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Kultur Gregor Meyle wird im Capitol gefeiert
Nachrichten Kultur Gregor Meyle wird im Capitol gefeiert
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00:26 11.05.2015
Gregor Meyle kann Polka, Swing und Rock 'n' Roll. Aber was er am besten kann, sind autobiographische Lieder. Quelle: Behrens
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Hannover

Norman Keil ist eigentlich Bandmitglied bei den Wingenfelders. Jetzt durfte er im hannoverschen Capitol das Konzert von Gregor Meyle eröffnen. Das macht er gut, zusammen mit Nils Hofmann an der E-Gitarre. Keil klingt ein bisschen wie Rio Reiser und ein bisschen wie Gregor Meyle. Letzterer ist die Hauptperson des Abends. Der Überraschungsstar des letzten Jahres, der zurückhaltende Typ von nebenan hat, wie so viele, bei Stefan Raab angefangen und durch die TV-Sendung „Sing meinen Song – das Tauschkonzert“ einen großen Schritt in Sachen Bekanntheitsgrad gemacht.

Ein Star wollte Gregor Meyle eigentlich nie sein. Das störte seine Fans im Capitol aber reichlich wenig – sie feierten ihn wie einen.

Ein Star wollte Meyle nie sein. Aber: „Seit letztem Jahr bin ich ja ein Superstar“ sagt er ironisch zum tobenden Publikum. Im ausverkauften Capitol stehen sie dicht an dicht. „Hier spricht dein Herz“ kommt gleich zu Anfang und wird minutenlang allein von den Fans gesungen. Auf der Bühne ist es fast so eng wie unten im Saal: Zu siebt sorgt die Band von Anfang an für eine entspannte, geradezu familiäre Atmosphäre. Meyle macht häufig den Kasper, er parodiert Udo Lindenberg, deutet verschiedene Musikstile an.

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Er kann Polka, Swing und Rock ‘n’ Roll. Er kann Rap und Folk. Aber was er am besten kann, sind autobiografische Lieder. Leise, mit brechender Stimme, singt er von Herzschmerz, von Wunden und von Wundern. „Ich glaub jetzt an ein Wunder“ singen alle im Chor. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die Nuschelstimme. Johannes Oerding kann das, Clueso kann das, Meyle kann es auch. Dann: Gänsehautstimmung bei einem Duett mit der überragenden Geigerin Laura Bellon. Sie singen „Keine ist wie Du“. Die Zugabe ist „Niemand“, das Lied, mit dem er es schon 2008 bei Raab ins Rampenlicht geschafft hat.

Die 38-jährige Sabine sitzt ganz vorn in ihrem Rollstuhl und singt mit strahlenden Augen Lied um Lied, Zeile um Zeile mit. „Authentischer geht’s nicht“, befindet sie. Die Meyle-Strategie, dieses Ich-bin-einer-von-euch-Image, ist sicher nicht die schlechteste Idee. Vor allem, wenn es so echt wirkt wie hier. Ein Star wollte Meyle nie sein? Tja, Pech gehabt.     

Michael Krowas

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