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Kultur Swing ist das Ding
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19:23 13.03.2015
Duncan Galloway.
Duncan Galloway. Quelle: Behrens
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Hannover

Nicht 20.01 Uhr, Punkt 20 Uhr stehen die Musiker auf der Bühne. Wie sich das für britische Gentlemen gehört. Pünktlichkeit ist beim Pasadena Roof Orchestra aus London ebenso eine Tugend wie schnittige Bühnengarderobe und blitzsauber gespielte Originalarrangements.

Die von der britischen Presse als „eleven shades of grey“ gefeierten Musiker sind galante Populisten, die einer glorreichen, längst vergessenen Musikepoche neues Leben einhauchen. Was bei der Zielgruppe über 60 großen Anklang findet. Im Theater am Aegi bleiben nur wenige Plätze unbesetzt.

Bevor Bandboss, Sänger, Ex-BFBS-Moderator und Conférencier Duncan Galloway seine Musiker zum pünktlich nach 45 Minuten Spieldauer einzunehmenden Pausentee bittet, zeigen diese, was eine stilbewusste Aufarbeitung der frühen Jazz-Epoche leisten kann. Hier sitzen die Bläsersätze so perfekt wie die schwarzen Smokings. Vom Bandlogo auf den Notenpulten bis zum werkgetreuen Big-Band-Sound der großen Meister, von Benny Goodman bis Ray Noble: Die 1969 gegründete Big Band weiß, was geschichtsbewusste Jazzfans wünschen. In erster Linie: Musik zum Fingerschnipsen.

Wie etwa das mit viel Applaus vernommene und auf Deutsch gesungene „Bel ami“ von Rudi Schuricke. Zwischen den Stücken geizt Galloway nicht mit typisch britischem schwarzem Humor. Etwa mit dem (auf deutsch erzählten) Witz über den Flaschengeist, der den Wunsch nach einer Autobahn von Deutschland über den Atlantik nach New York nicht erfüllen will. Anstelle des Alternativwunsches, die Voraussage über das Bauende des Berliner Flughafens, bietet der Flaschengeist dann aber doch den Bau der Autobahn an - drei oder vier Fahrbahnen? Darüber lacht man in Hannover gerne. In Berlin weniger, gesteht Galloway.

Nach der Pause erscheinen die Jazz-Traditionalisten in weißen Anzügen und erhöhen die Hitdichte. Vom „Tiger Rag“ über „Stardust“, „Just a Gigolo“, „Puttin on the Ritz“ bis zum Mitsing-Evergreen von Cab Calloway „Minnie the Moocher“ fehlt nichts, was sich ein Fan an goldenen Hits der Zeit wünschen kann. Die Ankündigungen der Songs quittiert das Publikum mit lautem „Ohhhh“. Schön, wenn sich die Erwartungshaltung so leicht erfüllen lässt. Am Ende dankt das Publikum mit „standing ovations“. Die Hits sind zwar alte Hüte. Dennoch heißt es, um im Bild zu bleiben: Hut ab für die tugendhaften Swing-Bewahrer. Hi-Hi-Di-Hi-Di-Ho!

Von Bernd Schwope

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