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Kultur Hockneys Geheimnis des Bildermachens
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06:15 26.10.2012
Von Johanna Di Blasi
Man kennt David Hockney vor allem als Chronisten des amerikanischen Lifestyle. (Archiv) Quelle: dpa
Köln

Man kennt David Hockney vor allem als Chronisten des amerikanischen Lifestyle. Sein berühmter „Big Splash“ von 1967 ist eine Ikone des sogenannten Easy Living. Hinter einer kalifornischen Bauhaus-Villa ragen schlanke Palmen in den wolkenlosen Himmel. Im Swimmingpool davor spritzt das Wasser in die Höhe. Der Villenbesitzer scheint abgetaucht zu sein, um sich abzukühlen. Erfrischende Kühle verbreiten auch Hockney-Bilder, die auf dem Kunstmarkt heute Millionensummen kosten.

Die große Wanderausstellung „A Bigger Picture“, die nach Stationen in London und Bilbao Ende dieser Woche im Museum Ludwig in Köln eröffnet wird, aber zeigt nicht den bekannten Popart-Künstler der sechziger und siebziger Jahre, sondern den aktuellen Hockney. Der Maler hat Hollywood und dessen smarte Bildwelten in den neunziger Jahren verlassen. Der 75-Jährige lebt heute im englischen Yorkshire, der Gegend seiner Kindheit.

David Hockney fährt heute mit einem Gestell durch die Gegend, an dem 18 Kameras befestigt sind, die Motive aus leicht verschobenen Perspektiven gleichzeitig filmen. Das Gefährt erinnert an das Equipment von Hollywood-Filmcrews. Hockneys Multifokusfilme stehen neben gemalten Yorkshire-Landschaften im Mittelpunkt der Ausstellung in Deutschland, sagt Leonie Pfennig, die Sprecherin des Museum Ludwig.

Gegenüber London, wo mehr als eine halbe Million Besucher gezählt wurden, ist für Köln rund ein Drittel der Ausstellung neu konzipiert worden. „Hockney wollte, dass neue Werke einbezogen werden“, sagt Pfennig. Auf einer großen Monitorwand laufen Filme. Der Künstler war für Dreharbeiten in Los Angeles, New York und im Yosemite National Park. Anders als bei den Landschaften bezieht David Hockney in seinen Filmen wieder Menschen ein - von Tänzern bis zu Jongleuren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Köln auf Hockneys iPad-Zeichnungen. Der Künstler macht sich die Touchscreen-Funktion des Kleincomputers zunutze, um Skizzen anzufertigen.

Der fotografische Blick dominiert unser abendländisches Sehen

Der technikaffine Künstler hat eine eigene Medientheorie entwickelt. Der fotografische Blick auf die Realität dominiert unser abendländisches Sehen seiner Ansicht nach nicht erst seit der Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert, sondern seit etwa 600 Jahren. In einer im Jahr 2001 ausgestrahlten TV-Produktion mit dem Titel „Secret Knowledge“ und einem gleichnamigen Buch machte Hockney deutlich, was sämtliche Kunsthistoriker übersahen: Bereits die Gemälde der Renaissancemeister deuten darauf hin, dass optische Hilfsmittel verwendetet wurden: Linsen, Spiegel, Camera Obscura.

Um 1420 herum, zeitgleich mit dem Aufkommen hochwertiger Linsen, vollzieht sich nach Hockneys Beobachtungen ein erstaunlicher Umbruch. Personen, Architektur oder Landschaften auf Gemälden sehen schlagartig fotografieähnlich aus, bei Jan Van Eyck, Giorgione oder später bei Vermeer. Florenz, Gent und Antwerpen, so folgert David Hockney, seien in der Vergangenheit gewesen, was Hollywood und andere Filmhochburgen heute seien: technische Bilderfabriken.

Die Künstler der Vergangenheit hätten ihr Wissen geheim gehalten. Mit dem Aufkommen der Fotografie seien Künstler als Realitäts- und Wahrheitsmonopolisten entthront worden. „Künstler sind durch Chemie ersetzt worden“, sagt Hockney. Im Zeitalter der digitalen Fotografie aber würden die Karten neu gemischt. Neue Möglichkeiten der Bildmanipulation und Realitätskonstruktion hätten sich eröffnet.

Mit seinen jüngsten Landschaftsbildern, die mit ihren leuchtenden Farben an Bildschirmbilder erinnern und verwirrende Fluchtpunkte aufweisen, und den Multifokusfilmen verfolgt Hockney eine Mission: Er möchte ganz offensichtlich den fotografischen Blick auf spielerische Weise aufbrechen. Anders als sein ironischer Landsmann Damien Hirst betrachtet Hockney das Kunstmachen als intellektuelle Entdeckungsreise.

David Hockney. A Bigger Picture“ im Museum Ludwig Köln: 27. Oktober 2012 bis 3. Februar 2013, dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr.

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