Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Hannovers Fotokunst-Sammlung in Berlin
Nachrichten Kultur Hannovers Fotokunst-Sammlung in Berlin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:24 25.10.2012
Foto: Hannovers Sammler-Pioniere: Fotografien von Bernd und Hilla Becher, wie hier im neuen Kaisersaal des Museums für Fotografie in Berlin, waren vor allen anderen Städten zunächst in Hannover zu sehen.
Hannovers Sammler-Pioniere: Fotografien von Bernd und Hilla Becher, wie hier im neuen Kaisersaal des Museums für Fotografie in Berlin, waren vor allen anderen Städten zunächst in Hannover zu sehen. Quelle: dpa (Archiv)
Anzeige
Berlin

Mit festem Händedruck begrüßt der in Schwarz gekleidete Sammler Besucher. Der 41-jährige Franzose ist in der Softwarebranche tätig. Seine Leidenschaft gilt der deutschen Fotografie, insbesondere der Neuen Sachlichkeit. Sein spezielles Augenmerk liegt auf historischen Berlin-Aufnahmen. Solche fertigte Hein Gorny an, der in den zwanziger und dreißiger Jahren bekannt war für seine Werbeaufnahmen, Porträtstudien, Tierfotografien und Industrieaufnahmen.

Gornys aus der Luft aufgenommenen Berlin-Ansichten galt im Vorjahr die erste Ausstellung der „Collection Regard“. Auch die von drei Fotografen – Heinrich Riebesehl, Peter Gauditz und Joachim Giesel – in Hannover gegründete Spectrum Photogalerie startete mit Gorny: allerdings vor 40 Jahren. Gorny hatte für große hannoversche Unternehmen fotografiert, von Bahlsen bis Pelikan. Zuletzt hatte er in einem Altenheim nahe Hannover gelebt und war 1967 gestorben.

Heinrich Riebesehl barg das Archiv des legendären Fotografen im Keller des Altenheims. Für die erste Ausstellung in der Spectrum Photogalerie fertigte er Abzüge von Gornys Negativen an. Die galoppierende Pferdeherde, die sorgfältig aufgereihten Hemdkragen und ornamental angeordneten Gasmasken sind in Riebesehls Interpretation dunkler, tintiger als auf den lichtvolleren, weicheren Originalbildern. Unklar ist, ob Riebesehl damals Originale vor Augen hatte, also bewusst abweichende Abzüge herstellte.

Ende der siebziger Jahre wurde die Spectrum Photogalerie dem Sprengel Museum Hannover einverleibt: ein großer Erfolg für die drei Galeristen. In einem von Marc Barbey für die Ausstellung produzierten Dokumentarfilm sagt Gauditz, der Gründungsdirektor des Sprengel Museums, Joachim Büchner, sei damals auf ihn zugekommen und habe gesagt: „Jetzt bauen wir ein Museum of Modern Art in Hannover, aber an Fotografie haben wir nicht gedacht“. Büchner habe die Spectrum Galerie ins Sprengel Museum eingeladen. Das führte zu der weltweit vielleicht sogar einzigartigen Situation, dass eine private Galerie in einem öffentlichen Museum arbeitete.

Fotografie war zu diesem Zeitpunkt als Kunst anerkannt, während noch Anfang der siebziger ein hannoverscher Galerist zu Gauditz gesagte hatte: „Fotografie? Da können Sie auch Blechdosen sammeln“. Anfang der neunziger Jahre sei im Sprengel Museum zum letzten Mal der legendären Spectrum Photogalerie eine eigene Ausstellung gewidmet gewesen, sagt Barbey. Der Franzose ist zu höflich, um es offen zu sagen. Aber er deutet an, dass es Zeit sei, dass sich Hannover stärker seiner Pionierrolle bei der Etablierung der Fotografie als Kunst bewusst werde.

Man Ray, Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, Irving Penn, Bernd und Hilla Becher waren vor vielen anderen Städten in Hannover zu sehen.

Collection Regard, Steinstraße 12, Berlin-Mitte, bis 14. Dezember 2012, vom 19. Oktober bis 25. November geöffnet donnerstags, freitags und sonnabends von 14 bis 18 Uhr. Sonst freitags 14 bis 18 Uhr. Katalog 19,80 Euro.

Kultur „Der Gefangene des Himmels“ - Donnerstag erscheint der neue Zafón-Roman
Heinrich Thies 24.10.2012
Ronald Meyer-Arlt 24.10.2012
24.10.2012