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Kultur „Hoffmanns Erzählungen" in Hannover
Nachrichten Kultur „Hoffmanns Erzählungen" in Hannover
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06:15 10.05.2012
Liebe zur Musik: Christian S. Malchow (Hoffmann) und Dorothee Schlemm (Niklas).
Liebe zur Musik: Christian S. Malchow (Hoffmann) und Dorothee Schlemm (Niklas).
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Hannover

Es knallt gehörig im vierten Akt. Wenn Hoffmann seinen Nebenbuhler Schlemihl beim Duell um die Kurtisane „Guilietta“ erschießt, geht ein Ruck durch die Reihen im hannoverschen Theater am Aegi, und so mancher Zuschauer, der eben noch schläfrig im Sitz hing, richtet sich wieder kerzengerade auf. Die schwindende Aufmerksamkeit nach mehr als zwei Stunden Spielzeit konnte selbst die berühmte Barcarole zu Beginn des vierten Akts von Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ nicht wettmachen. „Schöne Nacht, du Liebesnacht“ kommt so mäßig schwungvoll daher wie die gesamte Inszenierung des Theaters für Niedersachsen (TfN).

„Fantastische Oper“ lautet der Untertitel. Regisseur Axel Heil hat sich davon offenbar wenig leiten lassen. Seine Version der Geschichte um den liebes- und trunksüchtigen Künstler und Visionär Hoffmann kommt doch sehr brav und konventionell daher. Zwischen Bierhumpen, die Hoffmann mit den Studenten am Kneipentresen stemmt, und venezianischer Barcarole in der mit roten Plüschkissen ausgestatteten Opiumhöhle Giuliettas arbeitet Heil den Widerspruch von Erotik und Künstlertum nur unscharf heraus. Hinzu kommt, dass man Christian S. Malchow in der Titelrolle den leidenschaftlichen Lebemann nicht recht abnimmt. Er agiert zu bedächtig und wirkt in seinen irrationalen Liebesgeschichten selbst als der Bodenständigste. Mehr Ausdruckskraft auch in stimmlicher Hinsicht hat Levente György als diabolischer Widersacher in den Rollen Lindorf, Coppelius, Dr. Mirakel und Dapertutto.

In den Nebenrollen glänzen vor allem Aurora Perry und Dorothee Schlemm. Perry mimt die Hightech-Puppe Olympia, die Hoffmann durch eine 3-D-Brille als die perfekte Frau wahrnimmt. Sie schafft den Balanceakt, die höchst anspruchsvollen Arien zu singen und sich dabei roboterhaft über die Bühne zu bewegen, mit Bravour. Von Dorothee Schlemms komödiantischem Talent (sie gibt Hoffmanns Muse Niklas) hätte man gern mehr gesehen.

Insgesamt ist die Mischung aus Komik und Tragik, die Hoffmanns Fabulierkunst ausmacht, in diesem Stück allzu behutsam dosiert. Und so spielt auch das Orchester unter Leitung von Achim Falkenhausen die opulente Partitur eher zurückhaltend. Ein rauschhaftes Erlebnis ist diese Aufführung nicht, und so fällt der Beifall doch recht nüchtern aus.

Noch einmal am Dienstag um 20 Uhr im Theater am Aegi. Karten: (05121) 16931693.

Kerstin Hergt

Rainer Wagner 06.05.2012
06.05.2012