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Kultur "Herr der Ringe" im Theater am Aegi
Nachrichten Kultur "Herr der Ringe" im Theater am Aegi
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18:27 25.01.2010
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Sonnabendnachmittag, alle warten auf „Daisy“, aber „Daisy“ kommt nicht. Hätten sie mal Sauron gefragt, der hätte ­ihnen mit ein bisschen schlechter Laune einen grundsoliden Weltuntergang hingezaubert. Und dass der Herrscher von Mordor eigentlich immer schlechte Laune hat, muss man den 1100 Hobbits, die das Theater am Aegi bis unters Dach füllen, nicht erst erklären. Es ist ein echtes Fachpublikum, das mit „Der Herr der Ringe – das Konzert“ für zwei Stunden nach Mittelerde zeitreist. Und zwar in das Mittelerde von Regisseur Peter Jackson, der mit seiner Filmtrilogie Tolkiens Phantasiewelt in phantastische Bilder umsetzte. Für die Musik zwischen Orff und Pop wurde Komponist Howard Shore mit einem Oscar ausgezeichnet, und die setzt nun das Kopfkino in Gang. Fast 100 Akteure drängeln sich auf der Aegi-Bühne: das „Hollywood Orchestra“, der „Chor des Auenlandes“ und das „Tolkien Ensemble“, eine Folkband. Und ein Erzähler im Lehnstuhl, dessen Kostümierung irgendwo zwischen dem guten Zauberer Gandalf und dem bösen Saruman liegt. Und dann ist da noch Christopher Lee. Der Saruman-Darsteller wird auf einer Videoleinwand eingespielt und kommt auch klanglich wie aus der Konserve. Er spricht mit seiner tiefen Stimme über Tolkien, Fantasy und die Schönheit der Musik. Warum, bleibt sein Geheimnis. Über die Filme spricht er wenig, kein Wunder, war er doch stinksauer auf Jackson, als der ihn aus dem dritten Teil komplett rausschneiden ließ.

Live lassen das 50-Mann-Orchester und der Chor mit den dramatischen und elegischen Themen des Soundtracks Bilder im Kopf und Erinnerungen an drei zauberhafte Filmwinter entstehen, in denen man Frodo auf seinem langen Weg zum Schicksalsberg begleitet hat. Das funktioniert prima, am besten schließt man die Augen, dann muss man sich auch nicht von den unkoordinierten Zeichnungen auf der Leinwand verwirren lassen, die nur selten zur Musik oder der erzählten Zusammenfassung des Mischzauberers passen wollen. Hingucken kann man, wenn zwei Damen vorne ­Elfen- und Elbengesang anstimmen oder zum Irish Folk volkstanzen, um die fröhlichen Feste im Auenland zu illustrieren. Leider gibt’s viele technische Pannen, sodass das durchaus willige Publikum immer wieder aus Mittelerde erwacht, um Mittelmaß zu erleben.

Sauron hätte getobt.

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