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Kultur „Freiheit" von Jonathan Franzen mit Spannung erwartet
Nachrichten Kultur „Freiheit" von Jonathan Franzen mit Spannung erwartet
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10:24 18.08.2010
Von Martina Sulner
Jonathan Franzen.
Coverboy Franzen. Quelle: Handout
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Seit Jahrzehnten, wenn nicht noch länger, wartet man in den USA auf die „great american novel“. Auf den großen amerikanischen Roman, der von dem Land, den Menschen, der Stimmung – kurz: irgendwie von allem – erzählt. Toll geschrieben und gut zu lesen soll so ein Nationalepos natürlich auch sein.

Vielleicht hat das Warten bald ein Ende: Ende des Monats erscheint in den USA „Freedom“, der neue Roman von ­Jonathan Franzen. Der Autor jedenfalls, der vor neun Jahren mit seinem Roman „Die Korrekturen“ den Durchbruch schaffte, ziert die aktuelle Titelseite des „Time“-Magazins. Neben einem Porträt des 51-Jährigen heißt es: „Great american novelist“. Schriftsteller, denen der „Time“-Titel vergönnt ist, gelten etwas. Im Jahr 2000 war Bestsellerautor Stephen King auf dem Cover zu sehen, seitdem hat es kein Schriftsteller mehr dorthin geschafft.

Die Erwartungen an den neuen, nunmehr vierten Roman Franzens sind immens. Mit seiner Familiengeschichte „Die Korrekturen“, für die er 2001 den National Book Award erhalten hatte, war er bei Kritikern und Lesern gleichermaßen gut angekommen. Die Geschichte über eine typische Mittelschichtsfamilie aus dem mittleren Westen erzählt in zahlreichen Nebenhandlungen und Rückblenden von der Sehnsucht nach einem erfüllten Leben, von der Angst, aus dem etwas langweiligen, aber behüteten Dasein herauszufallen – und dem Wunsch der Kinder, die Fehler der Elterngeneration zu korrigieren. Ein universelles Thema, ganz klassisch erzählt: Auch in Deutschland war Jonathan Franzen, der mal eine Weile in Berlin gelebt hat und seit Kurzem Mitglied der Berliner Akademie der Künste ist, mit dem Roman sehr erfolgreich.

Jetzt, nach dem „Time“-Cover, wächst die Spannung auf den neuen Franzen quasi von Tag zu Tag. „Freedom“ ist wiederum eine opulente Familiengeschichte, und laut einer Literaturkritikerin der „New York Times“ soll das Buch „ein unvergessliches Porträt unserer Zeit“ sein.

Unter dem Titel „Freiheit“ wird der Roman, von den renommierten Übersetzern Bettina Abarbanell und Eike Schönfeld ins Deutsche übertragen, bereits am 17. September im Rowohlt Verlag erscheinen. Die Erstauflage des rund 600-seitigen Buches liegt bei 100 000 Exemplaren – für einen literarischen Titel eine gewaltige Zahl. Gut einen Monat, nachdem er seine Lesereise durch die USA beginnen wird, wird Jonathan Franzen bereits nach Deutschland kommen. Am 8. Oktober stellt er seinen neuen Roman auf der Frankfurter Buchmesse vor, anschließend liest er in fünf weiteren Städten, Hannover ist nicht dabei.

Mit dem Satz „Lesen, worauf alle warten!“ wirbt der Rowohlt Verlag für den Franzen-Roman. Wir warten, und wir werden lesen, und ein bisschen bangen wir auch, ob dieser Roman den großen Erwartungen standhalten kann.