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Kultur Grass wirft Israel Stasi-Methoden vor
Nachrichten Kultur Grass wirft Israel Stasi-Methoden vor
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19:16 11.04.2012
Günter Grass legt nach. Quelle: dpa
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München

„In beiden Fällen wurde die in Diktaturen übliche Praxis vollzogen. Jetzt ist es der Innenminister einer Demokratie, des Staates Israel, der mich mit einem Einreiseverbot bestraft und dessen Begründung für die von ihm verhängte Zwangsmaßnahme - dem Tonfall nach - an das Verdikt des Ministers Mielke erinnert“, schreibt der Autor. Erich Mielke war in der DDR Chef der Stasi.

„Die DDR gibt es nicht mehr“, so der 84-jährige Literaturnobelpreisträger weiter. „Aber als Atommacht von unkontrolliertem Ausmaß begreift sich die israelische Regierung als eigenmächtig und ist bislang keiner Ermahnung zugänglich. - Allein Birma lässt kleine Hoffnung keimen.“ Das Einreiseverbot werde seine Erinnerungen an Aufenthalte in Israel nicht auslöschen können, schreibt Grass und betont: „Immer noch sehe ich mich dem Land Israel unkündbar verbunden.“

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Hintergrund des Einreiseverbotes für Grass ist sein israelkritisches Gedicht „Was gesagt werden muss“. Der Literaturnobelpreisträger („Die Blechtrommel“) hatte darin geschrieben, die Atommacht Israel bedrohe den Weltfrieden und könne das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen. Israels Innenminister Eli Jischai von der strengreligiösen Schas-Partei verhängte daraufhin ein Einreiseverbot gegen den Autor. Bislang hatte Grass sich nicht zu dem Verbot äußern wollen.

frx/dpa