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Kultur Gedenk- und Leseabend für Matthias Nolte
Nachrichten Kultur Gedenk- und Leseabend für Matthias Nolte
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11:52 23.11.2010

Die Veranstalter des Literarischen Salons in Hannover pflegten einst ein kleines Ritual. Sie setzten sich zusammen und lasen sich Lieblingsstellen aus Büchern vor. Ganz ohne Publikum. Einfach so. Ein Salon für Salon-­Macher. 16 Jahre lang gehörte Matthias Nolte dazu. Er galt als einer der gründlichsten Leser unter ihnen. Einer, der die Bücher zu Ende las, auch wenn sie nicht sonderlich gelungen waren. Das Vorlesen von Lieblingsstellen mochte er aber nicht. Man könne ein Buch nicht auf eine Stelle reduzieren, meinte er. Am Sonnabend ehrten ihn seine Freunde dennoch mit einer Lieblingsstellen­lesung. Seine Wegbegleiter lasen nur aus Büchern, die Matthias Nolte liebte. Und sie lasen nur für ihn. Nolte ist im September an Herzversagen gestorben. Er wurde 45 Jahre alt.

Der Salon wurde für die symbolische Abschiedslesung besonders hergerichtet. Die Autoren lasen auf einem rustikalen Ledersessel. Hinter ihnen stapelten sich Bücher aus dem persönlichen Besitz von Nolte, dezente Wohnzimmeratmosphäre. Zwischen den Büchern stand ein digitaler Bilderrahmen. Er zeigte Nolte als Moderator im Salon, Nolte als Fußballfan bei SV Arminia, Nolte als Vater seines vierjährigen Sohnes. Auch der kam wie Noltes Familie in den Salon und las mit seiner Mutter aus einem vernichtenden Werk über Handwerker. Nolte hatte es ihr empfohlen, als sie beim Hausbau sämtliche Gewerke ans andere Ende der Welt wünschte. „Matthias hatte für alle Situationen das passende Buch“, sagte sie. Das bestätigten auch die anderen Gäste, die für ihn vortrugen. Mathias Mertens las Thomas Meinecke, Joachim Otte gab Herrn Lehmann von Sven Regener, und Clemens Meyer präsentierte einen Mix seiner Werke. Dazu legten Freunde Platten aus Noltes Sammlung von Tocotronic bis Johnny Cash auf.

Es wurde ein langer und doch kurzweiliger Abend voller Erinnerungen an die kleinen Dinge, die einen Menschen besonders machen, und über die Frage, was bleibt. Und so ergaben die Anekdoten über Mettigel, Che-Guevara-Unterhosen und die Liebe zur Literatur am Ende ein Bild eines Menschen, der viel und viele bewegt hat. Nicht zuletzt durch seine Abende im Salon.

Jan Sedelies

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