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Kultur Frischer Wind für alte Konzertreihe
Nachrichten Kultur Frischer Wind für alte Konzertreihe
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18:38 12.08.2012
Von Stefan Arndt
Will Traditionen aufweichen: Oliver Wille.
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Hannover

Es geht ums Überleben. Darum spricht man bei der Kammermusikgemeinde derzeit auch ungewöhnlich offen über die Probleme der Konzertreihe. „Altersbedingter Zuhörerschwund und damit verbundene finanzielle Einbrüche machen uns zu schaffen“, ist in der Vorschau auf die neue Saison zu lesen. Dass es in den kommenden Wochen und Monaten überhaupt noch Konzerte gibt, ist ein ebenso gutes Zeichen für den Lebenswillen des Vereins wie die neue Zusammensetzung des Vorstands. Ein Durchbruch ist es aber noch nicht: „Die Kammermusikgemeinde muss viel lebendiger werden“, sagt Oliver Wille, der künftig für die Programmgestaltung zuständig ist, „sonst ist bald endgültig Schluss.“

Der 36-jährige Berliner ist seit diesem Semester Professor für Streichquartett an der Musikhochschule und Primarius des renommierten Kuss Quartetts. Er glaubt, dass Hannover durchaus wieder zu der Kammermusikmetropole werden kann, die es einmal war. „Ich habe die Hoffnung, dass unsere Änderungen in den kommenden zwei Jahren einschlagen werden“, sagt er mit Blick auf die Pläne der Gemeinde.

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Wichtigstes Ziel ist für Wille dabei, mit den Konzerten „Erlebnisse herzustellen“. „Man muss hinterher über den Abend sprechen“, so der Geiger. Dafür müsse man die „traditionellen, etwas spießigen Formen“ der Konzerte aufweichen. Richten sollen das nun „authentische Künstler“, die Musik von einer frischen und überraschenden Seite zeigen. Möglichkeiten böten sich reichlich, so Wille: „Es gibt genug Ensembles, die gute Ideen haben, sie aber nie zeigen können, weil die Veranstalter auf konventionelle Programme bestehen“, sagt er. Darum möchte er Musikern die Gelegenheit geben, sich so zu präsentieren, wie sie es selbst gerne möchten. Zumindest im zweiten Teil der Konzerte sollen die Künstler künftig freie Hand in der Programmgestaltung erhalten: „Sie sollen ihre Besonderheit nach Hannover bringen.“

Auf diese Weise muss man auch nicht völlig umdenken. Cross-Over-Künstlern wird man in künftigen Konzerten ebenso wenig begegnen wie Musikern, die nicht auf höchstem Niveau spielen. Es wäre fatal, auf billige Ensembles auszuweichen, nur weil der Etat keine großen Sprünge zulässt, so Wille. „Die Kammermusikgemeinde lebt auch von den großen Namen“, sagt er. Durch die Arbeit an der Musikhochschule, die viele gute junge Musiker anziehen soll, will er dazu beitragen, die Stadt langfristig für Kammermusiker attraktiver zu machen. „Man muss sich wieder darum reißen, hier auftreten zu können“, sagt er. Welche Rolle sein Verein dabei spielen soll, ist auch schon klar: „Die Kammermusikgemeinde ist dann die Champions League.“

Ein Imagewechsel bedeutet auch der Versuch, einen neuen Ort für die Konzerte zu finden. In dieser Saison bleibt man aber noch im Beethovensaal, der für Wille „alles andere als optimal“ ist. Neu ist auch die Öffnung zum Nachwuchs: Die Studenten der Hochschule erhalten bei einem „Kammermusik-Fest“ Gelegenheit, den Stand ihres Könnens zu zeigen. Und damit möglichen Interessenten der Einstieg erleichtert wird, hat sich die Kammermusikgemeinde für eine neue Preisstruktur entschieden, die auch jenseits eines Abonnements funktioniert.

Weitere Informationen und Programm unter Telefon (0511) 323581.

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