammen. Ist es eigentlich schwierig, wenn man als Chorleiter plötzlich nur ein Puzzleteil bei einer Aufführung ist?

Solche Einstudierungen für andere Dirigenten gehören ja zum Beruf des Chorleiters dazu. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass wirklich viele hannoverschen Kräfte zusammenwirken: Wir werden wohl mehr als 300 Sänger sein.

Warum braucht man für ein einziges Konzert so viele Sänger? Ist das nicht ein bisschen übertrieben?

Berlioz sieht in der Partitur schon einen wirklich großen Chor vor. Ich glaube, dass diese Menge dem Stück gut tut, das Orchester ist auch irrwitzig groß besetzt. Wir sind gespannt, wie es im Kuppelsaal zusammen klingt. Das Stück war es meines Wissens in Hannover noch nie zu hören. Für einen Chor allein ist das auch nicht zu stemmen. Darum ist es eine tolle Aktion für uns alle.

Wie lange bereiten Sie sich auf diese Aktion schon vor?

Seit Anfang des Jahres haben wir mit beiden Chören mehrere Programme parallel geprobt. Die Wettbewerbsprogramme waren ja nur 20 Minuten Musik, die sehr intensiv geprobt wurden, bei Berlioz war es eine Einstudierung von der Pike auf, denn das Stück hatte wirklich noch niemand bisher gesungen.

Und wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Kollegen?

Wir haben uns natürlich im Vorfeld mit dem Dirigenten Ingo Metzmacher abgestimmt, außerdem hatten wir dann einige gemeinsame Vorproben mit Jörg Straube, der von uns Chorleitern die größte Erfahrung im chorsinfonischen Repertoire hat. Dass sich die Akteure, die in einer Stadt aktiv sind, in solcher Weise zusammentun, ist alles andere als selbstverständlich. Das schafft wirklich die Atmosphäre einer Chorstadt. Man konnte das auch beim Wettbewerb in Freiburg spüren: Es waren sieben Chöre aus Hannover dabei und drei weitere haben Konzerte gegeben. Die Hannoveraner haben sich untereinander sehr unterstützt und für gute Stimmung gesorgt. In anderen Städten, die auch eine aktive Chorszene haben, läuft das längst nicht so gut.

Zur Person

Florian Lohmann hat seine musikalische Ausbildung im Knabenchor Hannover begonnen und lehrt heute an den Musikhochschulen in Hannover und Detmold. Er leitet die Capella St. Crucis und das Collegium Vocale Hannover. Beide Chöre singen am Sonntag, 27. Mai, 11 Uhr, Berlioz im Kuppelsaal. Am Sonntag, 10. Juni, 18. Uhr, dirigiert Lohmann in der Neustädter Hof- und Stadtkirche das Abschlusskonzert der Festwoche des Forums Agostino Steffani, das zugleich Auftakt der Chortage Hannover ist.

Von Stefan Arndt

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