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Nachrichten Kultur Geburtstagskind Lang Lang feiert Riesenkonzert
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06:15 16.06.2012
Möglichst mild und salzfrei soll die Pekingente mit Teigtaschen sein: Der Pianist Lang Lang in Berlin.
Möglichst mild und salzfrei soll die Pekingente mit Teigtaschen sein: Der Pianist Lang Lang in Berlin. Quelle: Ute Grabowsky/photothek.net
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Berlin

Lang Lang hat alles erreicht, was es für einen Pianisten zu erreichen gibt: Er musizierte mit den berühmtesten Orchestern der Welt, die „New York Times“ titulierte ihn als „hottest artist“ des klassischen Musikplaneten, das „Time Magazine“ reihte ihn unter die 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Diverse People-Magazine kürten den Virtuosen, der mit dem Privatjet um den Globus düst, sogar zum „sexiest man“. Bei den Olympischen Spiele 2008 in Peking spielte er vor einem Milliardenpublikum, und kürzlich griff der Chinese in London beim diamantenen Thronjubiläum der englischen Queen in die Tasten.

Herr über den eigenen Terminplan aber ist der smarte Chinese mit der Harry-Potter-Frisur, der als Kind ein dressurartiges Musiktraining absolvierte, aber immer noch nicht. Seinen Alltag organisiere nach wie vor seine Mutter, eine frühere Telefonistin, gesteht er. Seine Geburtstagsparty richtet der Sponsor aus. Dieser entschied auch, dass die Party in Deutschland steigt. Lang Lang wird heute 30 Jahre alt und feiert am Freitag eine Riesengeburtstagsparty in Berlin auf der Bühne der O2 Arena: gemeinsam mit der amerikanischen Jazzlegende Herbie Hancock, 50 Kindern aus aller Welt an 50 Klavieren und dem Schleswig-Holstein Festival Orchester. „Es wird die größte Party meines Lebens“, schwärmt ein überschäumender Lang Lang.

Bei vielen seiner Aussagen färbt eine leise Selbstironie die Heiterkeit – eine nicht uncharmante Mischung. Superlative haben sich für den erfolgsverwöhnten Künstler, der beim Erzählen öfter eine Geste macht wie Klavierspielen in der Luft, inzwischen wohl etwas relativiert. Eine gewisse Abgeklärtheit paart sich bei dem Pianisten mit überraschenden regressiven Anflügen. Zum Geburtstag wünscht sich Lang Lang Transformerspielzeuge. „Solche Spielzeuge sind cool, meine Freunde wissen, dass ich die Actionfiguren sammle.“ Das größte Geschenk aber sei die Anwesenheit seiner Eltern auf seinem Geburtstagsfest in Berlin, schiebt der Künstler schnell nach, ganz braver Sohn.

Immerhin bei der Restaurantwahl lässt sich Lang Lang nicht dreinreden. In Berlin muss es die „Peking Ente“ sein, ein zentral gelegenes Restaurant, durch dessen Fenster man auf eine hässliche braune Plattenbaukulisse blickt. Dort, an runden Tischen mit speisengefüllten Drehplatten, fühlt sich der Musiker spürbar wohl. Die Betreiber kommen aus derselben Region Chinas wie er selbst, aus Schenyang. Sie wissen, wie Lang Lang seine Pekingente und die Teigtaschen essen möchte: möglichst mild und salzfrei, „sonst bekomme ich eine komische Stimme“. Merkwürdig wenig Notiz von Lang Lang nehmen die Gäste auf der Terrasse. Sie können sich offenbar nicht vorstellen, dass gerade ein Superstar ins Restaurant spaziert.

Heiteres Geplänkel und Kichern wechseln bei dem Künstler mit Anflügen von fast philosophischem Ernst, etwa wenn er ausführt: „Als Kind denkt man, alles ist perfekt. Dann merkt man aber, dass sich vieles nicht planen lässt. Man stellt sich Dinge spektakulär vor und merkt dann, dass sie einen gar nicht so glücklich machen, wie man dachte.“ Denkt er gelegentlich ans Heiraten, jetzt wo er 30 wird? „Das ist genau so eine Sache, die sich nicht planen lässt“, sagt Lang Lang.

Bei seinem Geburtstagskonzert steht Tschaikowskys Klavierkonzert auf dem Programm („Mit diesem Stück startete meine Karriere“). Es folgt Beethovens „Fünfte“ und schließlich, gemeinsam mit Herbie Hancock, Gershwins „Rhapsody in blue“ („I love Herbie“).

Von den jungen Musikern des Schleswig-Holstein Festival Orchesters, das ihn bei seinem Geburtstagskonzert begleitet, schwärmt der Künstler in höchsten Tönen. „Als wir in den USA tourten, waren die Leute über die hohe Qualität des Orchesters beinahe schockiert.“ Dem Schleswig-Holstein Musik Festival sei er zu größtem Dank verpflichtet. „Es war das erste Festival in Europa, das mir die Möglichkeit gab, aufzutreten. Das vergesse ich nie.“

Über Politik und speziell über die problematische Menschenrechtssituation in seiner chinesischen Heimat spricht Lang Lang aus Prinzip nicht. Den in Hausarrest befindlichen chinesischen Künstler, Blogger und Aktivisten Ai Weiwei, neben Lang Lang der im Ausland berühmteste chinesische Künstler, habe er noch nie getroffen. Und man hört es dem Pianisten auch an, dass er so ein Treffen nicht herbeisehnt. „Ich kann vielleicht die Kunstwelt ein klein wenig verändern“, sagt er. „Wenn ich vor armen Menschen spielen kann, ist das eine große Ehre für mich. Ich kann mit dem Klavier etwas bewegen, und das Klavier bewegt mich bis in mein Herz hinein. Die politische Welt aber ist nicht meine Welt.“

Für das Konzert am 15. Juni gibt es noch Karten unter Telefon (030) 2060708899. Von 20.15 Uhr an überträgt arte live.

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