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Kultur „Mir gerät alles in Zeichnung“
Nachrichten Kultur „Mir gerät alles in Zeichnung“
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00:21 13.06.2014
Simon Schwartz ist einer der besten deutschen Graphic-Novel-Autoren. Quelle: Maja Hitij
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Ihre erste Graphic Novel „drüben!“ handelt vom Leben Ihrer Eltern in der DDR, dem Wechsel nach Westen und den Wiederbegegnungen nach dem Mauerfall. Sie starten also mit dem Schwersten, den Traumata der Familie. Wie kam es dazu?
Das war nicht geplant. Beschäftigt hat mich besonders der innerfamiliäre Bruch zwischen meinen Eltern und in der DDR gebliebenen Großeltern. Dass daraus eine Graphic Novel wurde, liegt einfach daran, dass bei mir alles zur Zeichnung gerät. Wäre ich Tänzer, hätte ich diese Geschichte wohl getanzt.

Sie erzählen da in Zeitsprüngen, mit eingeschobenen Flashbacks. Warum?
Chronologisches Erzählen kann leicht langweilig sein. Auch die Erinnerung folgt ja nicht nur der Zeitachse, sie kann sprunghaft und assoziativ sein. Außerdem konnte ich so die Frage nach dem Konflikt zwischen den Generationen früh aufwerfen, obwohl der erst nach dem Ausreiseantrag meiner Eltern aufbrach. 

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Ihre Vorbilder sind Hannes Hegen, aber auch Chris Ware. Hegen zeichnete in der DDR für das Magazin „Mosaik“, Ware ist experimenteller. Gab es diese Einflüsse gleichzeitig oder nacheinander?
Durch einen Freund meiner Eltern, der ebenfalls aus der DDR ausgereist war, lernte ich das frühere DDR-Comicmagazin „Mosaik“ kennen. Diese Comics waren das Einzige, was er in den Westen mitgenommen hatte. Chris Ware habe ich erst beim Studium in Hamburg kennengelernt. Dennis Scheck nennt ihn den James Joyce der Graphic Novel. Er ist ein höchst komplexer und vielschichtiger, für mich wichtiger Impulsgeber. 

Sie treten heute zu einer „Lesung“ an. Wie geht das bei dem Medium Comic?
Mit einer Mischung aus Film und Hörspiel: Ich lese aus zweien meiner Bücher,  und dabei werden die zugehörigen Bilder projiziert. Aus der Polarforschergeschichte „Packeis“ wird es so einige Szenen zu sehen und zu hören geben, aus meinem neuen Buch „Vita Obscura“ mehrere der 33 Einzelbiografien. Und dann zeige ich noch Skizzen und Entwürfe. 

Beide Bücher sind zeichnerisch experimenteller als „drüben!“. Haben Sie für sich schon einen Schlussstrich unter die einfachen Comic-Kästchen gezogen?
Man entwickelt sich halt weiter. „drüben!“ ist 2006 entstanden, es ist für mich heute auch ein historisches Dokument meiner damaligen Arbeitsweise. „Packeis“ kommt teils ohne Text aus, ich vertraue da ganz auf die Aussagekraft der Bilder und die Beobachtungsgabe der Leser. Bei „Vita Obscura“ setze ich noch mehr Techniken ein, Collage, Aquarell, inszenierte Fotografie. Als Nächstes will ich versuchen, ganz auf Farbe zu verzichten, und schwarz-weiß zeichnen.

Inzwischen lehren Sie selbst Illustration in Hamburg. Sind die Studierenden da noch experimenteller orientiert?
Vor allem scheinen mir viele noch selbstverständlicher mit digitalen Techniken umzugehen. Die zeichnen, scannen und erzeugen dabei mehr als nur Kopien des Analogen. Solche Arbeiten zeugen davon, dass es heute eben mehr Mittel gibt als Bleistift, Feder und Pinsel. Diese Studierenden bahnen sich ganz eigene Wege, und mir macht es sehr viel Spaß, sie dabei zu begleiten. 

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