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Kultur Die üblichen Verdächtigen
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10:27 25.11.2014
Souveränes Dirigat: Georg Kugi bei der Verdi-Gala im Kuppelsaal.
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Hannover

Der Klassikmarkt ist hart umkämpft. Wer ohne öffentliche Zuschüsse auskommen muss, darf bei der Wahl seiner Konzertprogramme nicht zu außergewöhnlich sein. Nach diesem Prinzip verfährt auch der aus Österreich stammende Dirigent, Komponist und Produzent Matthias Georg Kendlinger, der mit seinen K&K- Philharmonikern, dem K&K-Opernchor und dem Österreichischen K&K-Ballett populäre Programme auf die Bühne bringt. Orchester und Chor gründete Kendlinger in den Jahren 2002 und 2003 im ukrainischen Lemberg. Seitdem touren sie mit Programmen wie der „Wiener Johann-Strauss-Gala“ oder „Die schönsten Opernchöre“ quer durch Europa.

Am Sonntag gastierten die beiden Ensembles unter der Leitung von Georg Kugi mit der „Giuseppe-Verdi-Gala“ im Kuppelsaal – natürlich mit den üblichen Verdächtigen: die Ouvertüren zu „Nabucco“ und „La forza del destino“ fehlten ebenso wenig wie der Zigeunerchor aus „Troubadour“ und der Triumphmarsch aus „Aida“. Weitere Chöre und Arien stammten aus „La Traviata“, „Macbeth“ – alles Stücke, die auch nicht gerade zum unbekannten Repertoire des berühmten Italieners gehören.

Es mag immer wieder fröhlich darüber gestritten werden, ob solche Konzerte künstlerisch sinnvoll sind, ob die Musik ausschließlich dazu da ist, das Publikum glücklich zu machen, oder ob man doch ein wenig mehr programmatischen Zusammenhalt erwarten darf – da sollte jeder selbst urteilen. Es bestünde sicher im großen Oeuvre Verdis die Möglichkeit, thematisch zusammenpassende Ausschnitte auszuwählen und dabei vielleicht auch das ein oder andere unbekanntere Stück vorzustellen. Wenn dann aber, wie hier geschehen, das berühmte „Dies irae“ (inklusive „Requiem aeternam“ und „Lacrimosa“) aus dem Requiem herausgelöst und als musikalischer Höhepunkt vor der Pause „serviert“ wird, ist vielleicht doch eine Geschmacksgrenze überschritten. Die Präsentation des Programms aber gelang den ukrainischen Musikern überzeugend. Kleine technische Ungenauigkeiten, vor allem in den Streichern, die allerdings an diesen Stellen auch berühmteren Orchestern unterlaufen, störten den Genuss nicht. Die Instrumentalisten folgten aufmerksam dem angenehm unaufdringlichen Dirigat von Georg Kugi und begleiteten den Chor sehr flexibel.

Der Chor und die aus seinen Reihen stammenden, namentlich nicht genannten Gesangssolisten bereiteten den Zuhörern im Kuppelsaal besondere Freude. Nicht nur, dass sämtliche Partien von Chorleiter Vasyl Yatsyniak gut einstudiert waren und auf hohem technischem Niveau wiedergegeben wurden. Klasse auch das perfekte Zusammenspiel von Chor und Orchester, das bei szenischen Inszenierungen auf der Opernbühne doch immer wieder größere Schwierigkeiten bereitet.

Zum Abschluss eines genussvollen Opernabends verabschiedeten sich die Akteure dann noch mit dem bis dahin schmerzlich vermissten Gefangenenchor aus „Nabucco“ und dem Trinklied aus „La Traviata“ – das auch bei keiner Verdi-Gala fehlen darf.

Von Michael Meyer-Frerichs

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