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09:20 16.02.2014
Museumsinhaberin Gabriele Knepper steht zwischen ihren Mausefallen und Kuriositäten im Museum in Güntersberge (Sachsen-Anhalt).
Museumsinhaberin Gabriele Knepper steht zwischen ihren Mausefallen und Kuriositäten im Museum in Güntersberge (Sachsen-Anhalt). Quelle: dpa
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Güntersberge

Früher waren Mäuse echte Plagegeister. Um die Vorräte in den Speisekammern zu schützen, ließen sich Menschen allerlei einfallen. Die Nager wurden mit Korb-, Reusen- und Klotzfallen dingfest gemacht. Man ließ sie in Mini-Galgen laufen, erschoss sie mit einer Kanone oder ersäufte sie im “Todesturm“. Wie kreativ in vergangenen Jahrhunderten an Mausefallen getüftelt wurde, zeigt ein Museum im Harz. Gabriele und Karl-Heinz Knepper haben mehr als 300 Fallen zusammengetragen - und sie neben historischen Klostühlen und verrückten Nachttöpfen in einem privaten “Mausefallen- und Kuriositätenmuseum“ arrangiert.

Seit fast 17 Jahren teilt das Paar das Ergebnis seiner Sammelleidenschaft mit Besuchern aus ganz Europa. “Wir präsentieren Alltagskultur. Es sind die Ergebnisse der pfiffigen Ideen unserer Vorfahren“, sagen sie. Mit welchem Liebhaberstück die Sammelwut begann, wissen sie nicht mehr. Auch die Zahl der Exponate vermögen sie nicht zu schätzen.

Die Kneppers sind “Zugehuckte“. So werden in der Region jene genannt, die zugezogen sind. “Wir kommen aus Sachsen und haben im Harz das passende Gehäuse für unsere Sammlung gefunden“, sagt Gabriele Knepper. 15 Jahre lang bereiteten sie das mehr als 300 Jahre alte Fachwerkhaus im Harzgeroder Ortsteil Güntersberge auf sein Dasein als museales Kleinod vor.

1997 eröffneten sie “Das verrückteste Museum des Harzes“. So steht es auf einem Flyer. Der ausgebildete Opernsänger und die gelernte Augenoptikerin räumten ihre Mausefallen in antiquierte Regale und rückten Klostühle und Nachttöpfe ins rechte Licht. Seit 2000 gibt es die Galerie der stillen Örtchen. Deren Mittelpunkt: ein etwa 500 Jahre alter Kinderklostuhl aus der Zeit Martin Luthers (1483-1546). “Der Pfostenstuhl wird von Holznägeln zusammengehalten. Unter das Loch in der Sitzfläche hat man einen Nachttopf geschoben.“

Sammeln aus Leidenschaft

Der kniehohe Stuhl befindet sich im “Mausefallen- und Kuriositätenmuseum“ in guter Gesellschaft. Es gibt ein als Wäschetruhe getarntes Reiseklo mit Wasserspülung, auf dem gut betuchte Damen und Herren um 1850 ihr Geschäft verrichteten. In Reih und Glied stehen Klostühle aus der Zeit des Biedermeier und des Jugendstil. Es gibt ein Bidet aus dem 18. Jahrhundert und einen gepolsterten Klostuhl mit zartem Rosenmuster, der vor mehr als 160 Jahren in einem Boudoir, einem Ankleidezimmer, gestanden hat.

Gefunden und gekauft haben die Kneppers die meisten Gegenstände bei Flohmarktbesuchen in ganz Deutschland. “Einmal haben wir ein altes, bemaltes Urinal beim Inhaber einer Sanitärfirma gegen ein hochwertiges Porzellangedeck getauscht“, erinnert sich Knepper. Den Wunsch großer Museen, Stücke der üppigen Privatsammlung in Sonderausstellungen zu integrieren, hat das Paar bisher abgelehnt.

“Zu uns kommen jedes Jahr mehrere Tausend Besucher. Da können wir die Filetstücke nicht weggeben“, sagen sie. Aktuell ruht die Sammelwut. Viel zu sehr ist das Ehepaar mit dem Museum beschäftigt. “Wir könnten immer weiter machen, aber uns fehlt mittlerweile die Zeit für ausgedehnte Bummel über Flohmärkte und durch Antik- und Trödelgeschäfte.“

“Sammeln ist die älteste Leidenschaft der Welt“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt, Ernst Görgner. Anders als in Neroth in der Eifel, wo es auch ein Mausefallenmuseum gibt, stehe in Güntersberge die wissenschaftliche Aufbereitung nicht im Vordergrund. “In Neroth ist das Handwerk der Mausefallenmacher beheimatet. Diesen gesellschaftlichen Bildungsauftrag verfolgt man im Harz eher nicht.“

dpa

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