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Kultur Hommage an Michael Quasthoff
Nachrichten Kultur Hommage an Michael Quasthoff
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13:30 24.01.2011
Von Rainer Wagner
Dietrich zur Nedden
Sonder-Oblong im Literaturhaus für den verstorbenen Michael Quasthoff mit Weggefährte Dietrich zur Nedden Quelle: Martin Steiner
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Doch das ist weniger verwunderlich, wenn es dabei um Michael Quasthoff geht, der nicht nur ein vielseitiger Journalist und Autor, sondern vor allem ein großer Spötter und Spaßmacher war. Und das versteht sich fast von selbst, wenn die Gedenkfeier eine Fitz-Oblong-Show war. Oder im Oblong-Jargon: „Ein hypergalaktisches Oblong für Micha Quasthoff.“

Vor 18 Jahren haben Michael Quasthoff und Dietrich zur Nedden diese unbeschreibliche Veranstaltungsform kreiert, in der virtuose Schusseligkeit, musikalische Unbekümmertheit und sprachliche Equilibristik eine Heimstatt fanden.

Vor zwei Monaten ist Michael Quasthoff gestorben, jetzt bat Dietrich zur Nedden zur Rückschau, die Nachruf und Nachreden vorzüglich vereinte – und fast 200 Freunde bestens unterhielt. Was ganz gewiss im Sinne Quasthoffs gewesen wäre.

Die Fitzoblong Allstar Band gab den Auftakt und den Schlussakkord, doch das letzte Wort und den letzten Ton hatte nach reichlich drei Stunden der Verstorbene, der mit dem CD-Mitschnitt noch einmal die Männer im November besang: Michael Quasthoff ist im November verstorben. Das war nicht die einzige makabre Note. Auch der hinreißende Text des Starkrauchers Quasthoff über die Raucherverfolgung provozierte Lacher, bei denen manch Lachender nicht wusste, ob sein Lachen jetzt angemessen sei. Macht nichts, denn die Absurdität des Lebens (und des Sterbens) war immer ein Thema dieses Spaß- und Ernstmachers. Komoderator Kay Sokolowsky ermöglichte seinem Kollegen zur Nedden ja auch manche Zigarettenpause. Viele Kämpfer der ersten Stunde waren dabei. „Die unglaublichen Drei“ etwa oder das Autorenduo Gronius und Rauschenbach, die die „Welturaufführung“ eines Dramoletts boten. Monika Herrmann improvisierte beredt, aber wortlos auf ihrem Cello, Marek Jera rezitierte Grübelnahrung von Witold Gombrowicz, und der junge, schlacksige Max Wallenhorst steuerte unter anderem ein sehr persönliches Gedicht bei. Felicitas Hoppe rezitierte aus Quasthoffs Balladenbuch und intonierte elegant eine Schiller-Ballade. Die meisten aber ehrten „ihren Micha“, indem sie Originaltexte von Quasthoff vortrugen. Und das war durchweg saukomisch. Etwa wenn Hartmut El Kurdi mit Bob-Dylan-Verwegenheit den Tag besang, als Joseph Beuys starb.

„Michael ist nicht da, und er fehlt“, hatte Dietrich zur Nedden zu Beginn gesagt, doch am Ende konnte das Fazit nur lauten: Er fehlt zwar, aber er ist noch sehr unter uns.