Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Herbert Grönemeyer in der Tui-Arena
Nachrichten Kultur Herbert Grönemeyer in der Tui-Arena
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:44 16.05.2015
Von Uwe Janssen
Wenn einer wie Grönemeyer durch seine Karriere streift, geht nicht nur Party. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Spaß haben. Das kommt öfter an diesem Abend. Herbert Grönemeyer will Spaß haben, seine Band will auch, und die Menschen in der bis Unters Dach gefüllten Tui-Arena wollen es sowieso. Er wirkt locker an diesem Abend, fast euphorisch gelegentlich.

Der Auftritt von Herbert Grönemeyer lockte am Freitag tausende seiner Fans in die Tui-Arena.

Nichts zu spüren von der Neuen Nachdenklichkeit, die ihm im Zusammenhang mit seinem neuen Album hier und da bescheinigt wurde. Er genießt das Gefühl, die Masse Mensch vor seiner Nase aus vollen Kübeln mit Seinem musikalischen Lebenswerk überschütten zu können. Mittlerweile ist auch er soweit, dass er seine Hits in Medleys zusammenrühren muss, um den zeitlichen Rahmen nicht vollkommen zu sprengen. So finden Männer plötzlich im Vollmond zusammen. Was soll das? Das Publikum beantwortet die Frage gut zehn Minuten durchtanzend.

Aber wenn einer wie Grönemeyer durch seine Karriere streift, geht nicht nur Party. Keiner hat Trauer so offen und in dieser Dimension so unpeinlich öffentlich ver- und behandelt wie er. Keiner hat so viele Menschen ermutigt, Trauer zu thematisieren. “Neuer Tag” ist so ein Bruch an diesem Abend. Er sitzt am Piano auf dem Steg ins Publikum, mittendrin. So aufgeheizt das Publikum gerade noch war, so aufmerksam und still ist es plötzlich, und es dauert nach dem letzten Ton zwei für 12000 Menschen endlose Sekunden, bis der Applaus einsetzt. Erstaunlicher Moment. Für “Flugzeuge im Bauch” bleibt er gleich sitzen, ebenso wie für “Der Weg”. Auch ein erstaunlicher Moment. Der Kloß im Hals, den die wohlgesetzten Zeilen einst auslösten, wenn er dieses Lied an seine verstorbene Frau sang, ist immer noch spürbar, wenn man es zulässt. Doch heute kommt man etwas besser zum Zuhören. Langer Applaus.

Es sind immer noch diese stillen Momente, die ein Grönemeyer-Konzert spannend machen. Wenn er in den rockigen Partymodus zurückkehrt, kann er eigentlich nichts falsch machen. “Fisch im Netz”, da ist er wieder der Hebböööööört, der seinen Nachnamensumlaut wie ein Markenzeichen in seinem Gesangsstil verankert hat. “Deine Kraft macht trunken, dein Herz aus Gold, wer hat dich aus dööööööm Hut geholt?” Er kann halt auch kryptisch.

“Musik nur wenn sie laut ist” - schönes fettes Orgelintro, und dann ist wieder 1981 oder so, und dann bebt die Halle, und wenn er noch die Tsrähne hätte, er würde sie zuckend nach hinten werfen. Dass sich an diesem Teil des Konzertes außer der Hallengröße nichts geändert hat, ist ein Verdienst - des Sängers und seiner treuen Gefolgschaft. Und wer auch immer behauptet hat, ab einem gewissen Alter legte das Publikum Wert auf Bestuhlung, sollte bei Grönemeyer im Innenraum nicht zu viel Komfort erwarten. Erst recht nicht, wenn der “Mensch” und der “Alkohol” gegen Ende des regulären Sets durch den Saal schweben. Nicht als Medley, aber trotzdem eng verbunden. Und ein üppiger Zugabenblock folgt nach dem abschließenden “Bleibt alles anders” erst noch.

Das sanfte “Ich dreh mich um dich” erinnert mit seinem Arrangement ein bisschen an seine Orchesterphase, die er auch einst maßgeblich in dieser Halle zelebrierte. Es ist allerdings nur ein Vorgeschmack auf das live ziemlich gewaltige “Zeit, dass sich was dreht”. Sein WM-Song. Deutschland ist nun Weltmeister. Die Party läuft. Und Grönemeyer ist der Mann in der Mitte. Mehr denn je. 

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mit seiner Nähe zu Putin hat sich der russische Dirigent Gergijew in München kaum Freunde gemacht. Im September beginnt seine Amtszeit als Chef der Philharmoniker. Jetzt stellt er seine Pläne vor.

15.05.2015
Kultur Auktionsrekord in New York - 50,6 Millionen für Piet-Mondrian-Werk

Die überhitzte Nachfrage auf dem Kunstmarkt hat nun auch Piet Mondrian einen neuen Auktionsrekord beschert. Für ein Bild des 1944 gestorbenen Niederländers wurden am Donnerstagabend (Ortszeit) in New York bei Christie's 50,6 Millionen Dollar (44,8 Millionen Euro) gezahlt.

15.05.2015

Ein Meilenstein im schier unendlich scheinenden Fall Gurlitt: Das Matisse-Gemälde "Sitzende Frau" Raubkunst-Bild von Matisse aus Gurlitt-Sammlung zurückgegeben, erklärtermaßen Nazi-Raubkunst, ist zu seinen rechtmäßigen Besitzern zurückgekehrt. Die Familie Rosenberg hofft jetzt auf eine positive Signalwirkung.

15.05.2015