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Kultur Heimliches Ende einer großen Auszeichnung
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00:20 15.06.2014
Von Jutta Rinas
Hofkapellmeister Michael Praetorius starb 161, beerdigt wurde er unter der von ihm konzipierten Orgel mit 35 Registern in der Hauptkirche Beatae Mariae Virginis in Wolfenbüttel. Quelle: dpa
Hannover

Die Landesregierung werde „wichtige Teile des Preises jedoch beibehalten und ausbauen“, hieß es. Man konzentriere sich jetzt auf die „direkte, nachhaltige Förderung herausragender Einzelkünstler“, sagte Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic am Donnerstag. Dazu würden Stipendien vergeben. Die „anschließende Aufführung der neu erschaffenen Werke“ werde zudem in jeweils zwei Konzerten gefördert. Eine unmittelbare Förderung solcher „Einzelkünstler“ sei nachhaltiger, deshalb habe man sich entschieden, sich auf diesen Bereich des ehemaligen Praetorius-Musikpreises zu konzentrieren, sagte Heinen-Kljajic.

Der Praetorius-Musikpreis war zuvor - von der Landesregierung unkommentiert - schon seit 2012 nicht mehr vergeben worden. Wer sich auf der Website des Landes über den Praetorius-Musikpreis informieren wollte, kam seit Kurzem über einen Link statt auf die frühere, eigens eingerichtete Webseite www.praetoriusmusikpreis.de auf eine Seite, auf der es wortkarg hieß: „Diese Domain steht zum Verkauf“.

Der Praetorius-Musikpreis war eines der Aushängeschilder der Kulturpolitik der schwarz-gelben Vorgängerregierung unter Christian Wulff. Er war ein wichtiger Mosaikstein in Wulffs Konzeption von Niedersachsen als einem „Musikland“, einem Land also, in dem die Ausübung und die Vermittlung von Musik eine herausragende Rolle spielt. Der Praetorius-Preis diente nicht nur dazu, einen Akzent bei der Förderung von musikalischen Spitzenleistungen zu setzen. (Mit ihm wurden so unterschiedliche Persönlichkeiten wie die Dirigenten Eiji Oue und Thomas Hengelbrock oder Vertreter populärer Musik wie Mousse T. oder Heinz Rudolf Kunze geehrt.) Er sollte auch dazu dienen, die Marke „Musikland Niedersachsen“ auch über die Landesgrenzen hinweg zu etablieren.

Preisgelder werden neu verteilt

2005 wurde er an die Stelle des mit nur 15.000 Euro ungleich niedriger dotierten Niedersächsischen Musikpreises gesetzt. Er fächerte sich in sechs Sparten auf: Es gab den Preis für herausragende künstlerische Leistung, den Internationalen Friedensmusikpreis (dotiert mit je 10.000 Euro) und den Musikinnovationspreis und den Niedersächsischen Kompositionspreis (je 8000 Euro). Dazu kamen noch drei Förderpreise und ein Preis für ehrenamtliches Engagement (je 5000 Euro).

Der nach dem zeitweise in Wolfenbüttel wirkenden Musiker und Gelehrten Michael Praetorius benannte Preis wurde zwischenzeitlich sogar im Stil einer „Echo“-Gala mit eigens eingekauften Moderatoren und filmischen Einspielern im Opernhaus oder im Schauspielhaus verliehen. Noch unter der schwarz-gelben Landesregierung hatte die Staatskanzlei allerdings beschlossen, den Praetorius-Preis künftig nur noch alle zwei Jahre - und zwar im Wechsel mit dem niedersächsischen Staatspreis - zu verleihen. Damals hieß es offiziell, dem Land gingen langsam die Preisträger aus. Inoffiziell hörte man, die Landesregierung sei mit der Außenwirkung des so hoch dotierten Preises nicht zufrieden.

Unklar blieb, wohin die Preisgelder des Praetorius-Preises künftig konkret fließen sollen. Das Kulturministerium nannte lediglich drei Arten von Stipendien, die es derzeit ausgelobt habe. Künstlerstipendien, Kompositionsstipendien auf dem Künstlerhof Schreyahn und Klangkunststipendien im Rahmen von BS Projects an der HBK Braunschweig. 2012 sei zudem neu eingeführt worden, dass die Arbeitsergebnisse der Stipendiaten bei zwei Konzerten präsentiert und gefördert würden.

Kommentar: Ziemlich feige

Ist sie das jetzt, die viel beschworene Hinwendung der neuen Landesregierung zur Breitenkultur? Immerhin hat die zuständige Ministerin heimlich, still und leise den hochkarätigsten Kulturpreis Niedersachsens abgeschafft. Er war ein Aushängeschild des zu Unionszeiten gern gehegten „Musiklandes Niedersachsen.“

Möglicherweise ist diese Entscheidung tatsächlich der Ausweis einer neuen, grünen Kulturpolitik, die eine noch nicht näher definierte „Breite“ der geschmähten „Spitze“ vorzieht. Dafür mag es ja Gründe geben. Am  Praetorius-Preis konnte man zuletzt etwa tatsächlich kritisieren, dass seine Träger immer weniger mit Niedersachsen zu tun hatten.

Dass die Ministerin mit ihrer Entscheidung allerdings nicht offensiv umging, sondern sich ihre Pläne erst mühsam aus der Nase ziehen ließ, ist zumindest ein merkwürdiger Vorgang. Mit einem neuen Politikstil, mit Offenheit und Transparenz, haben die Grünen vor der Wahl für sich geworben. Genau das ist das alles nicht. Sondern ziemlich feige. 

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