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Kultur Wilhelm-Busch-Museum zeigt Karikaturen von Gerald Scarfe
Nachrichten Kultur Wilhelm-Busch-Museum zeigt Karikaturen von Gerald Scarfe
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02:16 28.05.2018
Wohin führt der Brexit? Scarfe-Zeichnung von Theresa May. Quelle: Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst
Hannover

Bei einer seiner Merkel-Karikaturen habe er gezögert, sagt der britische Künstler Gerald Scarfe: „Kann man das in einem deutschen Museum wirklich zeigen?“ Das Blatt von 2017 trägt den Titel „Achtung – Ich bin wieder da“. Es zeigt eine kleine, dickliche Angela Merkel im grünen Jackett, hinter der sich die Erde auftut. Daraus erhebt sich ein aggressives Skelett in SS-Uniform und mit Hitlergruß, das die Kanzlerin fast zu Fall bringt. Er habe die Direktorin des Wilhelm-Busch-Museums, Gisela Vetter-Liebenow, gefragt, ob sie es riskieren wolle, das in seiner aktuellen Ausstellung mit Porträts und Karikaturen zu zeigen, sagt Scarfe: „Sie hat nie wirklich geantwortet – aber es hängt ja jetzt da.“

Das Museum zeigt nach 2010 zum zweiten Mal eine Einzelausstellung von Scarfe. „Er ist einer der brillantesten Karikaturisten der Gegenwart“, sagt Vetter-Liebenow, und es klingt nicht nach einer Floskel. Die mutige Ausstellung ist ihr wichtig. „Wir ahnen, dass viele Besucher vor dem einen oder anderen Blatt zurückweichen werden“, erklärt sie. In Großbritannien sei bei Karikaturen eben etwas mehr möglich. Sie halte es aber für wesentlich, dass Satire die Freiheit habe, Tabus aufzubrechen und Unaussprechliches vor Augen zu führen.

Parallel zu Scarfes über hundert großformatigen, meist farbigen Bildern zeigt das Museum eine Ausstellung aus den reichen Beständen des Hauses. In „Große Nase, dicker Bauch“ geht es um Geschichte und Bandbreite von Porträtkarikaturen – eine gelungene Kontextualisierung, die aufzeigt, in welcher langen Tradition sich Scarfe bewegt. Vetter-Liebenow hat bis zuletzt an der Auswahl der Exponate gearbeitet, um einerseits Scarfes Entwicklung aufzeigen zu können und andererseits aktuelle Themen in den Mittelpunkt zu rücken. Kriege spielen thematisch eine große Rolle. Und immer wieder Donald Trump. „Mit Trump kann ich kaum Schritt halten“, sagt Scarfe lächelnd.

Dabei hat er sie alle karikiert: Die Reihe der US-Präsidenten beginnt mit Richard Nixon. „Den habe ich gerne gezeichnet, wegen der riesigen Nase“, erinnert er sich. George W. Bush sei in seinen Bildern irgendwann zum Affen geworden. „Das ist sehr unhöflich gegenüber Affen“, räumt Scarfe trocken ein. Er mag keine Politiker, das hilft in seinem Beruf: „Ich muss sie eben zeichnen, um die Dinge auf den Punkt zu bringen.“ Das tut er seit fast 60 Jahren für viele große Zeitungen und Magazine. International bekannt wurde er dennoch mit einem Plattencover. Wer „The Wall“ von Pink Floyd im Regal stehen hat, wird Scarfes Schrift in den Karikaturen sofort wiedererkennen. Für den gleichnamigen Musikfilm erschuf er 1982 die prägenden Animationssequenzen.

Seine großartige Zeichnung mit dem Titel „Die Axt im Parlament“ von 1986 erinnert an die marschierenden gekreuzten Hämmer im Film, nur dass sie eben eine Axt zeigt. Deren minimale menschliche Attribute – Lippen, Augen, scharfe Nase – reichen aus, um zu wissen, dass Margaret Thatcher gemeint ist. Scarfe reagiert mit seinen punktgenauen Überzeichnungen auf eine Welt, die ihn beunruhigt. „Durch Zeichnen konnte ich schon als Kind meine Ängste zum Ausdruck bringen“, sagt er. Er glaube daran, die Gesellschaft verändern zu können, indem er ihre Missstände deutlich mache. Dass er damit in einer langen Tradition von Zeichnern und Literaten steht, musste er als junger Mann erst einmal herausfinden, wie er sagt: „Ich war kaum gebildet, ich zeichnete eben einfach.“

Er tut das im Stehen, mit großen Gesten auf großen Papierformaten. So könne die Energie besser ins Papier fließen, sagt Scarfe. Wenn die Bilder dann seine Privatsphäre verließen und veröffentlicht würden, sei ihm das manchmal fast unangenehm: „Ich bin ein wenig schüchtern – und meine Gedanken sind oft ziemlich schrecklich.“

Die Ausstellungen „Gerald Scarfe – Porträts & Karikaturen“ und „Große Nase, dicker Bauch“ sind bis zum 12. August außer an Montagen täglich von 11 bis 18 Uhr zu sehen.

Von Thomas Kaestle

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