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Kultur Hamburger und Stuttgarter räumen beim Deutschen Theaterpreis ab
Nachrichten Kultur Hamburger und Stuttgarter räumen beim Deutschen Theaterpreis ab
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16:18 11.11.2012
Foto: Sergio Morabito (l.) und Jossi Wieler (r.) zeigen ihren Regiepreis für das Musiktheater, den sie für die Doppelinszenierung „Die glückliche Hand/Schicksal“ erhalten haben.
Sergio Morabito (l.) und Jossi Wieler (r.) zeigen ihren Regiepreis für das Musiktheater, den sie für die Doppelinszenierung „Die glückliche Hand/Schicksal“ erhalten haben. Quelle: dpa
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Erfurt

Tränen der Rührung, schallendes Gelächter und ernste Töne: Die Gala zur Verleihung des Deutschen Theaterpreises „Der Faust“ am späten Sonnabend in Erfurt hatte alles im Repertoire, was die Vielfalt der Theaterszene ausmacht. Im Rampenlicht standen die Besten ihres Faches, die in acht Sparten die renommierte Auszeichnung des Deutschen Bühnenvereins entgegennahmen. Zu den großen Gewinnern des Abends zählten die Theaterstädte Hamburg und Stuttgart, in die jeweils drei „Faust“-Preise gingen.

Mit einem Sonderpreis wurde in diesem Jahr einer der ganz großen Theaterschaffenden für sein Lebenswerk geadelt: Tankred Dorst. Der gebürtige Thüringer erhielt die undotierte Ehrung gemeinsam mit seiner Frau und Co-Autorin Ursula Ehler. Das Künstlerduo arbeitet seit 40 Jahren zusammen und gehört zu den international meist gespielten deutschen Autoren. „Lebenswerk klingt einschüchternd“, bekannte der 86-Jährige Dorst in seinen kurzen Dankesworten. „Beim Nachdenken über meine Arbeit merke ich, dass meine Stücke Stückwerke, Fragmente eines großen Ganzen sind.“

Der Schauspieler Burghart Klaußner bekam einen „Faust“ als bester Darsteller für seine Rolle als Willy Loman in „Der Tod eines Handlungsreisenden“ am St. Pauli Theater Hamburg. Sein Laudator, das bekannte Fernsehgesicht Edgar Selge, nutzte die Gelegenheit für einen flammenden Appell zum Erhalt der Theaterlandschaft. „Schlechte Auslastung ist kein Grund, um Theater zu schließen. Parlamente werden auch nicht abgeschafft, weil Abgeordnete nur spärlich zu Sitzungen kommen“, wandte sich Selge gegen „brutale Kürzungen“ beim Stadttheater Wuppertal.

Klaußner selbst wurde in Abwesenheit geehrt, weil er am selben Abend in Leverkusen auf der Bühne stand. Ebenso fehlte der Österreicher Martin Kušej, der für sein bedrückendes Kammerspiel „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ am Bayerischen Staatsschauspiel in München ausgezeichnet wurde. Der Intendant des Münchner Residenztheaters war fernab von Erfurt bei einer Premiere in Tel Aviv.

Beim Musiktheater räumten in diesem Jahr die Stuttgarter ab. Mit ihrer Doppelinszenierung „Die glückliche Hand/Schicksal“ konnten die Regisseure Sergio Morabito und Jossi Wieler ebenso überzeugen wie die Sängerin Ana Durlovski mit ihrer Titelpartie in „Die Nachtwandlerin“. Beides sind Aufführungen an der Oper Stuttgart. Der Tänzer William Moore („Das Fräulein von S.“) holte den „Faust“ an das Stuttgarter Ballett.

Als bester Choreograph wurde bereits zum zweiten Mal - und ebenfalls in Abwesenheit - Martin Schläpfer („b.09 - Ein Deutsches Requiem“, Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg) geehrt. In der Kategorie Regie Kinder- und Jugendtheater freute sich Barbara Bürk über einen „Faust“ für ihre Inszenierung „Alice im Wunderland“ am Jungen Schauspielhaus Hamburg: „Es ist eine schöne Anerkennung für uns alle. Die Sachen, die man gemacht hat, sind dadurch etwas weniger vergänglich.“ Auch der „Faust“ für Bühne und Video ging nach Hamburg - für die Ausstattung des Stücks „Quijote. Trip zwischen den Welten“ am Thalia Theater.

Den „Preis des Präsidenten“ erhielt in diesem Jahr der Dramaturg und frühere Intendant des Berliner Theaters Hebbel am Ufer, Matthias Lilienthal. Lilienthal sagte, er nehme die Auszeichnung für die freien Spielstätten entgegen, von denen es vor allem im Osten und im Süden des Landes zu wenig gebe.

Moderiert wurde die festliche Gala von Schauspieler Dominique Horwitz, der mit viel Witz mal in die Rolle eines palavernden Politikers schlüpfte, mal einen wütenden Regisseur oder abergläubischen Bühnenbildner mimte. Dabei sparte Horwitz auch nicht mit selbstironischen Anspielungen auf sein „Freischütz“-Opernregiedebüt Anfang des Jahres am Erfurter Theater.

dpa

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