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Kultur Friedrich Christian Delius erhält den Georg-Büchner-Preis
Nachrichten Kultur Friedrich Christian Delius erhält den Georg-Büchner-Preis
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15:55 19.05.2011
Von Martina Sulner
Friedrich Christian Delius erhält in diesem Jahr den Georg-Büchner-Preis. Quelle: dpa
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Der Humor und das Selbstbewusstsein von F. C. Delius zeigen sich schon auf seiner Homepage. „Bloggen kann jeder“, heißt es dort auf der ersten Seite, „hier finden Sie haltbare Bücher, mit literarischem Gütesiegel.“ Jetzt kommt ein weiteres Gütezeichen hinzu: Der 1943 geborene Autor erhält in diesem Jahr den Georg-Büchner-Preis, vergeben von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Er sei „überrumpelt-froh“, sagte Delius. Die Auszeichnung ist – wegen des 60-Jahre-Jubiläums des Preises – mit 50.000 statt mit 40.000 Euro dotiert.

Friedrich Christian Delius, lobt die Akademie, sei ein kritischer, findiger und erfinderischer Beobachter, er erzähle von den deutschen Bewusstseinslagen im 20. Jahrhundert und lote die historischen Tiefendimensionen der Gegenwart aus. Literarisch begleitet der 1943 geborene Delius die deutschen Zustände seit 1965; da erschien sein Debüt, der Gedichtband „Kerbholz“. Fast 30 Bücher hat er seitdem veröffentlicht, und an den Titeln und Themen lässt sich erkennen, was ihn zur jeweiligen Zeit beschäftig hat – und womit sich die bundesrepublikanische Gesellschaft (oder Teile davon) auseinandergesetzt hat. Aufsehen erregte er 1972 mit der dokumentarischen Satire „Unsere Siemens-Welt“. Darin beschreibt Delius, in Form einer Festschrift, die Geschichte des Unternehmens, besonders auch dessen Nähe zu den Nationalsozialisten. Um das Buch entbrannte ein Rechtsstreit, in dem es auch um die Frage ging, was Satire darf. Mit einigen Schwärzungen durfte es weiter erscheinen.

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Als „Unsere Siemens-Welt“ erschien, arbeitete Delius als Lektor im Wagenbach-Verlag, bald darauf war er Mitbegründer des Rotbuch-Verlags, der sich von Wagenbach abgespalten hatte. Ein Achtundsechziger war er, und Delius gehört nicht zu denen, die ihr Engagement heute verteufeln: „Es ist überhaupt nichts falsch daran, die Welt ein wenig gerechter machen zu wollen. Das war ja der Ausgangspunkt von ’68“, sagt er in einem Interview.

Delius, der 1989 mit dem hannoverschen Gerrit-Engelke-Preis ausgezeichnet wurde, beschreibt sich als jemanden, der lieber Jean Paul und Fontane als Marx lese. Einen Fontane-Bezug hat auch sein 1991 erschienenes und bislang erfolgreichstes Buch „Die Birnen von Ribbeck“. Ausgehend vom Dorf Ribbeck – bekannt durch das Fontane-Gedicht – beschreibt er den Alltag in der DDR.

Zu den berührendsten Büchern von F. C. Delius gehört jedoch „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“. Darin erzählt er – autobiografisch gefärbt – von einem verschüchterten, stotternden Pfarrerssohn, der 1954 in der hessischen Provinz den Sieg der deutschen Fußballer am Radio miterlebt – und sich fortan ein bisschen von den Ansprüchen und Herausforderungen des strengen Vaters lösen kann.

Fußball spielt im Leben von F. C. Delius immer noch eine Rolle. So weist er auf seiner Homepage aus aktuellem Anlass, dem Wiederaufstieg von Hertha BSC in die erste Liga, auf sein altes Gedicht „Aufstiegsrunde“ hin. Das beginnt so: „Hertha steigt auf. Steigt Hertha auf / steigt die ganze Hauptstadt auf.“

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