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Kultur Heino lästert und tritt nach
Nachrichten Kultur Heino lästert und tritt nach
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13:51 07.02.2013
Foto: Heino singt und lästert. Uncool.
Heino singt und lästert. Uncool. Quelle: dpa
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Hannover

Heino führt mit seinem am vergangenen Freitag erschienenen Album „Mit freundlichen Grüßen“ die deutschen Downloadcharts an. Beim Versandhändler Amazon liegt er mit seinen Coverversionen deutscher Rock- und Popsongs auf Platz eins der Musikbestellungen. Seinem Manager Jan Mewes und der zur ProSiebenSat.1-Gruppe gehörenden Plattenfirma Starwatch ist mit einem inszenierten „Rocker-Krieg“ ein beachtlicher Coup gelungen. Rammstein und Co. hätten das Album verhindern wollen – diese Aussage war schlicht erfunden, kam aber gut an.

Musikalisch ist das Album schnell beschrieben. Heino singt Peter Fox’ „Haus am See“, „Ein Kompliment“ der Sportfreunde Stiller, Rammsteins „Sonne“ oder den Ärzte-Song „Junge“ mit rollendem R und Blechbläsern. Eine eigene Farbe gibt er den Stücken aber nicht, er interpretiert sie nicht. Dass die Lieder beim ersten Hören gefallen, liegt daran, dass es überwiegend tolle Songs sind. Wer das Album mit den zwölf Liedern einmal ernsthaft bis zum Ende durchhören will, hat spätestens bei der Mitte die Fernbedienung in der Hand.

Doch Heino glaubt, dass er es allen gezeigt hat mit dem schwarzen Totenkopfring aus dem Kaugummiautomaten, den er jetzt zu passender Lederjacke trägt. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“  nannte er die Originalstücke „musikalisch gesehen: total lächerlich“. Da sei das „Enzian“-Lied anspruchsvoller. „Dieses Zeug, das ich da gecovert habe, das bewegt sich vom Tonumfang her vielleicht mal innerhalb einer halben Oktave.“

Warum dann diese Titelauswahl? „Die Idee kam aus meinem sehr jungen Umfeld“, sagte Heino. Manager und Produzent hätten die Songs für das Album mit dem Titel „Mit freundlichen Grüßen“ ausgesucht.

Der 74-jährige Sänger hat bislang zwar mehr als 50 Millionen Tonträger verkauft. Darauf finden sich Lieder über Haselnüsse, Enzian und die Liebe. Dass er mit stolzem Brustton auch die erste Strophe des Deutschlandliedes  („Deutschland, Deutschland über alles“) oder alte Soldatenlieder sang, machte ihn bei vielen Musikerkollegen nicht gerade beliebt. Spätwerke wie Johnny Cashs Interpretationen jüngerer Kollegen („American Recordings“) oder Udo Lindenbergs Duette (etwa mit Clueso) wären dem Barden so wohl nicht möglich gewesen. Ein Lied im Kern unverändert nachspielen und aufnehmen darf jeder, er muss nur einen Teil der Einnahmen abtreten. Für alles andere braucht man die Zustimmung der Urheber – mindestens die Ärzte hätten Heino diese mit Sicherheit verweigert.

Die Attitüde, die Heino nun an den Tag legt, ist so billig wie sein lieblos zusammengestelltes Cover-Album. Heino stilisiert sich – im Aufwind der Verkaufszahlen – als desperater Kämpfer gegen humorlose Jungmusiker. Das ist nicht nur kurios, weil niemand gegen ihn kämpft. Heino selbst hatte in den achtziger Jahren Norbert Hähnel verklagt. Der hatte im Vorprogramm der mit ihm befreundeten Toten Hosen den „einzig wahren Heino“ gegeben – mit Coversongs. 10.000 Mark Ordnungsgeld sollte Hähnel 1987 an Heino zahlen. Hähnel zahlte nicht – und saß die Strafe stattdessen im Gefängnis ab.

Bei den Toten Hosen war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Die Band, die sich gerade vom ersten Teil ihrer „Der Krach der Republik“-Tour erholt, hatte wohl auch Besseres zu tun: Gitarrist Michael „Breiti“ Breitkopf feierte seinen 49. Geburtstag.

Die Rache an Heinos Rache können die deutschen Bands ohnehin einfach dem Leben überlassen. Das hält für Heino eine „Frühlingsfest“-Tour mit Florian Silbereisen parat. Am 19. Februar geht’s in der Stadthalle Deggendorf los. Mit Marianne & Michael, Gotthilf Fischer und dem Deutschen Fernsehballett. Darauf Caramba, Karacho und einen Whiskey.

Gerd Schild

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