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Kultur Fredener Musiktage beginnen am Sonnabend
Nachrichten Kultur Fredener Musiktage beginnen am Sonnabend
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18:45 25.07.2012
Von Stefan Arndt
Spezialisten für das Unbekannte: Die Camerata Freden mit Adrian Adlam (links). Quelle: privat
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Freden

Es ist, als sei die Welt zu eng. Schon im ersten Takt von Erich Wolfgang Korngolds Streichsextett streben die Töne viel weiter auseinander, als es die Regeln des Tonsatzes gewöhnlich zulassen. Man spürt, dass der Komponist hier zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Tor zur Atonalität rüttelt – und dann doch vorübergeht: Nach kaum einer Minute mündet der aufregende Beginn in eine beschwichtigende Kadenz. Man ist angekommen im sicheren Hafen eines unschuldig leuchtenden D-Durs.

Diese erstaunliche Musik ist auf einer neuen CD der Camerata Freden zu hören, deren unkonventionelle Repertoirewahl und musikalische Beredtheit auch viel über das Umfeld erzählen, dem diese Musiker entstammen. Die Camerata ist das Hausensemble der Internationalen Musiktage Freden, die seit fast 20 Jahren wohl die eigenwilligsten Kammermusikprogramme der deutschen Festivallandschaft präsentieren.

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In der historischen Zehntscheune des idyllisch im Leinetal gelegenen Örtchens oder im Alfelder Fagus-Werk lassen die beiden Festivalmacher Utz Köster und Adrian Adlam Musik erklingen, die andernorts meist unerhört bleibt. Dafür können sie auf große Namen verzichten – das Festival ist auch ohne Stars interessant genug. In Freden hört man Sinfonik im Kammermusikgewand oder große Namen, deren Glanz zu Unrecht verblasst ist – neben Korngold ist es vor allem der in Braunschweig geborene Frühromantiker Louis Spohr, der dort regelmäßig auf dem Programm steht.

Auch in diesem Jahr gibt man sich bei den Musiktagen heimatverbunden – natürlich unter einem ungewöhnlichen Blickwinkel. „Echt Niedersächsisch: Die Welt zu Gast“ heißt das Motto der diesjährigen Ausgabe vom 28. Juli bis zum 5. August. Neben neuer niedersächsischer Musik, etwa von der Oldenburger Komponistin Sarah Nemtsov, gibt es mancherorts vergessene Werke von Joseph Joachim oder Michael Praetorius. Der Göttinger Jazzmusiker Gunter Hampel ist mit einem Hip-Hop-Projekt als Pädagoge (bei einem Workshop für Jugendliche) und als neugieriger Klangwelterforscher zu erleben. Zusätzliche Farbe bekommt das Programm durch Bilder des hannoverschen Künstlers Degenhard Andrulat, die während des Festivals in der Zehntscheune zu sehen sein werden.

Vor allem aber zeigt man sich weltoffen: Zur Eröffnung am 28. Juli erklingt um 17 Uhr traditionelle Blohuntscho-Musik aus Ghana mit dem Ensemble Adesa. Am Abend spielen gleich zwei Streichquartette unter dem Motto „Echt Niedersächsisch“ Werke von Komponisten der Region aus drei Jahrhunderten. In den folgenden Tagen gibt es Musik aus Indien, Schweden, China und der Türkei – und nicht selten treten die Musiker aus diesen Ländern in Dialog mit der Fredener Camerata. Verständigungsprobleme mit den Festivalkünstlern sind dabei kaum zu erwarten: Das Unbekannte ist schließlich ihr eigentliches Metier.

Die Fredener Musiktage dauern vom 28. Juli bis zum 5. August, Karten und Programm: www.fredener-musiktage.de und Telefon (05184) 950179.

25.07.2012
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