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Kultur In der Wohlfühloase mit a-ha
Nachrichten Kultur In der Wohlfühloase mit a-ha
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20:57 15.11.2009
Sonnenschein vom Videoschirm: Morten Harket in der TUI Arena Quelle: Nancy Heusel
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Es ist nur ein Moment, aber er sagt viel aus: Vor der Zugabe kommt Keyboarder Magne Furuholmen auf die Bühne und malt mit einer Art Laserpointer erst den Satz „We love Hannover“ auf die Riesenprojektionswand hinter ihm. Dann schreibt er auf schwarzem Hintergrund die weißen Buchstaben „EN“, und die Leute pfeifen, weil sie wie beim Filmabspann das Wort „ENDE“ vermuten. Doch dann steht da plötzlich „ENKE R.I.P.“, und niemand pfeift mehr.

Es ist eine kleine, aber berührende und würdevolle Geste, deren Wirkung bis in die letzten Reihen zu spüren ist. Doch die Show muss weitergehen, „Cry Wolf“ singt Sänger Morten Harket, und die 6500 Menschen in der komplett bestuhlten TUI Arena sind längst von ihren Sitzen aufgesprungen und tanzen zum Elektrosound der norwegischen Band. Getanzt haben sie den ganzen Abend schon, wenn’s die Musik hergab.

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Wie zu Beginn, als Harket, Furuholmen und Gitarrist Pål Waaktaar-Savoy, unterstützt durch zwei Gastmusiker an Keyborads und Schlagzeug, mit dem ganz alten „The Sun always shines on TV“ loslegten und mit „Riding the Crest“ und „The Bandstand“ zwei ganz neue Songs vom jüngsten Album „Foot of the Mountain“ nachschoben. Als ob sie ihre Karriere abstecken wollten – um sich dann Zeit für die 30 Jahre dazwischen zu nehmen. Geht es nach der so üppigen wie einfallsreichen Licht- und Videodekoration, waren es bunte Jahre, viel bunter, als die a-ha-Markenzeichen vermuten lassen.

Und der Abend zeigt, dass da doch noch was war neben programmierten Beats, Synthiesound und Harkets Falsettstimme. Sicher, ein Rocksänger wird der immer noch jungenhaft wirkende Harket auch mit 50 Jahren nicht mehr. Doch als er nach dem balladenhaften Intro zum Song „Manhattan Skyline“ plötzlich in ein Megafon bellt, während Schlagzeug und Gitarre losstampfen, denkt man: Stimmt, das gab’s ja auch mal. Später, bei „You tell me“, stehen die drei mit Xylofon, Gitarre und Mikro am Bühnenrand, wenig Licht, keine Videos. Kleiner Song ganz groß. Ohnehin ist erstaunlich, dass hier kaum Personenkult betrieben wird. Die Musiker wirken vor der überdimensionalen Videowand klein und machen sich ähnlich wie bei Pink Floyd eher zu Erfüllungsgehilfen der multimedialen Gesamtkomposition. Frauenschwarm Harket ist eben kein David Gahan, optischer Fixpunkt jeder Depeche-Mode-Show.

Bei a-ha wird im Kollektiv musiziert, ohne Laufsteg, ohne Showtreppe, ohne Verfolgerspots. Und so erleben die Fans, viele dem Alter nach lange Wegbegleiter der Band, eine Show mit viel Achtziger-Jahre-Flair – was gut in die Zeit passt. Rockmusik kann durch ihre Kraft überwältigen, Synthiepop kann einen Wohlseinsrausch erzeugen, in diesem Fall einen optisch-akustischen, a-ha hat für dieses Rauschgefühl die richtigen Melodien komponiert. Statt sich wie Depeche Mode irgendwann dem Industrial-Sound zuzuneigen, ist a-ha bei dreiminütigen Wohlfühloasen geblieben. Beispiele gibt’s genug. „Stay on these Roads“, „Hunting high & low“, „Forever not yours“, „Summer moved on“ oder das hymnische „Foot of the Mountain“.

Und in der Zugabe, ganz am Ende der knappen zwei Stunden, gibt’s dann die beiden Songs, mit denen sich die Skandinavier in der Popgeschichte verewigt haben. „The living Daylights“, den Titelsong zum Bond-Film „Der Hauch des Todes“ – und dann „Take on me“, das Lied, mit dem 1985 zwischen Sommerstrick-Halbarm-Pullis und aufgekrempelten Miami-Vice-Jackettärmeln, Bundfaltenhosen und Lederschlipsen alles begann.

Wer es erlebt hat, weiß, wovon er spricht. Und was er damals auf dem Leibe trug. Die Band hat übrigens gelernt: In Hannover tragen Harket und die anderen schlichte, gut sitzende Anzüge. Geht doch. Es soll ihre letzte Tour gewesen sein, haben sie kürzlich angekündigt. Die Band löse sich auf. Wer hinter solchen Prognosen heutzutage nicht schon das nächste Comeback wittert, muss bis an sein Ende Lederschlipse tragen.