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Kultur Ingo Zamperoni präsentiert sein Buch über Donald Trump
Nachrichten Kultur Ingo Zamperoni präsentiert sein Buch über Donald Trump
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00:35 18.05.2018
Im  Gespräch übers  „Roadmovie“ aus den USA: Hendrik Brandt und Ingo Zamperoni im Literarischen Salon.  Quelle: Schaarschmidt
Hannover

 Wohin steuern die USA? Nimmt Donald Trump zugunsten von innenpolitischem Rückhalt außenpolitisch verbrannte Erde in Kauf? Geht es seinen Wählern jetzt wirklich besser? Und was ist mit jenen gut 60 Prozent der Wahlberechtigten, die ihm nicht ihre Stimme gegeben haben? Solche Fragen stellt das Publikum des Literarischen Salons an diesem Abend dem Journalisten Ingo Zamperoni – von dem man dazu plastische Schilderungen erwarten kann. Nicht nur weil er Amerikanistik studiert hat und zwei Jahre ARD-Korrespondent in Washington war, bevor er als Nachfolger von Thomas Roth zu den „Tagesthemen“ zurückgekehrt ist. Sondern auch weil er darüber mehrere Bücher geschrieben hat.

Kein Wunder, dass der große Hörsaal II auf dem Conti-Campus ausverkauft ist, als Zamperoni dort sein neues Buch über die USA vorstellt. Und dass alle konzentriert seinem Gespräch mit HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt folgen, der bereits 2016 als Moderator dabei war, als Zamperoni im Literarischen Salon „Fremdes Land Amerika“, sein erstes USA-Buch, präsentiert hat. Schon damals war zu erleben, dass er nicht nur ein präziser Reporter von Zuständen und Stimmungen in den USA ist, sondern dass er auch einen sehr persönlichen Zugang zu den Ereignissen und Menschen dort hat, und das nicht nur, weil seine Frau US-Amerikanerin ist. 

„Die meisten sind zufrieden“

Das US-Präsidentenamt verdanke Trump der Tatsache, dass er „die richtigen Knöpfe“ gedrückt habe, schreibt Zamperoni in seinem neuen Buch, dessen Titel „Anderland“ nach noch mehr Befremden klingt. Ein „Roadmovie“ nennt Brandt das soeben erschienene Werk. Dafür ist Zamperoni in der Tat ziemlich viel unterwegs gewesen. Denn er hat Menschen wieder aufgesucht, die er noch als Washington-Korrespondent kennengelernt hat – und nun nach ihrer Trump-Erfahrung befragt. „Die meisten, die für ihn votiert haben“, sagt er, „sind weiter mit ihrer Wahlentscheidung zufrieden.“ 

Bei Trump, fragt Brandt, habe man eben bekommen, was man gesehen habe? „Genau“, sagt Zamperoni. Ob Prototypen für den Mauerbau oder Steuerreform, Nein zu TTIP, Klima- oder Iran-Abkommen – Trump setze vieles um, was er versprochen habe. Und das werde eben geschätzt, bisweilen auch ohne Rücksicht auf Verluste. Die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem beispielsweise gehe zwar mit schlimmen Begleiterscheinungen einher. „52 Tote, 1000 Verletzte – eine Katastrophe“, konstatiert Zamperoni, „da reicht der Blick nur vom Baum bis zur Borke.“ Aber die US-Repräsentanz in Jerusalem, das sei eben für viele Christen und Evangelikale in den USA einfach selbstverständlich. Und das sind großenteils Trump-Wähler. 

Populismus pur?

Populismus pur? Zwischen zwei Lesungspassagen Zamperonis aus „Anderland“ zieht HAZ-Chefredakteur Brandt den Fokus des Gesprächs deutlich weiter auf. Fragt nach dem Verhältnis von Politik und Medien, nach der Rolle des Journalismus in Zeiten, da Wahlerfolge – wie der Trumps – an einst maßgeblichen Medieninstanzen vorbei oder sogar gegen diese entstehen. Wächst die Fragmentierung der Gesellschaft durch die Lösung von etablierten Medien? Sind Journalisten bisweilen allzu abgehoben vom Mainstream? „Haben wir uns Obama schöngeredet“, fragt Brandt und fügt unter aufkommendem Gelächter hinzu: „Auch durch die Korrespondenten der ARD?“ Zamperoni nimmt den Ball lächelnd auf und gesteht, dass ein farbiger, ausgleichender, multilateraler, intellektueller und auch noch gutaussehender Präsident wie Trumps Vorgänger eben für Journalisten „sehr reizvoll“ gewesen sei. 

Trump bietet da zweifellos weniger Reiz auf – und doch betont Zamperoni, dass er eine zweite Amtszeit für durchaus möglich hält. Worin, bei allem Verständnis für Trumps Wähler, keine Sympathieerklärung liegt. „Wenn jeder an sich selber denkt, ist doch an jeden gedacht“, das sei Trumps kurzschlüssige Formel. Ob dadurch der Nahe Osten brenne, Bündnispartner verprellt und international Vertrauen und Ansehen verspielt würden, darauf nehme er keine Rücksicht. 

Und bevor er sich am Ende den Publikumsfragen stellt, beantwortet Ingo Zamperoni noch ein paar Fragen von Hendrik Brandt: Ja, Merkel und Macron machten im Umgang mit Trump alles richtig. Nein, er sei nicht froh, nicht mehr in den USA zu leben. Ja, er könne sich vorstellen, noch ein Buch über die USA zu schreiben. 

Dann dürfte diese Begegnung im Literarischen Salon wohl nicht die letzte gewesen sein. 

Ingo Zamperoni: „Anderland. Die USA unter Trump – ein Schadensbericht“. Ullstein-Verlag, 208 Seiten, 18 Euro. Am Freitag, 18. Mai, 20 Uhr, ist als nächster Gast im Literarischen Salon der israelische Autor Tom Segev, der sein neues Buch über Israels Gründervater David Ben Gurion präsentiert. 

Von Daniel Alexander Schacht

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