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Kultur Frosch mit Stil
Nachrichten Kultur Frosch mit Stil
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19:47 09.12.2009
Von Ronald Meyer-Arlt
Frosch in Erwartungshaltung, Mädchen mürrisch: Prinzessin Tiana mit Froschprinz Naveen vor dem ersten Kuss.
Frosch in Erwartungshaltung, Mädchen mürrisch: Prinzessin Tiana mit Froschprinz Naveen vor dem ersten Kuss. Quelle: Walt Disney
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Die Farben sind so grell, die Formen so fließend, wie man das aus den klassischen Disney-Filmen kennt. Und die Geschichte ist so lustig, so bunt und so moralisch, wie sich das für Hollywoodkino gehört. Und sie ist auch noch überraschend. Denn anders als im Märchen vom Froschkönig verwandelt sich hier der geküsste Frosch nicht in einen Prinzen (jedenfalls nicht sofort) – stattdessen wird die junge Dame, die sich überwindet, ihn zu küssen, ebenfalls in einen Frosch verwandelt. Dumm gelaufen.

Aber das Missgeschick hat seinen Grund: Wir sind in New Orleans, Voodoozauber ist im Spiel. Und ein böser Zauberer. Der hat einen lebenslustigen Prinzen und eine arbeitswütige Kellnerin verfroscht. Mit ihnen streift der Zuschauer dann eine Zeit lang durch die sumpfige Bayou-Landschaft Louisianas. Die Rückkehr zur Menschengestalt ist schwierig. Erst muss eine Voodoozaubererin gefunden und dann ihr Rat befolgt werden. „Grabt tiefer“, sagt sie, und das ist schwer, weil Selbsterkenntnis immer schwer ist. Aber es gelingt: In Froschform lernen der Prinz und die Kellnerin einander schätzen und beginnen das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. So wie jeder Hollywoodfilm erzählt auch dieser die Geschichte einer Wandlung. Die ­moralische Haltung ist in „Küss den Frosch“ besonders ausgeprägt. Aber erfreulicherweise verliert der Film dadurch nichts an Witz und Tempo.

Kellnerin Tiana, die von einem eigenen Restaurant träumt, muss einsehen, dass man nicht nur arbeiten, sondern auch mal genießen sollte, und Prinz ­Naveen, ein Hallodri, muss lernen, dass es Wichtigeres im Leben gibt als Partys und Müßiggang. Merkwürdig an der Lehre ist nur, dass jeder erst zum Tier werden muss, um das festzustellen.

Angesiedelt ist die Geschichte im frühen 20. Jahrhundert. Rassenkonflikte werden angedeutet, aber nicht weiter problematisiert. Der Film ist für alle Altersgruppen freigegeben, und wohl alle Kinder werden der Geschichte folgen können. Bei den Voo­dooszenen könnten die kleinen Besucher allerdings mächtig Angst bekommen: Die Schatten aus dem Totenreich greifen ziemlich gruselig in die Handlung ein.

Dass der Film in alter Zeichentrickmanier gefertigt wurde, verwundert anfangs (zumal John Lasseter, dessen computeranimierte Trickfilme wie „Toy ­Story“ das Genre umgekrempelt haben, als Chef der Disney-Animation verantwortlich ist). Aber man gewöhnt sich schnell an die fehlende Tiefendimension. Denn der Film hat etwas, das viele großartige 3-D-Filme nicht haben: Stil.

Alles swingt und bewegt sich ausgelassen zu Cajun- und Zydeco-Musik Louisianas. Besonders bei den Voodooszenen explodieren die Farben wie bei einem psychedelischen Horrortrip. Die Charaktere sind klug ausgearbeitet, jeder ist aus seiner sozialen Situation zu verstehen, alle Motivationen sind glaubwürdig. Was will man mehr?

Vielleicht nur das: bessere Stimmen der deutschen Synchronisation. Musiker wie Roger Cicero, Cassandra Steen und Bill Ramsey leihen den Figuren ihre Stimmen. Singen können die alle gut, sprechen aber nicht immer. Mehr aber gibt es nicht zu quaken. Alles im grünen Bereich
und kaum schleimig.