Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Institut für Alte Musik gegründet
Nachrichten Kultur Institut für Alte Musik gegründet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 08.01.2011
Von Stefan Arndt
Anzeige

Der Name ist ein wenig irreführend: Alte Musik – das klingt nach Staub und Langeweile, nach der Wiederholung des Immergleichen. Dabei ist gerade die Beschäftigung mit Kompositionen, die vor denen von Haydn oder Mozart entstanden sind, derzeit bei Weitem das innovativste Feld im Bereich der klassischen Musik. Die historische Aufführungspraxis, die Wiederentdeckung einer vergessenen Klangsprache, prägt das Musikleben heute stärker als jede andere Entwicklung der vergangenen Jahre. Ein Ende ist dabei nicht abzusehen. Das Repertoire der Alten Musik wächst sogar immer rasanter. Umso erstaunlicher, dass die Ausbildung in diesem Bereich entweder die Sache von einigen wenigen hoch spezialisierten Instituten ist oder von interessierten Musikern eher schlecht als recht in Eigenregie organisiert wird.

An der Musikhochschule in Hannover soll sich das nun ändern: Das ehemalige Studio für Alte Musik wurde zu Beginn des Jahres aufgewertet und firmiert nun als Institut für Alte Musik. Damit wird das Thema historische Aufführungspraxis, eben noch ein bewusst randständig gehaltenes Spezialgebiet, fester Bestandteil der Musikerausbildung in Hannover: Die Alte Musik gehört nun zum Pflichtprogramm für alle Studenten.

Institutsleiter Zvi Meniker und Bernward Lohr, der das Vorstellungskonzert der neuen Einrichtung leiten wird, sind aber überzeugt, dass diese Pflicht nicht lästig sein wird. „Die Musik, mit der wir uns beschäftigen, hat ein riesiges Spektrum – sie kann alles umfassen, was damals gespielt worden ist. Im Vergleich zum sehr engen Konzertrepertoire kann das eine Befreiung sein“, sagt Lohr. Und von dem, was Musikern nutzt, profitiert auch das Publikum: „Diese Musik ist für Events komponiert und nicht für eine starre Konzertliturgie“, sagt Lohr, der zuversichtlich ist, über die Alte Musik neue Zuhörer für Klassik gewinnen zu können. An der Hochschule gibt es dazu fortan öfter Gelegenheit. Die Arbeit des Instituts soll regelmäßig in Konzerten vorgestellt werden.

Und so etabliert die historische Aufführungspraxis in Mitteleuropa heute bereits ist – Musiker aus Asien und Ost­europa, die zum Studieren nach Deutschland kommen, haben oft nur wenig davon gehört. „Dort ist man noch nicht so weit“, sagt Meniker, „aber das wird sicher kommen.“ Eine Ausbildung in Hannover dürfte das nun beschleunigen.

Am 11. Januar, 19.30 Uhr, stellt sich das neue Institut im Richard-Jakoby-Saal der Hochschule mit einem Konzert vor. Auf dem Programm stehen unter anderem Auszüge aus der Vivaldi-Oper „Giustino“.