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Kultur Harald Martensteins „Gefühlte Nähe“
Nachrichten Kultur Harald Martensteins „Gefühlte Nähe“
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10:34 31.08.2010
Von Rainer Wagner
Harald Martenstein. Quelle: Handout

Als Kolumnist beschäftigt sich Harald Martenstein gerne mit den Widrigkeiten des Alltags. Der alltägliche Irrsinn liefert ihm genug Material. Als Romancier holt er weiter aus und erzählt deutsche Geschichte(n). Sein erfolgreicher Debütroman „Heimweg“ berichtete vor drei Jahren vom Versuch eines Paares, sich in der Nachkriegszeit zurechtzu­finden. Erotische Verirrungen inbegriffen – Ehefrau Katharina hatte nicht brav auf ihren Kriegsheimkehrer gewartet.

In seinem zweiten Roman, der jetzt in die Buchhandlungen kommt, nähert sich Martenstein der Gegenwart, auch wenn nie ganz eindeutig festgeschrieben wird, wann genau welche Episode spielt. Aber im ersten Kapitel mutmaßt Lehrer Rühl, dass der Vietnamkrieg bald zu Ende gehen werde. Und auf der Musikkassette, die ihm die Schülerin N. auf der Klassenfahrt zusteckt, ist „Stairway to heaven“ zu hören, das 1971 erschienen ist.

Dass Rühl keinen Vornamen hat, gehört zu Martensteins Plan, diese Geschichte auf Abstand zu halten, auch wenn sie „Gefühlte Nähe“ heißt. Kaum eine Figur in diesem „Roman in 23 Paarungen“ trägt Vor- und Nachnamen, die Heldin muss sich gar mit einem Kürzel begnügen: „N.“

Der Untertitel verspricht nicht zu viel: Es geht um einen Liebesreigen, aber anders als in Arthur Schnitzlers Drama „Der Reigen“ wird hier der Liebesfunken nicht durchgereicht. Dreh- und Angelpunkt ist N., die in der ersten Geschichte ihren Lehrer verführt, in der zweiten den Daueronanisten Gunnar Reich (immerhin ein Mann mit Vornamen) kirre macht und in der dritten dem früheren Klassenkameraden Doubek über den Weg läuft, der mittlerweile Taxi fährt – und einem Dieb Hinweise auf lohnende Ziele gibt.

Und so geht es weiter. N. macht langsam Karriere: Irgendwas mit Medien war immer ihr Ding. Doch es geht langsam. Das Privatfernsehen ist auch kein Zuckerschlecken. Nur das Liebes-Spiel mit den Männern flutscht. Noch.

Und weil Harald Martenstein seine Heldin mit den merkwürdigsten Menschen verkuppelt, die ihrerseits bizarre Erfahrungen sammeln, kommt hier ein bunter Reigen von Momentaufnahmen der privaten Zeitgeschichte zusammen. Das ist zwischen Kinderparadies und Kommune, zwischen Barbesuch und Berghüttenwanderung ein meist kurzweiliger Spaziergang durch neudeutsche Seelenlandschaften. Dass N. bei alledem merkwürdig vage bleibt, könnte ein Charakterzug sein, doch eine Frau ohne Eigenschaften ist sie nicht. Sie hat Macken und Eigenheiten. Aber je länger man liest, desto mehr verfliegt die Faszina­tion. Das kann am Alter liegen. Dem der Heldin oder dem ihres Schöpfers.

Am Schluss zieht sich Martenstein – wie schon in seinem Romanerstling – merkwürdig aus der Affäre, als wolle er zeigen, dass er der Herr seiner Geschöpfe ist: N. strandet in einer Flugzeugentführung. Das Ende bleibt offen. Statt gefühlte Nähe nur Abstand.

Autor

Harald Martenstein

Titel

„Gefühlte Nähe“

Verlag

C. Bertelsmann

Seitenzahl

222 Seiten

Preis

19,95 Euro

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