Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Härke: „Ich war zu verliebt“
Nachrichten Kultur Härke: „Ich war zu verliebt“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 31.12.2017
Kulturdezernent Harald Härke.  Quelle: Tim Schaarschmidt

Herr Härke, Sie haben sich als Ort für unser Gespräch das Sprengel-Museum gewünscht. Wir sitzen vor einem Bild von Margret Eichler und Adi Hoesle, das den Titel „Kalibrierung # 5. Bild und Wirklichkeit“ trägt. Der Titel des Bildes hat ja durchaus etwas mit Ihrer Situation zu tun.
Das ist eher ein Zufall. Aber es passt. Es gibt da jetzt ein bestimmtes Bild von mir und eine Wirklichkeit, die anders ist.

Das öffentliche Bild von Ihnen ist nicht gerade vorteilhaft. Ihnen wird vorgeworfen, versucht zu haben, Ihrer Lebensgefährtin eine Stelle zuzuschanzen. Ein Disziplinarverfahren läuft. Sie sind jetzt nur noch Kulturdezernent und nicht mehr für das Personalwesen zuständig.
Sie werden Verständnis dafür haben, dass ich zu dem Inhalt des Disziplinarverfahrens nichts sagen kann. Es ist ein Verfahren, das vertraulich geführt werden sollte. In den 46 Jahren, in denen ich in der öffentlichen Verwaltung tätig bin, habe ich es noch nicht erlebt, dass ein Verfahren derartig in der Öffentlichkeit stattfindet. Seit Anfang Dezember arbeite ich wieder ganz normal als Kulturdezernent.

Das nennen Sie „ganz normal“?
Ganz normal. Na ja, ein Arzt würde wohl sagen: den Umständen entsprechend gut. Die Arbeit als Kulturdezernent macht mir wahnsinnig viel Freude. Ich habe viele positive Rückmeldungen erhalten von Menschen, die sich freuen, dass ich wieder zurück bin.

Das stimmt. Die Kunstszene mag Sie.
Ja. Schließlich bin ich jemand, der rausgeht, der sich sehen lässt, der verbindlich ist.

Zur Person

Der 63-jährige Harald Härke blickt auf viereinhalb Jahrzehnte Erfahrung im öffentlichen Dienst zurück. Seine Karriere in Hannover begann Härke 1975 als  Stadtinspektor im Sozialamt. 1992 wurde er Vorsitzender des mächtigen Gesamtpersonalrates. Seit 2007 leitete er den Fachbereich Personal und Steuerung. 

Anfang November 2017 hat Härke den Posten als Personaldezernent räumen müssen. Ihm war vorgeworfen worden, seiner Lebenspartnerin eine Stelle im Kulturbüro verschafft zu haben. Zur Besetzung des Postens ist es nicht gekommen, das Verfahren wurde gestoppt. Die Affäre sorgte für offenen Streit mit Oberbürgermeister Stefan Schostok

Härke hat kein Parteibuch. Er ist Vater eines erwachsenen Sohnes und mit der langjährigen Ratsabgeordneten der Grünen, Ingrid Wagemann, verheiratet, von der er aber getrennt lebt. 

Nun haben Sie dafür auch mehr Zeit, weil Sie nicht mehr Personaldezernent sind.
Ja, auch das. Als ich noch beides gemacht habe, habe ich immer gesagt, dass die Kultur die Sahne auf dem Kaffee sei. Nun bin ich in der glücklichen Lage, mich ganz der Sahne widmen zu können.

Es gibt auch die Meinung, dass Sie jetzt ein schwächerer Kulturdezernent sind. Sie sind durch die Affäre angeschlagen.
Das finde ich überhaupt nicht. Sicher: Es ist bei einigen Vertrauen verloren gegangen. Aber dieses Vertrauen zurückzugewinnen, das traue ich mir zu.

Haben Sie denn die Zeit dafür? Es dürfte doch wohl sehr lange dauern, das verlorene Vertrauen wiederzugewinnen. Mindestens bis zum Ende des laufenden Disziplinarverfahrens.
Das weiß ich nicht. Ich fühle mich durch das laufende Verfahren nicht eingeschränkt. Auch das Thema Kulturhauptstadt, das jetzt ansteht, braucht jemanden, der das mit voller Kraft machen kann.

Und das können Sie?
Ja. Ich setze mich mit Leidenschaft für die Kultur ein.

Haben Sie noch das Vertrauens des Oberbürgermeisters?
Ja, habe ich. Was die Kulturhauptstadtbewerbung angeht, ziehen wir an einem Strang.

Meinen Sie das ernst? Er hat Sie wiederholt aufgefordert, Ihren Rücktritt einzureichen.
Ja, das hat er getan. Doch im Moment empfinde ich die Situation so, dass das Vertrauen wieder wachsen sollte. Und das ist eine gute Basis, um durchzustarten. Ich habe zwei Jahre als Kulturdezernent einen guten Job gemacht, auf dieser Grundlage wird man professionell und vertrauensvoll weiterarbeiten können.

Sind Sie da nicht zu optimistisch? Die SPD-Fraktionschefin hat gesagt, Sie hätten Ihre Vorbildfunktion eingebüßt.
Aus der SPD kamen unterschiedliche Signale. Es gab auch eine Erklärung, dass man es mir durchaus zutraue, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen und die Kulturhauptstadtbewerbung voranzubringen. Das ist für mich die Geschäftsgrundlage, auf der es weitergehen kann.

