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Kultur Gerd Albrecht ist tot
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00:15 06.02.2014
Von Stefan Arndt
Foto: Der Dirigent Gerd Albrecht ist am Sonntag im Alter von 78 Jahren in Berlin gestorben.
Der Dirigent Gerd Albrecht ist am Sonntag im Alter von 78 Jahren in Berlin gestorben. Quelle: dpa (Archivbild)
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Berlin

Geboren 1935 in Essen wurde Albrecht bereits mit 27 Jahren Generalmusikdirektor in Lübeck – und damit Deutschlands damals jüngster Chefdirigent. Von hier startete er eine steile Karriere mit Chefpositionen in Kassel, an der Deutschen Oper Berlin und beim Tonhalle-Orchester in Zürich. Seit 1980 arbeitete Albrecht weltweit als freischaffender Dirigent, bevor er 1988 nach Hamburg berufen wurde. Als GMD lenkte er dort neun Jahre lang gemeinsam mit dem Komponisten Peter Ruzicka die Geschicke der Staatsoper. In den neunziger Jahren leitete er zudem die Tschechische Philharmonie und das Dänische Rundfunkorchester. Bis 2007 war er Chef beim Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in Tokio.

Seine gesamte Karriere hat sich Albrecht, der nicht mit dem langjährigen hannoverschen GMD Georg Alexander Albrecht verwandt war, für moderne und vergessene Werke eingesetzt und sich intensiv als Musikvermittler betätigt. In seinen „Erklärkonzerten“, die auch im Fernsehen gesendet wurden (und dem Dirigenten einen Grimme-Preis einbrachten), versuchte er den Deutschen seit den sechziger Jahren die Musik ihrer Zeitgenossen nahe zu bringen. Albrecht hat Uraufführungen von Werken von Ligeti, Rihm, Henze, Reimann und weiteren wichtigen Komponisten dirigiert. Viele seiner zahlreichen CD-Einspielungen sind ebenfalls dem Repertoire des 20. Jahrhunderts gewidmet. In Hannover hat er zur Expo 2000 eine Neue-Musik-Reihe kuratiert.

Zu seinem pädagogischem Impuls passt das Engagement für Kinder und Jugendliche. Früher als alle seine Kollegen hat Albrecht zahlreiche Formate für junge Zuhörer initiiert. Die Reihe „Klassik für Kinder“ brachte in den siebziger Jahren Kassetten mit Musik von Prokofjew, Mozart und Smetana in die Kinderzimmer der Republik. Spitzenförderung leistete er derweil als Dirigent des Bundesjugendorchesters und anderer Nachwuchsklangkörper.

Bei allem Interesse für Neue Musik und Musikvermittlung war Albrecht nie nur auf diese Bereiche festgelegt, sondern auch souveräner Interpret des klassisch-romantischen Repertoires. Allerdings bewahrte er auch hier den Blick eines Entdeckers: Der Dirigent hat viele Werke auch von scheinbar etablierten Komponisten wie Antonin Dvorák in Deutschland erstmals bekannt gemacht.

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