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Kultur Ina Müller singt und plappert in der Tui-Arena
Nachrichten Kultur Ina Müller singt und plappert in der Tui-Arena
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00:15 07.02.2017
Kann nicht nur singen, sondern auch mit lustigen Anekdoten unterhalten: Ina Müller. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Sie ist neugierig, sie plappert fröhlich und sie hat dieses herrlich raue, dreckige Lachen, bei dem man sich sofort zu ihr in den Schellfischposten setzen möchte, um nächtelang über Männer und Frauen zu reden. Das kann Ina Müller nämlich ziemlich gut und beweist es auch in der fast ausverkauften Tui-Arena, in der sie am Sonnabend ihre neue CD "Ich bin die" vorstellt. Denn in ihren Liedern und ihren Anekdoten, derer sie einige erzählt, ist das immer wieder ein Thema. 

Ihre NDR-Talkshow "Inas Nacht" in einer kleinen Hamburger Kneipe am Hafen feiert in diesem Jahr Zehnjähriges. Zehn Jahre also, in denen sie mit deutschen Promis so vor sich hinquatscht und dabei zwischendurch bei ge- wie missglückten Kalauern vom Shanty-Chor, der durchs Fenster lugt, unterbrochen wird. Und sie zeigt dort ein ausgesprochen glückliches Händchen im Suchen und Finden großartiger Musiker: Sie lud die ganzen Hamburger-Schule-Leute ein von Tomte über Niels Frevert bis Element of Crime, ließ Anna Depenbusch, Alin Coen und AnnenMayKantereit dort auftreten, bevor die breite Öffentlichkeit von ihnen wusste. Und natürlich kommen auch die ganz Großen wie Lana Del Rey, die Beginner oder John Legend zu Ina in die Kneipe. Wer bei Ina singen darf, der kann was.

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Die freche Moderatorin der Talkshow "Inas Nacht" hat in der Tui-Arena ihr neues Album vorgestellt.

Und Ina Müller selbst kann auch was: Am Sonnabend sang sie in der Tui-Arena vor bis in den obersten Rängen besetzten Reihen. In "Ich bin die", dem namensgebenden Song, listet sie all ihre Macken auf, und man spürt: Eine Menge Ehrlichkeit lächelt einen da an: "Ich kann nicht zuhören, wenn's mich nicht interessiert, /... und raste aus, wenn einer gegen mich gewinnt, wenn mich was aufregt, muss ich es sofort klären, / anstatt zu warten, bis der Zeitpunkt stimmt." Kleine Beobachtungen, reflektiert und vielleicht deshalb so nahbar.

Ina Müller ist einfach wunderbar. Wie sie da so kokett mit dem Publikum redet, als sitze sie an ihrem Kneipentisch. Dass sie aber auch Jahre über Kabarettbühnen tingelte, wird ebenso deutlich. Ein gut geschriebenes Programm voller Pointen und Anekdoten: Ihr schönster Moment 2017 sei gerade an diesem Tag im Fahrstuhl im Hotel in Hannover gewesen, als ein älterer Mann sie musterte. "Ich kenne sie irgendwie", habe er gesagt. Und sie kontert: "Wirklich? Schauen Sie manchmal Pornos?" - und lacht diebisch. An anderer Stelle findet sie, huch, eine Peitsche im weißen Flügel und schimpft sich über die aktuelle Fernsehwerbung in Rage, die Peitsche - ein wenig unbeholfen - schwingend. Das Publikum liebt es. Klar, das ist alles geskriptet, aber sie macht das mit soviel Esprit und gleichzeitiger Derbheit und Schabernack, dass man nur entzückt von ihr sein kann. 

Auf ihrem neuen Album geht es ums Alter, es geht um Gebrechen, die man charmant mit einer Freundin in einem "Invalidenquartett" vergleicht. Es geht um dieses hoffnungsvolle Gefühl, dass sich immer wieder einstellt, wenn man vermeintlich die große Liebe gefunden hat: "Ein weiteres "für immer" / ins Leben eingeritzt / Wir hatten ja keinen Schimmer / dass nichts bleibt, wie es ist." Und es geht um verpasste Chancen. Die, die vielleicht am stärksten nachhallt: kein Kind bekommen zu haben. "Wärst du groß oder klein - wie sähst du wohl aus?", heißt es in einem Lied. Doch es stimmt eben auch versöhnliche Zeilen an: "Alles ist gut, so wie es ist" und "Ich hab dich auch nie groß vermisst, / wie auch, du warst ja gar nicht hier".

Man kommt wohl auch nicht umhin, bei Ina Müller über das Alter zu reden: Das mag auch daran liegen, dass sie nicht nur davon singt, sondern auch selbst ständig darauf zu sprechen kommt. Also: Ina Müller ist 51 Jahre alt. Und was in den letzten Jahren auch immer wieder Thema ist: Ihr Partner, Sänger Johannes Oerding, der bei der neuen Platte musikalisch mitgewirkt hat, ist sechzehn Jahre jünger. "Wir haben uns überlegt, ein Haus zu kaufen", erzählt sie. "Aber dann sind wir ja auch ein Mehrgenerationenhaus." Wenn man Ina Müller so sieht und sprechen hört, dann ist diese Zahl eben nur eine Zahl. Ina Müller ist eine starke Frau, eine Macherin, gleichzeitig albern und charmant und rotzfrech und derbe und quirlig. Das ist eine ziemlich großartige Kombination. Und dann kann sie auch noch richtig gut singen.

Von Katharina Derlin

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