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Kultur Gayle Tufts zeigt ungewöhnliches Programm in Hannover
Nachrichten Kultur Gayle Tufts zeigt ungewöhnliches Programm in Hannover
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20:21 22.11.2012
Foto: Sorgte für Stimmung im Capitol: Gayle Tufts.
Sorgte für Stimmung im Capitol: Gayle Tufts. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

„Some like it Heiß“ ist der Name der aktuellen Ein-Personen-Show von Gayle Tufts. Die US-amerikanische Entertainerin mit Wohnsitz in Berlin begibt sich zusammen mit dem Pianisten Marian Lux auf eine „Mission impossible“: Sie will die Wechseljahre, das, wie sie sagt, „letzte Tabuthema der Zivilisation“, thematisieren, und zwar so, dass alle dabei Spaß haben. Mit 52 Jahren ist sie selbst schließlich mittendrin. Kühn erklärt sie, dass der Satz „Ich bin in den Wechseljahren“ wohl der unsexieste überhaupt ist und ideal, um jeden Abend zu ruinieren. Und Synonyme wie Menopause, sind die ernst gemeint? Das klingt, als ob sich die Hormone Sabbatjahre nehmen würden. Im Englischen nennt man den Prozess „the change (of life)“, eine Bezeichnung, mit der ihre Mutter ziemlich viel entschuldigt hätte, sagt Tufts.

Ihre eigentümliche Sprachmischung aus Deutsch und Englisch wirkt wundersam und ungekünstelt. Zu dem vom Pianisten begleiteten Lied „Das ganze Leben ist ein Quiz“ können die Damen im Publikum anhand von zehn Fragen her-ausbekommen, ob sie schon in den Wechseljahren sind („Is it hot in here or is it me?“). Über Umwege kommt sie auf ihre just erschienene Biografie zu sprechen, aus der sie ein paar Auszüge liest.

Sie berichtet vom Tod ihrer Mutter und changiert dabei wunderbar zwischen Heiterkeit und rührender Ernsthaftigkeit. Tufts wechselt fließend die Themen, ohne den Aspekt der Wechseljahre aus den Augen zu verlieren, aber auch ohne ihn überzustrapazieren. Klug verpackt sie das Thema in kleine Geschichten, die auch die vielen Männer im gut besuchten Capitol zum Lachen bringen. So erwähnt sie beispielsweise die Kanzlerin, die im Kommunismus erzogen wurde und nun an der Spitze der Demokratie steht. Wenn das kein Hollywoodmaterial ist: „Wechsel ist möglich. Meryl Streep spielt Angela Merkel in: ,Wechseljahre‘.“

Aber trotz allem Spaß hat Tufts auch eine Botschaft für die Zuschauer: „Change ist gut!“ und „Du bist perfect the way you are“. Schluss muss sein mit dem ganzen Schlankheits- und Jugendwahn, dem Pessimismus, dem Rassismus, und Gayle macht noch ordentlich weiter. Das Publikum ist hingerissen von der toughen Powerfrau, die Stimmung machen und zum Nachdenken anregen kann, und applaudiert minutenlang.