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Kultur Freunde erinnern mit Buch an Ludwig Zerull
Nachrichten Kultur Freunde erinnern mit Buch an Ludwig Zerull
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19:06 27.08.2012
Von Rainer Wagner
Ludwig Zerull, fotografiert vom hannoverschen Künstler Hans Karl. Quelle: Hans Karl
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Hannover

Er war auch der Mann für Nachrufe. Wenn Ludwig Zerull fürchtete, es könnte ein Abgängiger der hiesigen Kunstszene übersehen werden, dann meldete er sich schon mal selbst in unserer Redaktion. Als der Kritiker und Kunstermöglicher im Januar 2011 starb, wenige Tage nach seinem 69. Geburtstag, nach dessen Feier er einen Gehirnschlag erlitten hatte, da gab es respektvolle und doch angemessen schillernde Nachrufe auf ihn und eine bes(ch)wingte Trauerfeier, die ihm gefallen hätte.

Als Echo dieser Nachrufe erscheint jetzt ein Büchlein, das Leonhard von Monkiewitsch, Reinhard Scheibe und Giso Westing herausgegeben haben: „stellvertretend für Ludwigs Freunde“. Und von denen gab es viele. Das kam daher, dass Zerull tatsächlich - wie es der Untertitel des Bändchens aufzählt - Vermittler, Gestalter, Chronist und Bonvivant war. Natürlich wird hier von Künstlern, Kunsthausdirektoren und Kunstpolitikern die Bedeutung Zerulls gewürdigt, der gerne von sich sagte, er sei „noch immer ohne Amt“ und der doch viel Einfluss hatte als Berater, als Kurator oder als Ausstellungsgestalter. Auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder fehlt nicht, der hier bekennt, „Zerulls Texte als Schatztruhe und Quell der Inspiration gerne genutzt“ zu haben. Auch wenn er sich bei seinen Reden meist nicht an dessen Manuskriptvorschläge gehalten hat. Zerull war Kunstpädagoge mit bestandenem ersten Staatsexamen, aber für ihn und für alle, die ihn kannten, war offensichtlich, dass er kein Mann für einen geregelten Stundenplan war.

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Von den Lehrjahren des Kunststudenten erzählen Freunde von damals, aber noch spannender ist es, hier einmal die Kunstwerke Zerulls zu sehen. Ein latent kubistisches Selbstporträt von 1960 etwa, das naiv-verspielte „Wasserkarussell“ von 1963 oder seine Materialverfremdung „HAZ“ von 1968.

Natürlich sind die Mosaiksteine für das Porträt eines Lebens-Künstlers hochamüsant, die seine Weggefährten beisteuern. Sein Lehrer am Ratsgymnasium erinnert sich, wie der Abiturient „in leicht federndem Storchengang“ und erhobenen Hauptes die Schule verließ, weil man nicht seinen Entwurf für ein Schultheaterbühnenbild umsetzen wollte, sondern den zweitbesten. Seine Begründung: „Ich verlasse jetzt aus Protest die Schule. Denn mein Entwurf ist eindeutig der Beste.“ Klare Urteile konnte er schon als junger Mann fällen.

Die langjährige HAZ-Kunstkritikerin Alexandra Glanz erinnert daran, dass Zerull und sein Anrufbeantworter „so eng miteinander verflochten waren wie die delikaten Farbkombinationen seiner Sakkos“. Dank des AB wussten alle immer, wo er gerade mal wieder einen Espresso trank - oder anderes.

Schade, dass er seinen geplanten autobiografischen Roman nur skizziert hat. Man hätte gerne mehr erfahren über die „geistige Geradlinigkeit des Flachlandes“. In dem Zerull nicht nur wegen seiner Körpergröße herausragte.

Das Erinnerungsbuch (10 Euro) ist vom 2. September an in der Galerie vom Zufall und Glück am Theodor-Lessing-Platz erhältlich.

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