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Kultur Gwildis überzeugt im Capitol
Nachrichten Kultur Gwildis überzeugt im Capitol
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20:24 14.05.2012
Reife Musik für reife Hörer: Stefan Gwildis präsentiert Retrosoul im Capitol. Quelle: Behrens
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Hannover

Halleluja - ganz plötzlich ist aus der flotten Soulband eine Mischung aus New-Orleans-Marching-Band und Groß Düngener Spielmannszug geworden, die von der Bühne steigt und durch den Saal zieht, eine Prozession der guten Laune veranstaltend. Ein schöner Einfall von Stefan Gwildis und seiner sechsköpfigen Band.

Der 53-jährige Hamburger ist ohnehin ein fabelhafter Entertainer. Gwildis versteht es, den Spaß, den er selber auf der Bühne hat, auf sein Publikum zu übertragen. Er wandert oft an den Bühnenrand, steigt oft auch herunter von dieser, gibt in bester Käpt’n-Blaubär-Manier fabulierend haarsträubende Geschichten zum Besten, predigt im fiebrigen Stile eines Gospelsängers oder imitiert allein mit der Stimme ein ganzes Percussionsolo. Aber normalerweise singt er, und zwar Soul, Rhythm ’n’ Blues und ein bisschen Swing.

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Bekannt geworden ist Gwildis mit einem Programm von Soulklassikern, die ihm sein Schulfreund Michy Reincke ins Deutsche übertragen hat: Bill Withers „Ain’t no Sunshine“, Randy Newmans (und natürlich Joe Cockers) „You can leave your Hat on“, Marc Cohns „Walking in Memphis“. Diese Lieder singt er heute auch noch, aber Gwildis setzt verstärkt auf eigene Titel (vom neuen Album „frei händig“), allesamt im warmen Soul- und Bluessound der siebziger Jahre gehalten. „So was kanns’ nich’ lernen“ ist einer dieser neuen Titel, und er fügt sich nahtlos ein ins alte Repertoire.

Stefan Gwildis steht mit dieser Art von deutschsprachigem Retrosoul alleine da im Musikgeschäft; es ist so etwas wie reife Musik für reife Hörer, was der mittlerweile auch schon angegraute Hamburger Sänger da macht. Dementsprechend füllen viele Mittvierziger und -fünfziger den Saal im hannoverschen Capitol und fühlen sich prächtig unterhalten. Die Band spielt groovy und setzt feine Akzente mit Percussion, Bass, Schlagzeug, E-Gitarre, Keyboard, Trompete und Posaune.

„Mama mag ihn“ gibt’s noch als Zugabe, gefolgt von „Lass mal ruhig den Hut auf“ und „Halleluja“, dann geht ein runder Abend zu Ende.

Stefan Stosch 14.05.2012
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