"Ich habe die nötige Distanz nicht gefunden"

Ärgern Sie sich sehr, dass alles so gekommen ist?
Natürlich ärgere ich mich über mein eigenes Verhalten. Aber es ist auch nicht so, dass ich jetzt zum Lachen nur noch in den Kohlenkeller gehe. Ich habe einen Fehler gemacht. Den habe ich auch zugegeben. Und ich haben auch erklärt, wie es dazu gekommen ist.

Wie konnte Ihnen das eigentlich passieren? Sie sind seit Jahrzehnten im Rathaus, kennen alle und alles. Und sämtliche Gerüchte. Sie wissen doch, dass solche Sachen nicht gehen.
Im Grunde ist es einfach: Ich war zu verliebt. Ich habe die nötige Distanz nicht gefunden. Als ich den Fehler erkannt hatte, habe ich sofort alles gestoppt. Hätte ich die Kurve zwei Monate eher gekriegt, wäre es zu dieser Entwicklung gar nicht erst gekommen.

Eine Zeit lang sind Sie vom Akteur zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen geworden. Wie haben Sie das erlebt?
Ach, ich will gar nicht sagen, dass ich da vieles zu ertragen hatte. Mir war ja klar, dass viel passieren wird, wenn man mit solch einer Sache an die Öffentlichkeit geht. Was übrigens nicht von mir ausgegangen ist. Ich bin überhaupt nicht mühselig und beladen. Ich gehe mit großem Optimismus an das Thema Kulturhauptstadt heran. Ich traue es mir zu. Und der Rat hat sich mit deutlicher Mehrheit dafür ausgesprochen, das Büro für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt finanziell gut auszustatten. Alle Fraktionen, die sich geäußert haben, haben das Kulturdezernat und das Bewerbungsbüro gelobt. Auch dadurch habe ich eine Menge Unterstützung erfahren. Das habe ich als sehr wohltuend empfunden.

Gut, wir nehmen mit: Sie wollen die Bewerbung Hannovers zur Kulturhauptstadt 2025 vorantreiben. Aber Sie sind verdammt spät dran. Andere sind weiter, wie sollen die eingeholt werden?
Ich denke nicht, dass andere viel weiter sind. Und so spät sind wir gar nicht dran. Nach dem ursprünglichen Zeitplan hätte es den Ratsentscheid zur Bewerbung nach der Landtagswahl gegeben. Die wurde vorgezogen; insofern sind wir dem alten Zeitplan sogar etwas voraus. Aber es ist schon klar, dass wir jetzt bei der Bewerbung an Geschwindigkeit gewinnen müssen.

Wo soll dieser Schwung herkommen?
Eine der Aufgaben unseres Kulturhauptstadtbüros war von vornherein, nach externen Persönlichkeiten zu suchen, die die Bewerbung vorantreiben können. Wir sind jetzt bei der Sichtung des Marktes. Ein paar Persönlichkeiten haben wir schon im Blick. Mitte 2018 werden wir einen Verantwortlichen oder eine Verantwortliche für die Bewerbung gewonnen haben. Anfang 2019 muss man sich bewerben. Insofern wird die Lokomotive noch rechtzeitig vor den Zug kommen.

Das Kulturhauptstadtbüro hat bei einem ersten Treffen der Bewerberstädte ganz charmant auf Hannover aufmerksam gemacht: mit einem Plakat, auf dem beim ersten Hinsehen nichts zu entdecken war. Aber eine coole Idee allein reicht ja nicht für eine Bewerbung. Wie sollen weitere Ideen entwickelt werden?
Die Bewerbung als Kulturhauptstadt ist Teil einer Entwicklung. Wir müssen jetzt unser Ziel formulieren. Hannover könnte sich möglicherweise als Stadt des Ausgleichs und Stadt des Friedens präsentieren.

Oje. Stadt des Ausgleichs, Stadt des Friedens? Das passt ja immer und überall ...
Ich wollte damit sagen, dass es bei der Bewerbung für den Titel Kulturhauptstadt um viel mehr geht als um Kultur. Es geht auch um das Zusammenleben in der Stadt und um den sozialen Frieden, den wir hier haben. Nachbarschaft, Wärme, Beteiligung, Vernetzung – das könnten wichtige Themen für die Bewerbung werden. Es geht voran. Und ich bin nach wie vor überzeugt: Hannover wird Kulturhauptstadt 2025.

Von Ronald Meyer-Arlt und Heiko Randermann

Matt Damon wird geschrumpft: Die Satire „Downsizing“ (Kinostart: 18. Januar) macht sich an die Lösung der Menschheitsprobleme – und scheitert lustvoll

28.12.2017
Kultur Konzerte zum Jahreswechsel - Walzer und viel mehr

Das Neujahrskonzert in Wien ist Vorbild für zahlreiche Konzerte zum Jahreswechsel. In Hannover haben sich längst eigene Traditionen gebildet. Wo sind die schönsten Sylvester- und Neujahrskonzerte zu hören? Und wie kommt der Rollmops ins Museum? Eine Übersicht.

28.12.2017
Kultur Sachbücher 2018 - Spannende Sachbücher 2018

Von Adorno bis Marc Aurel, von Fußball bis Fieber: Eine Auswahl neuer Sachbucherscheinungen des kommenden Jahres

28.12.2017