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Kultur Fröhliche Weintrinker beim barocken Bankett
Nachrichten Kultur Fröhliche Weintrinker beim barocken Bankett
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19:22 10.09.2010
Von Dirk Kirchberg
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Der Begriff „Barock“ stammt aus dem Portugiesischen und beschrieb „schiefrunde“ Perlen. Schiefrund waren auch so manche Festgäste nach den kulinarischen Gelagen des 17. und 18. Jahrhunderts. Was da alles auf die Tische kam: gebratene Rebhühner, unzählige Sorten Käse, Schweinsköpfe, Suppen aller Art, Hammelbraten und Lammfleisch, dazu Wein und Bier – und das meist gleichzeitig. Die Schauspieler Oda Thormeyer und Hans-Werner Meyer erzählten historische Anekdoten und erläuterten damalige Tisch(un)sitten am Donnerstagabend in der Herrenhäuser Galerie.

Der Abend, der unter dem Motto „Barocke Bankette“ stand und Auftaktveranstaltung des diesjährigen Literaturfests Niedersachsen der VGH-Stiftung war, lockte rund 350 Gäste in den prachtvollen Saal in Herrenhausen. Zwischen den textlichen Collagen aus Briefen der Liselotte von der Pfalz und Madame de Sévigné intonierte das Hamburger Barockensemble Elbipolis Musik von Georg Philipp Telemann, Henry Purcell und Johann Jakob Froberger. Von Letzterem wurde der musikalische Nachruf „Tombeau fait à Paris sur la mort de Monsieur Blancheroche“ gespielt, der dem Lautenisten Charles Fleury gewidmet ist, nachdem dieser nach einem Trinkgelage unter Musikern eine Treppe herabgestürzt und dabei zu Tode gekommen sein soll. Denn zu Zeiten Ludwigs XIV. durften die Musiker sich nicht am Bankett bedienen, sondern mussten sich nach ihren Auftritten, die oftmals bis tief in die Nacht dauerten, in Spelunken selbst verköstigen.

Mit einem humorvollen Missgeschick begann der Abend in der Herrenhäuser Galerie: Der Schauspieler Hans-Werner Meyer trug zum dunklen Anzug zwei verschiedene Schuhe. Er erklärte, dass dies keine besondere Sitte des Barockfestes sei. Er lagere seine Schuhe separat in Beuteln und habe am Morgen einfach zwei verschiedene Schuhe erwischt. Es sollte der einzige Fauxpas des Abends bleiben. Die appetitanregenden Beschreibungen, die der Dramaturg Karl-Heinz Ott zusammengestellt hat, wurden mit der Darreichung von kleinen Köstlichkeiten abgerundet, stellte sich bei vielen Besuchern doch schon ein leichtes bis mittelschweres Hungergefühl ein.

Diesen konnten sie aber mit Brokkolicremesuppe, Lachs in Blätterteig, Melone im Teigmantel, mit dunkler Schokolade oder Vanille-Lavendel-Creme gefüllte Waffelröllchen, kleinen Croissants mit Schinken und Crème Caramel schmackhaft stillen. Ein gelungenes Fest – und es sollen noch viele folgen. Denn das Literaturfest Niedersachsen der seit mittlerweile zehn Jahren bestehenden VGH-Stiftung hat „Das Fest“ an sich zum Thema.

Am Sonnabend, 11.9., folgt um 18 Uhr der „Literatur-Treck“ durch den Serengeti-Park in Hodenhagen. Der vielfach ausgezeichnete Reisejournalist Andreas Altmann nimmt die Teilnehmer mit auf eine Reise zu traditionellen Festen in die afrikanische Savanne und zu den Pow-Wows der nordamerikanischen Indianer.

10.09.2010
Dirk Kirchberg 10.09.2010
Martina Sulner 10.09.2010