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14:32 17.02.2015
Neue Gedichte von Annette Hagemann Quelle: Horlemann
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Vorbei sind zum Glück die Zeiten, in denen Dichter den Nimbus von Sehern und Sängern zu (er-)tragen hatten. Wenn heute gesungen wird, dann profan unter der Dusche, wie in „sirene des duschraums“, jenem Gedicht, mit dem Annette Hagemann ihren neuen Lyrikband betitelt und abschließt. „ich sang mit hingabe und / nahm meinen beruf sehr ernst“, verkündet dort ein lyrisches Ich erfrischend selbstironisch. Es ist eine Haltung, die häufig anzutreffen ist in den Gedichten der 1967 in Münster geborenen, in Hannover lebenden und dort im Literaturhaus tätigen Lyrikerin. Etwa wenn sie in „aquarium“, einem spröden Liebesgedicht, ein Paar in einem Club schildert: „er spricht nun von der tonika und ich / lächle denn es gefällt mir dass er vom jazz / redet männer die vom jazz reden sind klug / da muss man gar nicht weiter zuhörn“.

Weiter lesen aber muss man zwangsläufig, wenn man sich auf diese Gedichte einlässt, die ein bisschen rätselhaft anmuten, bis sie auf ihre Pointen zusteuern, die den Gedichten mit überraschenden Formulierungen ihre jeweils ganz eigene Wendung schenken, zum Beispiel wenn die „Sängerin“ einmal gar nichts tut und sich das Nichtstun in eine märchenhafte Fantasie wandelt, die in einer typischen Formulierung mündet: „ich bin dann einen großartigen / moment lang entzwiebelt“.

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Auf eine bestimmte Weise ist Annette Hagemann nämlich durchaus eine Seherin: im Sinn einer präzisen Beobachterin, die in ihren Gedichten entzwiebelt, das heißt entfaltet, was ihr im Alltag unterkommt, vor allem aber, woran sie sich erinnert. Es sind primär die zahlreichen Kindheit verlebendigenden Gedichte, mit denen sie verzaubert, mit ihrer sich aus Frechheit, Weisheit und einer Bejahung des Lebens speisenden Einstellung, zum Beispiel in „die gnade der anfänger“: „was sie können ist laufen wie ein / pferd das noch nie jemand gesehen hat / sie nennen es vielleicht lomp oder / genauer limplomp und sind schon / im vorteil gegenüber unseren langjährigen / behauptungen über pferde“.

Annette Hagemanns Lyrik will etwas erzählen und verstanden werden, sie nimmt ihre Leserschaft ernst, sie braucht Menschen, die bereit sind, sich zum Staunen verführen zu lassen. Denen wird es dann so gehen wie Michael Krüger, dem renommierten Lyriker und Ex-Hanser-Verleger, der von Hagemanns Gedichten schwärmt: „Mir gefällt das Übermütige daran, die unverhofften Verbindungen, die Risikobereitschaft.“ Denn Hagemann singt nicht nur hingebungs-, sondern auch sehr kunstvoll.

Annette Hagemann: „sirene des duschraums“. Horlemann. 96 Seiten, 14,90 Euro.

Von Thomas Schaefer

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