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Kultur Gestohlene Picasso-Gemälde in Serbien aufgetaucht
Nachrichten Kultur Gestohlene Picasso-Gemälde in Serbien aufgetaucht
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22:59 08.10.2011
Von Johanna Di Blasi
Foto: Schweizer Fahnder haben zwei 2008 gestohlene Picasso-Bilder in Serbien aufgespürt.
Schweizer Fahnder haben zwei 2008 gestohlene Picasso-Bilder in Serbien aufgespürt. Quelle: dpa
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Die am 6. Februar 2008 in der Schweiz geraubten Picasso-Gemälde aus dem Sprengel Museum Hannover – „Verre et pichet“ von 1944 sowie das Spätwerk „Tete de cheval“ von 1962 – sind in Belgrad aufgetaucht. Der leitende Staatsanwalt der schweizerischen Strafverfolgungsbehörden, Charles Fässler, übermittelte die überraschende Nachricht Freitagabend im Schweizer Fernsehen. Nach dreieinhalb Jahren „harter Ermittlungstätigkeit“ sei es der kantonalen Staatsanwaltschaft Schwyz, den Behörden sowie Dritten gelungen, die Bilder ausfindig zu machen.

Der Durchbruch gelang offenbar erst in den letzten Tagen. Den Angaben Fässlers zufolge war die ermittelnde Schwyzer Staatsanwältin Christina Müller kürzlich mit Vertretern der Kantonspolizei nach Belgrad gereist, um Verhandlungen zu führen. Mit wem verhandelt wurde, verriet Fässler nicht. Geld sei dabei nicht geflossen, sagte der Staatsanwalt, jedenfalls nicht von Behördenseite. Der Wert der beiden Kunstwerke wird auf mehr als drei Millionen Euro geschätzt.

Nach Recherchen des Schweizer Fernsehen soll bei der internationalen Fahndung auch der prominente britische Kunstdetektiv und frühere Scotland-Yard-Sergeant Dick Ellis aktiv geworden sein. „Bis die Bilder nicht sicher nach Hannover zurückgelangt sind, ist es aber noch zu früh, über Hintergründe zu reden“, sagte Stefan Horsthemke, bis vor kurzem Managing Director bei Axa Art, wo die Picasso-Werke versichert waren.

Dass die Picassos aus Hannover ausgerechnet in Osteuropa aufgetaucht sind, legt freilich die Vermutung nahe, dass die Diebe sie an reiche Sammler in ehemaligen Ostblockstaaten zu verkaufen hofften. Wahrscheinlich wird die Schwyzer Staatsanwaltschaft schon in den kommenden Tagen Details einer ohne Zweifel hochspannenden Kunstkrimis offen legen.

Ulrich Krempel, der Direktor des Sprengel Museums, zeigt sich spürbar erleichtert. „Wir freuen uns, dass es den internationalen Ermittlern gelungen ist, die Picasso-Gemälde zu finden. Wir wissen, dass es den Bildern gut geht. Das Wichtigste ist jetzt, dass sie schnell wieder da sind“. Die Rückfuhr solle über die Schweiz erfolgen. Die Staatsanwaltschaft Schwyz hat bei den serbischen Behörden ein Rechtshilfegesuch gestellt.

Von den kurze Zeit nach dem Picasso-Raub in Zürich in der Sammlung E. G. Bührle gestohlenen Gemälden (Cézanne und Degas) im Wert von geschätzten 180 Millionen Franken (145 Millionen Euro) fehlt weiterhin jede Spur. Auch ist nach wie vor unklar, ob die Täter von Pfäffikon auch für den Raubüberfall in Zürich verantwortlich sind.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.