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Nachrichten Kultur Hannovers Kulturschaffende diskutieren über Kulturhauptstadt
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00:32 14.04.2018
Kulturhauptstadt-Workshop mit VertreterInnen der Kultureinrichtungen und dem Kulturhauptstadt-Experten Dr. Oliver Scheytt
Kulturhauptstadt-Workshop mit VertreterInnen der Kultureinrichtungen und dem Kulturhauptstadt-Experten Dr. Oliver Scheytt Quelle: Foto: Heidrich
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Hannover

Hannover will im Jahr 2025 Europäische Kulturhauptstadt werden. Die Bewerbung dafür muss im Spätsommer kommenden Jahres abgegeben werden. Aber wie soll eine erfolgreiche Bewerbung aussehen? Einer, der sich damit auskennt, ist Oliver Scheytt. Er hat  dafür gesorgt, dass Essen und das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas 2010 geworden sind. Jetzt hat er ein Beratungsbüro und erklärt interessierten Kommunen, worauf man bei einer Bewerbung achten muss. Am Mittwoch war er beim „Kulturhauptstadt-Workshop“ im Kreativzentrum „Hafven“ in der Kopernikusstraße zu Gast. Kulturdezernent Harald Härke hatte dazu Vertreter vieler Kultureinrichtungen eingeladen. Passenderweise liegt das Veranstaltungszentrum neben einer Firma namens Härke, die Abdeckfolien anbietet. Auf den Fahnen steht: „Härke Planen“. Das könnte ein gutes Omen sein. 

Ein gemeinsames Treffen so vieler Kreativköpfe hatte es in Hannover zuvor noch nicht gegeben. Die Direktoren des Sprengel-Museums und der städtischen Museen sowie des Landesmuseums waren da. Die Chefinnen von Kunstverein und Kestnergesellschaft, die designierten Intendantinnen vom Opern- und vom Schauspielhaus, sowie Vertreter von Stadtarchiv und dem GOP-Varieté, von Musikschule, den Kunstfestspielen Herrenhausen, von der Stadtteilkultur und der Hochschule für Musik, Theater und Medien  waren gekommen, um mit den Mitarbeitern des Kulturhauptstadtbüros die Chancen einer erfolgreichen Bewerbung auszuloten.  

Kulturquartier am Maschsee

Dabei diskutierten die Kulturschaffenden auch die Pläne für ein  mögliches Kulturquartier am Nordufer des Maschsees – eine Idee von Künstlern und Kulturfreunden, die Reinhard Spieler, Chef des Sprengel-Museums, dem Kulturdezernenten vor Kurzem vorgestellt hat. Das Kulturquartier soll sich vom NDR-Sendesaal über das Sprengel-Museum und das Niedersächsische Landesmuseum, das Rathaus und das Museum August Kestner bis hin zur Leibniz Bibliothek erstrecken: eine Kultur-Flaniermeile in schönster Lage – selbstverständlich autofrei. Konkret geplant ist dabei noch nichts, aber man diskutiert, wie Kultur die Stadt verändern könnte. 

Eine Bewerbung als Kulturhauptstadt – ob erfolgreich oder nicht – wird die Stadt verändern. Das muss man wollen. Kulturmanager Scheytt stellte den Workshopteilnehmern die einfache Frage: „Warum will Hannover eigentlich Kulturhauptstadt werden?“ Wer die ernsthaft beantwortet, kommt schnell darauf, dass solch eine Bewerbung die Dynamik der Stadtentwicklung fördert – und dass es auch kein Problem wäre, sollte die Bewerbung nicht erfolgreich sein. Denn der Prozess der Bewerbung allein könnte schon ein Gewinn für die Stadt sein. Und auch das Treffen der Kulturschaffenden und Kulturvermittler aus vielen unterschiedlichen Bereichen ist ja etwas, das erst durch den Impuls der Bewerbung möglich wurde. Dennis Bohnecke vom GOP merkte an: „Wir sind nicht zusammengekommen, um über Probleme zu sprechen.“ 

„Grammatik der Bewerbung“

Stattdessen ging es um Aussichten, Pläne und Visionen. Die Kulturköpfe sprachen über die europäische Dimension der Bewerbung. Welche Stärken in der internationalen Vernetzung kann Hannover bei der Bewerbung ausspielen? Ein anderes wichtiges Thema ist die Partizipation. Der Begriff „Nachbarschaft“, den die Ratspolitik vorgegeben hat, mag vielleicht etwas zu eng erscheinen. Teilhabe an Kultur, das Schaffen von  Zugangsmöglichkeiten, bleibt allerdings ein wichtiges Kriterium für eine erfolgreiche Bewerbung. „Wenn man das klug anpackt, kann man etwas Gutes für die Stadt schaffen“, sagt Bewerbungsexperte Oliver Scheytt. 

Der bietet sein Bewerbungstraining allen Städten an, die noch im Rennen  für den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2025“ sind. Zurzeit sind das neben Hannover noch Chemnitz, Dresden, Magdeburg, Hildesheim, Nürnberg und Pforzheim. Scheytt sagt, er informiere die interessierten Städte über „Die Grammatik der Bewerbung“, er präsentiere eine Art „Starterkit“, die Städte müssten selbst sehen, wie sie das nutzen würden. 

Und nun: „Runde Tische“

In Hannover gab es am Ende des Ideenaustauschs auch einige Verabredungen: In den kommenden Wochen soll es einige „bilaterale Gespräche“ und „Runde Tische“ geben. Verabredet wurde außerdem, dass es im Juni einen weiteren, vertiefenden Workshop geben wird.  

Von Ronald Meyer-Arlt