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Kultur Experte warnt: „Ohne Kulturarbeit drohen ländliche Regionen zu veröden“
Nachrichten Kultur Experte warnt: „Ohne Kulturarbeit drohen ländliche Regionen zu veröden“
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00:16 30.06.2018
Mahnende Worte zum Abschied: 30 Jahre lang war Gerd Dallmann für die Soziokultur in Niedersachsen tätig. Quelle: Meyer-Arlt
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Hannover

Gerd Dallmann hat sich 30 Jahre lang um die Soziokultur in Niedersachsen gekümmert. Nun geht er in den Ruhestand.

Herr Dallmann, dass Sie bald 65 Jahre werden, sieht man Ihnen ja überhaupt nicht an. Hält die Beschäftigung mit Soziokultur jung?

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Es hält einen auf jeden Fall in Bewegung. Als Lobbyist für die Soziokultur hat man es mit ganz unterschiedlichen Kultureinrichtungen zu tun und man ist viel unterwegs. Mir ist jedenfalls nie langweilig gewesen.

Zu Ihrer Tätigkeit gehörte immer auch das Klagen über die mangelhafte Förderung der Soziokultur.

Es ist wichtig, immer wieder auf die strukturelle Unterversorgung der Soziokultur aufmerksam zu machen.

Es würde wohl niemals ein Interessenvertreter sagen: Jetzt ist alles gut, wir werden ausreichend gefördert.

Mag sein, aber man muss seine Argumente natürlich immer gut unterfüttern.

Was sind denn Ihre Argumente für die Förderung der Soziokultur? Warum sollen in Zeiten zunehmender Vernetzung, wo jede Art von Interessengruppe mit Leichtigkeit zusammenfinden kann, soziokulturelle Zentren eigentlich weiter gefördert werden?

Kultur braucht Räume, in denen Menschen unter professionellen Rahmenbedingungen selbst künstlerisch aktiv werden können. Soziokultur leistet viel für die gesellschaftlichen Zusammenarbeit und dafür, dass Menschen Perspektiven für das Miteinander entwickeln können. Wichtig ist auch die ländliche Kulturarbeit. Während die Städte kulturell vielfältiger geworden sind, drohen strukturschwache Regionen zu veröden. In den Städten gibt es große Kulturzentren, auf dem Land sterben die Vereine. Soziokultur kann einen wichtigen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt gerade auf dem Land leisten.

Sie machen seit mehr als 30 Jahren Lobbyarbeit für die Soziokultur. Was hat sich in dem Bereich in dieser Zeit verändert?

Die Einrichtungen sind überall viel professioneller geworden. Viele verstehen sich vor allem als Dienstleister für verschiedene Gruppen und Vereine, die diese Häuser nutzen.

Heißt Professionalisierung auch, dass die Zentren mehr eigene Einnahmen erwirtschaften können?

Ja.

Dann könnte die Förderung doch wieder zurückgefahren werden.

Nein. Wenn das so einfach wäre, bräuchte man ja auch die großen Etats für unsere Theater und Museen nicht. In der Soziokultur wird in der Regel etwa die Hälfte des Etats durch eigene Einnahmen generiert. Das lässt sich auch nicht weiter steigern.

Sie gehen nun in den Ruhestand. Was wünschen Sie sich für die Soziokultur?

Ich wünsche der Soziokultur, dass sie weiterhin ein belebendes Element unserer Zivilgesellschaft bleibt, zwischen unterschiedlichen Gruppen, Institutionen und Ressorts Brücken schlägt und dass sie ihre Streitlust behält.

Zur Person

Gerd Dallmann ist Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur (LAGS). Die Interessenvertretung der niedersächsischen soziokulturellen Zentren und Vereine wurde 1985 als Gemeinschaft von sieben Kulturvereinen und Kulturzentren gegründet. Inzwischen hat die LAGS 100 Mitglieder. Mehr als 30 Jahre lang hat Gerd Dallmann für die Soziokultur gearbeitet. Am Freitag, 29. Juni, verabschiedet er sich in den Ruhestand. Neue Geschäftsführerin der LAGS wird Marleen Mützlaff.

Von Ronald Meyer-Arlt