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Kultur Ingrid Noll: „Ehrenwort“
Nachrichten Kultur Ingrid Noll: „Ehrenwort“
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08:00 30.10.2010
Von Rainer Wagner
Krimiautorin Ingrid Noll: Die hannoversche Lesung am Sonntagabend im Kastens Hotel Luisenhof war ausverkauft.
Krimiautorin Ingrid Noll Quelle: dpa
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Seit Uwe Barschels öffentlicher Unschuldsbeteuerung ist dem Ehrenwort die Ehre ziemlich abhandengekommen. Auch in Ingrid Nolls neuem Roman wird das titelgebende „Ehrenwort“ nicht sehr ernst genommen. Und die Motive der handelnden Personen sind auch nicht alle ehrenhaft.

Zumindest die mittlere Generation in der Familie Knobel, die ungeplant wieder zur Drei-Generationen-Gemeinschaft wird, führt nicht nur Edles im Schilde. Harald Knobel und seine Frau Petra sind nämlich schnell überfordert, als Vater Willy Knobel nach einem Unfall bei ihnen einzieht. Eigentlich sollte der knurrige Alte dort in Ruhe sterben, doch sein Enkel Max päppelt den knapp Neunzigjährigen mit einer eigenwilligen Vanillepuddingdiät wieder auf. Die selbst schon 75-jährige Autorin hat das mit ihrer Mutter, die über 100 Jahre alt wurde, offenbar auch erfolgreich ausprobiert.

Ganz so alt wird Willy Knobel in diesem Roman dann aber doch nicht, doch bis der gerne lateinische Sprüche zitierende Greis mit eben diesem Latein am Ende ist, passiert einiges. Es gibt Tote, aber Opa Willy übersteht alle Attacken. Und Altenpflegerinnen können zwar über Leichen gehen, aber es handelt sich dabei nicht um Schutzbefohlene. Im Gegenteil.

Das alles ist trotz der auftretenden kriminellen Energie auch von biederen Bürgern (und vor allem für: Bürgerinnen!) eigentlich kein Krimi. Haarsträubend spannend ist das nicht, aber doch unterhaltend.

Ingrid Noll: „Ehrenwort“. Diogenes. 336 Seiten, 21,90 Euro.

Simon Benne 30.10.2010