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Kultur Großes Fest im kleinen Hof
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17:35 07.06.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Jede Menge Amore: Anita Ekberg bezwingt Sandro Tajouri, Regisseur Albrecht Hirche (rechts) als Fellini assistiert. Quelle: Karl-Bernd Karwasz
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Hannover

Gegen Ende treten Angelina Jolie, Barbara Schöneberger, Bruce Willis, Katja Riemann, Whoopie Goldberg und noch ein paar andere Prominente auf. Jeder sagt seinen Namen, lächelt und tritt gleich wieder ab. Es sind Statisten, die hier als Doppelgänger von Prominenten kurz auf der Bühne stehen. Die Szene hat ihre Berechtigung. Denn das Doppelgängermotiv spielt im Werk des italienischen Regisseurs Federico Fellini eine gewisse Rolle.

Das große Sommertheater des Schauspiels: „Il Mondo facile del Signor Fellini“ im Schauspielhof lässt zahlreiche Prominente von Angelina Jolie bis Bruce Willis auftreten.

Aber hier geht es auch noch um etwas anderes. Es geht darum, verschwenderisch zu sein. Regisseur Albrecht Hirche inszeniert einen Fellini-Abend im lauschigen Innenhof des Schauspielhauses. Und das soll ein Fest werden. Weil bei einem Fest eine verschwenderische Haltung ganz angebracht ist, bringt er Massen auf die Bühne - Statisten als Promidoubles, einen Mädchenchor, ein stattliches Mandolinenorchester, ein Blasorchester, dazu viele Schauspieler und Musiker. Etwa sechzig Personen stehen auf den verschiedenen Bühnen, die auf dem Hof verteilt sind. Überhaupt soll’s von allem viel sein: viel Musik, viel Kunst, viel Leidenschaft, viel Italianata. Das Theater pumpt sich mächtig auf für dieses Sommerfest, und gelegentlich ist die Anstrengung auch spürbar.

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„Il Mondo facile del Signor Fellini“ will von sommerlicher, italienischer Leichtigkeit getragen sein, erzählt aber auch viel von den Mühen des Filmgeschäftes. Wir befinden uns mal in der italienische Filmstadt Cinecittà und dann wieder in einigen Fellini-Filmen.

Die Revue besteht aus locker assoziativ aneinandergefügten Szenen. Einige davon sind wunderbar. Wenn ein kleiner Junge (Gabriel Schlager, der auch ganz eindrucksvoll Trompete spielen kann) im grauen Mantel und roten Schal als Fellini auftritt, gibt das ein schönes Bild für die kindliche Neugier und Spiellust des Regisseurs. Und wenn Anita Ekberg als überlebensgroße Puppe (gespielt von Mitgliedern der Compagnie „Freaks und Fremde“) auftritt und mit riesigen blauen Augen ins Publikum strahlt, während sie davon berichtet, wie wichtig Blickkontakt ist, kann das durchaus zum Nachdenken über die Macht von Kunstfiguren anregen.

Rainer Süßmlich, der musikalische Leiter, hat die Szenen mit Klängen von italienischen Schlagern der frühen siebziger Jahre und von Nino Rota unterlegt, der die Musik zu den meisten Fellini-Filmen geschrieben hat. Schauspieler aus dem Ensemble wie Susana Fernandes Genebra, Emma Rönnebeck, Johanna Bantzer und Andreas Schlager geben auch als Sänger viel. Das meiste klingt träumerisch und leicht verweht nach Zirkus und Schwarzweiß. Sehr schön. Manchmal aber verliert sich das Schwebende, und das Spiel erhält eine unangenehme zirzensische Volkstheatergrobheit. So gibt es mühsamen Italienischunterricht fürs Publikum, schwerfällige Mitsingpassagen und Kabarettnummern, die kaum komisch sind.

Mit diesem Sommertheater hat sich das Schauspiel Hannover eine Menge vorgenommen. Insgesamt 15 Mal wird „Il Mondo facile del Signor Fellini“ im Hof des Schauspiels gezeigt. Während der zweistündigen Aufführungen kann im Schauspielhaus und auf der Cumberlandschen Bühne nicht gespielt werden.

Das Fest sollte also ein Erfolg werden. Was dafür spricht, dass das auch klappt, ist vor allem die Atmosphäre im Innenhof sowie das reiche Angebot an italienischen Spezialitäten und Weinen.

Bis 28. Juni. Karten: (05 11) 99 99 11 11

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