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Kultur Gefeiertes Harfensolo
Nachrichten Kultur Gefeiertes Harfensolo
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11:30 17.12.2010
Von Rainer Wagner
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Bis jetzt ein schlanker, ranker Mann ganz in Schwarz mit offenem Hemdkragen zeigt, wie bunt sein Spiel ist – und da seufzen in der ehrwürdigen Kammermusik-Gemeinde Hannover nicht nur Frauen, wie schön dieser Mann sei. Und wie aufregend das alles klingt.

Immerhin lag die Harfe nicht nur in der Bibel in Männerhand. Auch die klassisch-romantische Musik kennt Männer an der Saitenlinie. Elias Parish Alvars wurde vom Komponisten Hector Berlioz zum „Liszt der Harfe“ ernannt. Und prompt beendete Xavier de Maistre, der gut der Paganini der Harfe werden könnte, seinen gefeierten Soloabend im Beethovensaal mit Parish Alvars „La Mandolina“, in dem die Harfe das kleine Zupfinstrument paraphrasiert.

Doch der junge Franzose Xavier de Maistre will (und kann) ja mehr, auch wenn seine Aussage, eine Harfe könne ein ganzes Orchester ersetzen, doch geringfügig übertrieben ist. Aber was die Harfe kann – und was dieser Harfner mit seinem Instrument kann –, das ist staunenswert. Es beginnt mit einem frühbarocken Stück von Antoine Francisque, in dem die Harfe zunächst vorsichtig tastend und suchend und danach schwungvoll tönt. Die Dynamikbandbreite in der Albeniz-Sonate, die de Maistres berühmter Vorgänger Nicanor Zabaleta arrangiert hat, ist erstaunlich.

Vieles hat sich der ehemalige Harfenist der Wiener Philharmoniker, der sich seit Kurzem ganz seiner Solokarriere widmet, selbst für die langen Finger zurechtgelegt. In seine Debussy-Transkription schmuggelt er dann neben allen Traumtänzereien auch laszivere Zwischentöne. Carlos Salzedos „Chansons dans la Nuit“ werden in zarteste Klangschleier getaucht. Francisco Tárregas „Recuerdos de la Alhambra“ wird vom Gitarrenhit zum Harfenschlager – allerdings wäre nach wie vor für eine nächtliche Serenade eine Gitarre leichter zu transportieren als eine 45 Kilogramm schwere Konzertharfe.

Überaus farbenreich erklingen die „Valses poéticos“ von Enrique Granados, pointiert André Caplets originale Divertissements. Und mit der Soloharfenver­sion von Smetanas „Moldau“ löst Xavier de Maistre dann doch noch sein Versprechen ein, saitenweise ein Orchester zu ersetzen. Was wunderbar passt, weil in Smetanas „Vaterland“-Zyklus, durch den die „Moldau“ fließt, die Harfe eine ganz wichtige Rolle spielt.

Das Publikum war verzaubert, der Beifall sehr herzlich.

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