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00:21 07.08.2014
Helene Fischer liebt die Bühne: Ob beim Konzert oder mit der Fußball-Nationalmannschaft auf der Fanmeile. Quelle: Daniel Reinhardt
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Berlin

Julian Brandt ist 18 Jahre alt und Fußballprofi. Gerade wurde der Leverkusener mit dem deutschen Team „U19“–Europameister in Ungarn. Welche Musik hört so ein Jungstar? A: Gangsta-Rap? B: Indie-Pop? C: Rihanna oder Shakira? Die richtige Antwort lautet D: Helene Fischer. Ihr Hit „Atemlos“ ist „Kult“ in der Mannschaft. Wie schon vor drei Wochen beim Empfang der Erwachsenen-Weltmeister auf der Berliner Fanmeile, sang Helene Fischer vor wenigen Tagen auch für die Nachwuchs-Europameister. Das passt, einerseits. Denn außer Fußball und Fischer gibt es nichts, was die Deutschen derzeit so vereinen würde. Andererseits singt Fischer, die heute ihren 30. Geburtstag feiert, ähem, Schlager. Und doch ist sie ein Multimillionen-Euro-Erfolgsprodukt jenseits jeder Nische.

Helene Fischer feiert 30. Geburtstag: Wir zeigen die schönsten Bilder aus der Karriere der Sängerin.

Fischer singt gänzlich unironische Herzschmerzgeschichten auf einem wohltemperierten Partybeat. Wenn es doch mal zweideutig wird, wie bei ihrer neuen Single „Marathon“, warnt sie das Publikum vor, „besonders am Ende genau zuzuhören, um nichts zu verpassen“. Fischers Stimme ist glockenhell und rein, aber ungefähr so unverwechselbar wie Mineralwasser. Sie ist schön, sehr schön sogar. Aber irgendwie doch zu sehr Engel, um wirklich eine Sehnsuchtsfrau zu sein. Ein bisschen kühl wirkt sie immer. An dieser Stelle muss auf Krasnojarsk verwiesen werden, ihre Geburtsstadt in Sibirien, aus der sie im Alter von vier Jahren mit ihrer Familie nach Rheinland-Pfalz übersiedelte. „Ein Lied aus meiner Heimat“, sagt sie, wenn sie auf der Bühne vom Schlager- ins Exotenfach wechselt und in goldbesetzter Uniform „Kalinka“ singt. Dann wirkt sie überhaupt nicht mehr kühl und wird als „Alenka“ von der russischsprachigen Community besonders geliebt.

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In einer Tour-Dokumentation des Mitteldeutschen Rundfunks sagt ihr Manager Uwe Kanthak: „Wenn es dich nicht gäbe, müsste man dich erfinden.“ Die Sängerin Helene Fischer, ausgebildete Musicaldarstellerin, ist sie selbst geblieben. Die Schlager-Göttin Helene Fischer dagegen ist ein Produkt, erfunden von Kanthak, der auch schon Rex Gildo und Michelle unter seinen Fittichen hatte. „In unserer Branche nützt das ganze Talent nichts, wenn dich das Publikum nicht annimmt“, weiß Kanthak. Er hätte die 1,58 Meter große Entertainerin auch Richtung Pop-Chanson drillen können, wie es etwas Frank Ramond mit Annett Louisan gemacht hat. Das Schlagerfach zu erobern war die bessere Idee. Denn so erreicht Fischer alle. Die Smartphone-Kids wie die CD-Senioren. „Auf meinen Konzerten kommen Menschen zusammen, die man sonst nie zusammen bei einer Veranstaltung sehen würde“, sagt Fischer. Sie bietet die ganze Bandbreite. Etwa den James-Bond-Hit „Skyfall“ mit dem Chor der Roten Armee bei der ZDF-Weihnachtsshow 2013.

Ein gutes halbes Jahr später wäre diese Idee wohl mindestens als politisch unkorrekt gewertet worden. Ein Wort etwa zu Putin oder dem Ukraine-Konflikt würde man von Fischer allerdings nie hören. Nicht nur, weil sie zu ihrem 30. Geburtstag keine Interviews gibt. Sondern vor allem, weil sie eisenhart der Regel folgt, sich nicht zu politischen Themen zu äußern.

Lieber gibt Fischer die deutsche Variante zu US-Stars wie Katy Perry und turnt in hautengen Outfits durch Mehrzweckhallen und Open-Air-Arenen. Stets im richtigen Winkel zur Windmaschine. Dann singt sie von „Küssen auf der Haut, so wie ein Liebes-Tattoo“. Die „Zeit“ nannte sie im überraschend wohlgesonnenen Porträt „Germany’s Goldkehlchen“, die mit ihren Liedern die Sehnsüchte ihrer Fans so perfekt bedient wie kaum eine andere. Ihr Album „Farbenspiel“ verkaufte sich mehr als 1,2 Millionen Mal.

Insgesamt brachte sie bislang rund fünf Millionen Tonträger unter ihre Fans, produzierte sechs Alben in nur sieben Jahren. Ihr Name ist eine eingetragene Marke und natürlich steht mittlerweile auch eine Wachsfigur von ihr bei Madame Tussauds in Berlin. Eigentlich schwingt die Wachs-Helene, denn sie sitzt auf einer Schaukel. Enthüllt wurde die Figur am 15. Oktober 2013 vor Millionen von Fernsehzuschauern in der Sendung „Herbstfest der Abenteuer“. Diese moderiert der Volksmusik-Derwisch Florian Silbereisen. Mit ihm ist Helene Fischer nun seit einigen Jahren schon fest liiert. An seiner Seite schaffte sie auch den Sprung in die Klatschspalten. Silbereisen wurde auf das zierliche Fräuleinwunder aufmerksam, als er gemeinsam mit Fischer in seiner Sendung „Hochzeitsfest der Volksmusik“ ein Duett sang. Das war 2005 und Silbereisen offenbar spontan verliebt. So wird die Geschichte zumindest erzählt.

Nora Lysk und Jan Sternberg

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