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Kultur Hollerehidi! Otto Waalkes begeistert 3000 Besucher in der AWD-Hall
Nachrichten Kultur Hollerehidi! Otto Waalkes begeistert 3000 Besucher in der AWD-Hall
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12:07 11.09.2010
Otto beweist eindrucksvoll, dass er seit 40 Jahren einer der wichtigsten Komiker in Deutschland ist
Otto beweist eindrucksvoll, dass er seit 40 Jahren einer der wichtigsten Komiker in Deutschland ist Quelle: Martin Steiner
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Otto Waalkes ist wie die 1000. Wiederholung von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ zu Weihnachten, die schwarz-gelbe Bundesregierung, die Nokia Night of the Proms und sämtliche Konzerte von Status Quo. Die Fans wissen genau, was sie erwartet – und sind begeistert, wenn sie es tatsächlich bekommen.

Bei Otto geht das so: Nach einem riesigen Anerkennungsapplaus für vier Jahrzehnte Blödelbardelei kommt der 62-Jährige mit Jogginghose und Ottifanten-Mütze über dem lichten Haupthaar (Otto: „Die Frisur heißt auf Arabisch: Achsachmawardamahaarda“) auf die Bühne der AWD-Hall und ruft: „Hollerehidi! Hallo, Hannover“ und 3000 Besucher aus drei Generationen antworten „Hallo, Otto“. Sie toben, johlen, und schwenken Ottifanten-Handpuppen namens Dings und Bums. Und Otto sorgt dafür, dass sie damit erst am Ende der Show wieder aufhören – auch das kennt man.

„Hollerehidi! Hallo, Hannover“: Otto Waalkes begeistert 3000 Besucher in der AWD-Hall – mit Witzen, die so gut sind, dass man sie auch gern weitererzählt.

Otto macht das, was er einst als Kunstpädagogikstudent mit Gitarre perfektioniert hat: Blödsinn, mitunter anspruchsvollen Blödsinn – das Otto-Motto. Er parodiert, kalauert, witzelt, zieht längst bekannte aber wunderbare Grimassen. Er singt „Es ist sieben nach Acht, Hannover hat sich fein gemacht, für Otto...“ zur Melodie von Elvis Presleys „In the Ghetto“ und „So viel Scheiß baut Opi“ zu Queens Baumarkthymne „We will rock you“. Er trägt Klassiker wie „Wir haben Grund zum Feiern“ und das „Ottifantenlied“ vor, lässt das Publikum Nebel, Lachmöwen und sprechende Schakale spielen und hilft noch immer bei Fremdsprachen: „Sächsische Wurstspezialität mit U? Uffschnütt“.

Otto beweist eindrucksvoll, dass er seit 40 Jahren einer der wichtigsten Komiker in Deutschland ist – auch wenn er nach Millionen verkaufter Tonträger, erfolgreichen Kinofilmen und Ehrungen vom Adolf-Grimme-Preis bis zum Deutschen Comedypreis nichts mehr beweisen braucht. Otto braucht nicht mal einen Nachnamen. Und doch vermittelt der Malermeistersohn aus Emden ein Humorverständnis, dass mit Mario Barth und den jüngeren Kollegen nur wenig zu tun hat.

Während Barth den Alltag auf kleine Gehässigkeiten gegenüber Schwächeren durchsucht, nimmt sich Otto eher gesellschaftliche Trends von Gerichtsshows bis Handysucht vor und kritisiert mitunter auch die Politik. Aber vor allem albert er rum und macht Spaß. Immer noch. Und vielleicht erkennt man die Qualität eines Witzes tatsächlich daran, wie oft er erzählt und weitererzählt wird – vielleicht schrieben gestern aus diesem Grund einige fleißig mit.

Jan Sedelies

Dirk Kirchberg 10.09.2010
10.09.2010
Dirk Kirchberg 10.09.2010