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00:49 08.10.2014
Von Johanna Di Blasi
Friedrich Liechtenstein ist eine Art männliches It-Girl. Jetzt bringt er sein ersten Buch heraus. Der Titel: „Selfie-Man“. Quelle: „Friedrich Liechtenstein / Blumenbar“.
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Berlin

Vor ein paar Jahren tauchte der Ausdruck „It-Girl“ in People Magazinen auf. Er bezeichnet junge Frauen mit Neigung zu Mode, die auf den maßgeblichen Partys auftauchen, ad hoc zu den Prominenten gezählt und von People Magazinen beobachtet werden. Friedrich Liechtenstein ist eine Art männliches It-Girl. Auch der Berliner wurde schlagartig zum Promi. Allerdings nicht nur durch Schön- und Coolsein, sondern durch einen viralen Marketing-Erfolg: Liechtensteins „Supergeil“-Video für Edeka erreichte seit Anfang des Jahres 20 Millionen Zuschauer. Sogar die „New York Times“ berichtete über den Deutschen, der Supermärkte cool aussehen lässt.

Nach einem im Vergleich mit dem „Supergeil“-Song mäßig viralen Konzeptalbum („Bad Gastein“) stellt der Sänger und Selbstdarsteller jetzt sein erstes Buch vor: „Selfie Man“. Es dreht sich - der Titel lässt es ahnen - ganz und ausschließlich um eins: Friedrich Liechtenstein. Man sieht den Berliner, der zur gespiegelten Sonnenbrille gespiegelte Fingernägel trägt, in der Wanne, in der Sonne, in Bad Gastein, von Verehrern umzingelt, geküsst von spärlich gekleideten Mädchen, beim Eisschlecken, im Kimono, im Smoking, in Unterhose, im Blauen Band, im Platoon und im Asphalt-Club. Kein Zweifel, dass der Mann ein dolles Leben mit super Leuten führt, zwischen Rosa-Luxemburg- und Alexanderplatz, mit Abstechern aufs Land oder ans Meer. Nicht dem Selfmademan gehört heute die Welt, sondern dem Selfie-Man!

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Das Buch

Friedrich Liechtenstein: „Selfie Man“, 160 Seiten, Aufbau Verlag, 9,99 Euro. Am 14. Oktober stellt der Autor sein Buch im Babylon-Kino in Berlin vor.

Liechtenstein geizt in seinem als Mischung aus Tagebuch und Abrisskalender gestalteten Buch weder mit Beauty-Tipps („Photoshop“) noch mit Lebensweisheiten. Sein ganz persönliches Rezept für das Supergeildasein lautet so: „Supergeilsein fängt damit an, dass man aufhört, sich selbst anzuschauen, dauernd zu checken, hey, stimmt bei mir noch alles“. Stattdessen solle man „andere Menschen genauer beobachten, aber ohne Urteil, erst mal nur schauen“ - und den Blicken standhalten. Aber auch das erfährt man: „Eine Sülze in Bayern kann eine sehr geile Sache sein. Eine Sülze bei einer Schulspeisung in Cottbus ist unter Umständen ziemlich scheiße“. Als Supereisdiele preist Liechtenstein ganz zu Recht Cuore di Vetro, wo man Zitrone mit Minze oder Karamel mit Salz bekommt.

Liechtensteins „Supergeil“-Video für Edeka erreichte seit Anfang des Jahres 20 Millionen Zuschauer. Sogar die „New York Times“ berichtete über den Deutschen, der Supermärkte cool aussehen lässt. Jetzt stellt der Sänger und Selbstdarsteller jetzt sein erstes Buch vor: „Selfie Man“.

Das Leben vor dem „Supergeil“-Erfolg bleibt trotz Selfie-Buch vage. Liechtenstein sei 1956, 1957 oder 1959 in Eisenhüttenstadt geboren, erfährt man. Er sei gelernter Puppenspieler, habe mit der Choreographin Sasha Waltz zusammen gearbeitet, sei mit der Hamburger Electropunk-Band „Deichkind“ auf Tournee gegangen. Und kryptisch: „Er lebte als Schmuckeremit eines Sonnenbrillenlabels.“

Im entzückenden Kurz-Vorwort zu seinem Buch wundert sich der Selfie-Meister über den eigenen Ruhm: „Da tanzt man einmal durch einen Supermarkt, tanzt die Uschi und die Muschi, und ist ein Star“. Die eigene Existenzform betrachtet Liechtenstein als „Grenzgang zwischen Abgrund und guter Laune“. Die grassierende Selfie-Manie bezeichnet er als „Blumenkohl der Jetzt-Zeit. Es sind viele kleine Röschen, und nie sieht der geneigte Betrachter alles. Es sind die Tagebücher des dritten Jahrtausends“.
Liechtenstein hat sich angewöhnt, bei jeder Gelegenheit sein geschenktes Fotohandy zu zücken. Bis zu einem gewissen Grad ist das allerdings Notwehr. Seit seinem „Supergeil“-Erfolg wird der Sänger auf Schritt und Tritt um Selfies angebettelt. Die Leute kommen in der Regel so auf ihn zu: „Ich weiß, dass muss jetzt bestimmt nerven. Ich mach’ das normalerweise nicht, aber darf ich ein Selfie mit Ihnen machen?“ Für Liechtenstein ist das ungefähr so, als würde man sagen: „Ich weiß, das tut weh, aber darf ich Ihnen mal auf den Fuß treten?“.

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