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Kultur Worum geht es eigentlich in der Oper "Rigoletto"?
Nachrichten Kultur Worum geht es eigentlich in der Oper "Rigoletto"?
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02:15 21.07.2017
Von Stefan Arndt
Testlauf bestanden: Das Gerüst am Neuen Rathaus erstrahlt am Montagabend in bunten Farben.
Testlauf bestanden: Das Gerüst am Neuen Rathaus erstrahlt am Montagabend in bunten Farben. Quelle: Heusel
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Hannover

Das Stück erzählt von einem Spaßmacher, aber lustig ist es nicht. Giuseppe Verdis Oper „Rigoletto“, das Werk, das seinen Schöpfer endgültig zum führenden italienischen Opernkomponisten machte und einen der größten Hits aller Zeiten enthält, ist ein düsterer Schocker. Die Geschichte kommt aus dem französischen Volkstheater, das nach der Revolution von 1789 wild fabulierend auflebte, und wurde von Viktor Hugo („Der Glöckner von Notre-Dame“ und „Les Misérables“) nur notdürftig mit Versen bemäntelt. Verdi, der diese Version 1844 kennenlernte, war sofort begeistert von der urwüchsigen Kraft des Stoffes und beschloss, eine Oper daraus zu machen.

An der Rathaus-Baustelle werden Lampen und Kronleuchter für die "Rigoletto"-Aufführung angebracht.

1851 wurde „Rigoletto“ in Venedig uraufgeführt und sehr bald an fast allen Opernhäusern der Welt gespielt – meist in der jeweiligen Landessprache. Die Premiere der deutschen Fassung ging im Januar 1853 in Stuttgart über die Bühne, nur einen Monat später war „Rigoletto“ erstmals in Hannover zu erleben.

Die Vorbereitungen laufen

Die Vorbereitungen im Maschpark für die Freiluft-Aufführung von "Rigoletto" sind in vollem Gange.

Inzwischen ist es auch hier längst üblich, italienische Opern auf italienisch zu singen. Es schadet also nicht, den Inhalt des Stücks vorher zu kennen.

Darum geht es

Italien im 16. Jahrhundert: Bei einem Fest im Palast des Herzogs von Mantua berichtet der Hausherr einem Vertrauten von einer ihm bislang nicht näher bekannten Bürgerlichen, die er zu verführen gedenkt. Das hält ihn nicht davon ab, sein Glück zunächst bei der Gattin eines anwesenden Grafen zu versuchen. Sein Hofnarr Rigoletto, der von einem Buckel verunstaltet ist, rät ihm, den Grafen aus dem Verkehr zu ziehen, um sich ungestört mit dessen Frau zu vergnügen. Damit zieht Rigoletto den Unmut der Höflinge auf sich, die gerade das Gerücht gehört haben, der Buckelige habe eine Geliebte. Der Graf von Monterone erscheint auf dem Fest und beschuldigt den Herzog, seine Tochter verführt zu haben. Rigoletto verspottet den Grafen und wird dafür von ihm verflucht.

Auf dem Rückweg vom Fest trifft Rigoletto auf einen Mörder, der ihm seine Dienste anbietet. Noch braucht Rigoletto sie nicht. Er kehrt heim zu seiner Tochter Gilda, die von den Höflingen für seine Geliebte gehalten wird und die die neue Auserwählte des Herzogs ist. Tatsächlich hat sich der Herzog schon heimlich Zutritt zum Haus verschafft. Rigolettos Tochter ist sofort verliebt in ihn. Um sich an Rigoletto zu rächen, entführen die Höflinge Gilda (die sie für Rigolettos Geliebte halten) und bringen den Narren sogar dazu, dabei zu helfen, indem sie ihm einreden, es ginge um die Gräfin, auf die der Herzog es abgesehen hatte (und die zufällig nebenan wohnt). Schließlich erkennt Rigoletto seinen Irrtum und erinnert sich an den Fluch Monterones.

Die besten Plätze

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Pause.

Zurück im Palast ärgert sich der Herzog, dass sein Rendezvous gestört wurde und freut sich umso mehr, als er hört, dass Gilda zu ihm in den Palast gebracht wurde. Er geht zu ihr. Rigoletto trifft Gilda, als sie aus dem Schlafzimmer des Herzogs kommt. Sie erklärt, dass sie den Herzog liebe. Rigoletto weiß, dass diese Liebe aussichtslos ist und schwört Rache.
Rigoletto will seiner Tochter die Untreue des Herzogs beweisen: Er führt sie zum Haus des Mörders, wo der Herzog gerade dessen Schwester umgarnt. Er beauftragt den Mörder, den Herzog zu töten und ihm die Leiche in einem Sack auszuhändigen. Seine Tochter schickt er in Männerkleidern aus der Stadt. Während ein Gewitter aufzieht, überredet die Schwester des Mörders ihren Bruder, den Herzog leben zu lassen und stattdessen den ersten Mann zu töten, der das Haus betritt. Gilda, die die Stadt gegen die Anweisung ihres Vaters nicht verlassen hat, belauscht die beiden – und opfert sich für ihren Geliebten. Unter Donnergrollen betritt sie in ihrer Verkleidung des Haus und wird erstochen.
Der Mörder händigt Rigoletto den Sack mit der Leiche aus. Der glaubt seine Rache vollzogen, als er den Herzog aus dem Haus singen hört. Rigoletto öffnet den Sack und findet darin die zum Tode verwundete Gilda, die ihren Vater mit letztem Atemzug um Verzeihung bittet.

Ein wohlgehüteter Hit

Diese reißerische Handlung von „Rigoletto“ wurde dem Komponisten vor allem im deutschsprachigen Raum zunächst übel genommen. „Die Musik gibt dem Text an Gemeinheit nichts nach“, befand etwa die „Hannoversche Zeitung“ nach der ersten Aufführung in der Stadt. „Sonst fehlt es an allem Geist, an jeder Ahnung, dass der Komponist begriffen habe, was eine Oper sein könne und deshalb auch solle“, so der Rezensent, der damals nicht ahnen konnte, dass das so geschmähte Stück noch 150 Jahre später zu den meistgespielten Opern des Repertoires zählen würde.

Verdi dagegen hatte ein besseres Gespür für die Wirkung seines Werke: Dem Tenor der Uraufführung händigte er erst wenige Stunden vor der Premiere die Noten zu der Arie „La donna è mobile“ (deutsche Version: „O wie so trügerisch sind Frauenherzen“) aus, in der der Herzog sein fragwürdiges Frauenbild ausbreitet. Verdi fürchtete, die eingängige Melodie würde sich sonst noch vor der Aufführung verbreiten. Tatsächlich wurde die Arie das Paradestück für viele Tenöre und einer der größten Hits der Musikgeschichte.

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