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Kultur Picasso und Monet landen im Ofen
Nachrichten Kultur Picasso und Monet landen im Ofen
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22:19 18.07.2013
Nach Angaben aus den Niederlanden waren die gestohlenen Werke insgesamt 50 bis 100 Millionen Euro wert. Quelle: dpa
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Bukarest/Rotterdam

Asche, Farbreste und einige Nägel sind offenbar alles, was von Pablo Picassos „Tête d’Arlequin“ und sechs anderen Meisterwerken übrig ist. Die Bilder von Picasso, Matisse, Monet, Lucian Freud, Gauguin und Mayer de Haan, die zusammen mehr als 50 Millionen Euro wert sind, waren im Oktober bei einem spektakulären Coup aus der Rotterdamer Kunsthalle entwendet worden. Als sich kein Käufer auf dem Schwarzmarkt fand, wurden sie in Rumänien verbrannt – um Spuren zu verwischen

Eine rumänische Bande verbrennt sieben geraubte Gemälde aus der Rotterdamer Kunsthalle.

Gegenüber der Staatsanwaltschaft gestand die Rumänin Olga Dogaru, die Mutter von einem der mutmaßlichen Räuber, die wertvollen Gemälde in ihrem Badezimmerofen im Dorf Carcaliu verheizt zu haben. Sie sei in Panik gewesen, nachdem die Polizei ihr Haus durchsucht habe. Dogaru, ihr Sohn Radu und der Rest der Bande stehen vom 13. August an vor Gericht.

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Olga Dogaru gab an, dass die von ihrem Sohn gestohlenen Gemälde zuerst in einer Scheune und dann auf dem örtlichen Friedhof von Carcaliu versteckt waren. Nach der Durchsuchung ihres Hauses sei ihr der Gedanke gekommen, die Bilder verschwinden zu lassen. „Wenn die Gemälde niemals wieder gefunden werden, dann kann mein Sohn wegen ihres Diebstahls auch nicht verurteilt werden“, habe sich Dogaru gedacht, berichtet die Web-site „Mediafax“.

Einbruch mit Schraubenzieher

Dass die Bande in der Nacht zum
16. Oktober 2012 in der Rotterdamer Kunsthalle zuschlug, war offenbar Zufall: Der Einbrecher Radu Dogaru soll mit zwei Komplizen mithilfe eines Autonavigationsgeräts in Rotterdam nach geeigneten Zielen gesucht haben. Das Navi habe sie zum Museum geführt. Dort hätten sie einen der Notausgänge mit einem Schraubenzieher aufgebrochen, berichtete Radu Dogaru der Rotterdamer Polizei. In weniger als drei Minuten hätten sie die sieben Gemälde abgehängt. Ihre Beute lagerten sie in einem ihrer geparkten Autos.

Als die Täter erfuhren, welche wertvollen Kunstwerke sie gestohlen hatten, beschlossen sie, die Gemälde aus dem Rahmen zu lösen. In Bettlaken verpackt transportierten sie die Kunstwerke nach Rumänien. Dort versuchte das Diebestrio die kostbaren Kunstwerke auf dem Schwarzmarkt zu verscherbeln. Für Picassos Werk ,,Tête d’Arlequin‘‘ hätten sie nur 50.000 Euro verlangt – dennoch fand sich kein Käufer. Radu Dogaru und seine Komplizen, von denen einer noch auf der Flucht ist, wollten die Beute auf dem Friedhof dann zunächst einige Jahre ruhen lassen und später einen neuen Versuch starten, sie zu Geld zu machen – doch sie hatten die Rechnung ohne die Mutter gemacht.

Von Helmut Hetzel
, Kathrin Lauer und Reinhard Urschel

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