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Kultur Abglanz des Himmels
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19:28 29.01.2014
Von Simon Benne
Ein Star in New York: Das mittelalterliche Taufbecken aus dem Hildesheimer Domschatz. Quelle: Bistum Hildesheim
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Hildesheim

Dr. Brandt, gerade waren Teile des Hildesheimer Domschatzes im Metropolitan Museum of Art in New York zu sehen; die mittelalterlichen Stücke wurden dort von der Presse und vom Publikum gefeiert. Mal ehrlich: Verkaufen Sie Ihre Schätze in Hildesheim nicht unter Wert?

Sagen wir so: In der Vergangenheit haben wir sie unter Wert präsentiert. Die räumlichen Bedingungen im bisherigen Diözesanmuseum waren schlecht, wir konnten unter den gegebenen Umständen nur jeweils einzelne Stücke bei großen Sonderausstellungen angemessen präsentieren und nie den Schatz in ganzer Breite zeigen.

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Und das wird künftig anders sein?

Allerdings: Am 17. April 2015 wird nach mehrjährigem Umbau das neue Dommuseum eröffnet. Das ist eines der Highlights im Jubiläumsjahr „1200 Jahre Stadt und Bistum Hildesheim“. Gerade wird der Dom ja im großen Stil saniert. Dabei wird um den Kreuzgang herum und in der benachbarten Antoniuskirche eine Museumsanlage entstehen, in der wir unsere Schätze auf drei Etagen in modernster Weise präsentieren können. Damit dürfte der Domschatz, der ja zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, endlich auch im öffentlichen Bewusstsein einen angemessenen Platz finden.

Für die Sonderausstellung „Medieval Treasures of Hildesheim“ waren jetzt viele der mittelalterlichen Kreuze, Kelche und Handschriften erstmals außerhalb Europas zu sehen.

Mit großem Erfolg: Schon zur Eröffnung kamen in New York außergewöhnlich viele Gäste. Zeitungen vom „International Herald Tribune“ bis zu Blättern aus Südamerika würdigten die Schätze ausführlich, insgesamt zählte die Ausstellung mehr als 80 000 Besucher - viele zeigten sich fasziniert von Exponaten wie der goldenen Muttergottes oder den silbernen Altarleuchtern, die dem berühmten Bischof Bernward zugeschrieben werden. Inzwischen sind alle 80 Leihgaben wieder in Deutschland. Bis zur Neueröffnung unseres Museums werden sie teils in Tresoren und Magazinen verwahrt, teils in anderen Häusern gezeigt.

Woher rührt das Interesse der Amerikaner an diesen Stücken aus Hildesheim?

Der Rezensent der „New York Times“ nannte es die „Überwältigung durch das ganz andere“: Die sakralen Kunstwerke haben oft auch nach Jahrhunderten etwas, das Menschen im Innersten berührt. Da ist nicht nur die Faszination von Gold und Silber, es geht auch um Hoffnungen und Sehnsüchte, um etwas, das über den Alltag hinausgeht - um einen Abglanz des Himmels.

Wird der Domschatz aber auch in Deutschland solch eine Sogwirkung auf die Besucher entfalten?

Ganz sicher. Schließlich gibt es eine solch umfassende Sammlung im Komplex einer Welterbestätte kein zweites Mal in unserem Land.

Welches der vielen Kunstwerke, die Sie hüten, ist denn Ihr persönliches Lieblingsstück?

Viele, darunter ein goldener Kelch aus dem 14. Jahrhundert, der bis heute regelmäßig am Gründonnerstag beim Gottesdienst im Dom benutzt wird. Und im Dom selbst, der thematisch und räumlich eng mit dem Museum vernetzt ist, das berühmte Bronzetaufbecken, das um 1220 gefertigt wurde. Ich mag es nicht nur, weil es eines der schönsten Bronzestücke des Mittelalters ist, sondern auch, weil meine Töchter darin getauft wurden.

Interview: Simon Benne

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