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Kultur Selfies im Museum erwünscht
Nachrichten Kultur Selfies im Museum erwünscht
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08:49 13.05.2014
Ein kaputtes Display hält nicht vom Selfie ab: Viele Museen weichen ihr Fotografierverbot auf – wie das Sprengel Museum in Hannover. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

Immer mehr Museen erlauben private Fotos in ihren Ausstellungen, solange Bildrechte gewahrt und Kunstwerke nicht beschädigt werden. Viele Häuser erlauben inzwischen Erinnerungsbilder – allerdings darf in der Regel nur ohne Stativ, ohne Blitzlicht und ausschließlich zum privaten Gebrauch fotografiert werden.

Im Sprengel Museum Hannover hat der neue Direktor Reinhard Spieler das Fotografierverbot kurz nach seinem Amtsantritt abgeschafft. „Ich sehe es nicht mehr zeitgemäß“, argumentiert der Museumschef. Andere Länder wie Großbritannien lassen Spieler zufolge schon seit Jahren private Fotos zu. „Das ist viel besucherfreundlicher. Wir sind froh, wenn die Leute die Fotos weiterschicken. Für uns ist das schlichtweg ein Multiplikator.“

In der Konkurrenz mit anderen Freizeitangeboten setzen die Kultureinrichtungen verstärkt auf neue Medien, sie sind in sozialen Netzwerken aktiv oder bieten spezielle Apps zu ihren Ausstellungen an. Auch die Organisatoren des Internationalen Museumstages am kommenden Sonntag (18. Mai) haben dazu aufgefordert, Fotos unter den Hashtags IMT14 beziehungsweise myCollection14 zu posten. Möglich seien Bilder eigener Sammlungen und einzelner Objekte, Motive der Arbeit hinter den Kulissen sowie Selfies – also Selbstporträts, heißt es auf der Homepage des Museumstages.

Das seit Jahrzehnten in vielen Häusern bestehende Fotografierverbot hat unter anderem urheberrechtliche Gründe. Die von Besuchern aufgenommenen Bilder dürfen auf keinen Fall kommerziell genutzt werden. Bei alten Werken kann das Blitzlicht zudem den empfindlichen Farbpigmenten schaden. So darf die 3500 Jahre alte Büste der Nofretete in Berlin nicht mehr fotografiert werden. Anfang 2010 hob das Neue Museum die Erlaubnis auf, weil die meisten Besucher beim Ablichten der ägyptischen Schönheit das Blitzverbot missachtet hatten.

Doch nicht nur das Blitzlicht schadet Kunstwerken. Im März zerstörte Medienberichten zufolge ein Student in Mailand die Skulptur eines nackten Jünglings, als er für ein Selfie auf den Schoß der Figur kletterte. Glück im Unglück war, dass es sich bei dem beschädigten Kunstwerk nicht um eine antike Statue, sondern nur um eine Nachbildung aus dem frühen 19. Jahrhundert handelte.

Das Museum Brandhorst in München hat nach zwei Unfällen, an denen Besucher mit Kameras beteiligt waren, das Fotografierverbot wieder eingeführt - aus Sicherheitsgründen. Unter anderem seien Teile einer Skulptur von Katharina Fritsch zu Bruch gegangen, berichtet die Sprecherin der Münchner Pinakotheken, Tine Nehler. In allen anderen Häusern der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sind dagegen Smartphone-Fotos erwünscht. „Jugendliche bis 18 Jahren haben bei uns freien Eintritt. Die Schüler machen gerne Selfies vor Alten Meistern genauso wie vor Andy-Warhol-Werken“, sagt Nehler.

Matthias Henkel, der zum Vorstand des Internationalen Museumsrates ICOM Deutschland gehört, plädiert dagegen dafür, Kameras weiterhin nur in Ausnahmefällen zu erlauben. Viele Menschen nähmen die Welt nur noch durch ihre Kameras wahr, beklagt er. „Im Museum haben sie die Chance, sich entschleunigt mit Originalen auseinanderzusetzen. Es geht um die Bilder, die im Kopf entstehen.“

dpa/ska

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