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Kultur 38. Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis
Nachrichten Kultur 38. Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis
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19:09 30.06.2014
Von Martina Sulner
Stellt sich der Jury: Die Hamburger Autorin Karen Köhler. Quelle: Klug
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Klagenfurt

Solche Geschichten liebt fast jeder: die von der Entdeckung eines großen Talents oder vom Aufstieg eines lange Verkannten. Aus der Musikindustrie kennt man solche Berichte zuhauf, doch sie kursieren auch im Literaturbetrieb - und manchmal sind sie sogar wahr. Maja Haderlap gehört zu denen, die quasi über Nacht bekannt wurden. Im Sommer 2011 hat die zuvor wenig populäre Österreicherin beim Klagenfurter Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis aus ihrem Manuskript „Engel des Vergessens“ gelesen. Sie gewann den Wettbewerb, und ihr im Göttinger Wallstein Verlag veröffentlichter Roman hat mittlerweile die elfte Auflage erreicht.

Am Mittwoch eröffnet die Autorin, deren neuer Lyrikband „langer transit“ im Herbst herauskommt, die diesjährigen „Tage der deutschsprachigen Literatur“, wie das Wettlesen am Wörthersee offiziell heißt. „Im Licht der Sprache“ ist Haderlaps Rede überschrieben. Und vor dem Hintergrund der Streitereien, die es im vergangenen Jahr gab, freut man sich doppelt auf diesen Vortrag: zum einen, weil man von dieser reflektierten, sprachmächtigen Autorin eine kluge Rede erwarten kann. Und zum anderen, weil der Wettbewerb tatsächlich stattfindet. Vor einem Jahr hatte der Österreichische Rundfunk (ORF) angekündigt, sich von der renommierten Veranstaltung zurückziehen zu wollen. Das hätte das Aus der Bachmann-Tage bedeutet, denn der ORF ist Hauptsponsor des Literaturspektakels. Nach heftigen Protesten von Schriftstellern und einer temperamentvoll geführten Debatte in den Medien über Für und Wider der Veranstaltung lenkte die Sendeanstalt ein: Etwas gönnerhaft kündigte ORF-Chef Alexander Wrabetz bei der Verleihung des Preises an Katja Petrowskaja an, dass der Wettbewerb nun doch fortgesetzt werde.

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So also trifft sich der deutschsprachige Literaturbetrieb jetzt wieder in der Kärntener Landeshauptstadt am östlichen Ufer des Wörthersees, um von Donnerstag an die Lesungen der 14 eingeladenen Autoren und die Kritik der sieben Juroren unter Vorsitz von Burkhard Spinnen zu erleben. Auch wer nicht vor Ort ist, kann dabei sein: Der Sender 3sat überträgt die Veranstaltung aus dem ORF-Landesstudio live, inklusive der Preisverleihung am Sonntag.

Mancher Autor leidet noch nach Jahren

Der Ablauf des Wettbewerbs - ein Autor liest jeweils 30 Minuten, dann nimmt die Jury 30 Minuten Stellung - ist nichts für Zartbesaitete. Mancher Autor, der in Klagenfurt vor laufender Kamera verrissen wurde, leidet noch Jahre später an diesem Erlebnis. Olga Flor jedoch lässt sich nicht schockieren: Die Grazerin liest zum zweiten Mal in Klagenfurt. Mit ihren 46 Jahren ist Flor nicht mehr ganz jung; sie hat bereits mehrere Romane veröffentlicht. Überhaupt dominieren Autoren der mittleren Generation die diesjährige Runde. Tex Rubinowitz etwa ist dabei, geboren 1961 in Hannover, schon lange in Wien ansässig und zuletzt Autor des Listenbuches „Die sieben Plurale von Rhabarber“. Oder die Mittfünfzigerin Birgit Pölzl aus Graz. Karen Köhler aus Hamburg oder die Leipzigerin Kerstin Preiwuß, deren Roman „Restwärme“ im Herbst im Berlin Verlag erscheint, gehören zu den jüngeren Teilnehmern: Köhler ist Jahrgang 1974, Preiwuß ist Jahrgang 1980.

Der Schock des vergangenen Jahres, als man das Aus befürchtete, ist überwunden. Das aktuelle Wettlesen wird bestimmt reichlich Aufmerksamkeit bekommen, aber wahrscheinlich nicht ganz so wohlwollende wie im Vorjahr. Zu den Ritualen von Klagenfurt gehört schließlich das Meckern über den Wettbewerb - über schlechte Autoren, ignorante Juroren und überhaupt den desolaten Zustand der Gegenwartsliteratur. Jetzt darf wieder genörgelt werden.

Der Wettbewerb ist live auf 3sat und im Internet zu sehen. Infos unter

www.bachmannpreis.eu
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